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Freie Kindergärten : Kitas: Träger drohen mit Schließungen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die freien Kindergärten fühlen sich systematisch benachteiligt und denken laut über eingeschränkte Öffnungszeiten nach.

shz.de von
erstellt am 04.Nov.2015 | 14:30 Uhr

Flensburg | Die Stadt betreibt gerade einmal zehn der gut 60 Flensburger Kitas. Umgekehrt heißt das: 77,6 Prozent der Kindergartenkinder in der Stadt werden von freien Trägern betreut – von der Kirche, dem ADS-Genzfriedensbund, Adelby1, den dänischen Einrichtungen oder einer der zahllosen kleinen Kitas. Dass sie alle sich nun zu einer Kita-Interessengemeinschaft (KIG) zusammengeschlossen haben, dürfen Sozialpolitiker der Stadt sowie die Verwaltung durchaus als Signal werten. Die aus Sicht aller freien Träger seit einem Jahr erwartete und längst fällige Kita-Finanzierungsreform kommt nicht aus den Startlöchern: „Wir führen seit einem Jahr intensive Gespräche mit der Stadtverwaltung, aber im Ergebnis ist nichts zu merken und das Thema kommt nicht in die Ausschüsse“, schimpft Gerd Nielsen, Chef der evangelischen Kitas in Stadt und Kreis. Und er ergänzt: „Wir bekommen für 2016 unsere Haushalte nicht mehr zusammen und können unsere Kita-Plätze nicht mehr sichern.“ Dabei sei der Gesamtinvestitionsbedarf längst festgestellt – rund zwölf Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren.

Sollte die Stadt dies als unverhohlene Drohung verstehen, liegt sie wohl nicht ganz falsch: Flensburg wolle in den kommenden Jahren rund 280 zusätzliche Kita-Plätze schaffen, aktuell stünden 40 Kinder in Flensburg auf Wartelisten. „Das bedeutet, dass sie nicht betreut werden, weil sie keinen Platz haben“, sagen Gesa Görrissen und Henning Fitsch, zwei der Sprecher von KIG. Kommt es zu keiner Finanzierungsreform, seien vier Kita-Standorte mit 200 Plätzen von der Schließung bedroht, weil sie die Auflagen nicht mehr erfüllen könnten. „Uns steht das Wasser bis zum Hals, aber es wird einfach nichts beschlossen“, sagt Gerd Nielsen. Das Problem: Auch nach der Absenkung des Eigenanteils der Träger auf fünf Prozent zum Jahreswechsel, sei die Modellkita von der Stadt nur zu 95 Prozent finanziert – und mit 2000 Euro für Gebäudemaßnahmen sei natürlich nichts auskömmlich zu renovieren. Vor allem fünf Punkte müssen sich aus Sicht der freien Träger zwingend ändern, um deren Kitas auch nur ansatzweise mit denen der Stadt gleichzustellen: Der Personalschlüssel in den Gruppen müsse von 1,5 auf 2 steigen, man brauche eine echte Investitionsförderung, eine Auslastungserstattung, wenn einzelne Plätze einmal frei seien sowie eine Verwaltungskostenerstattung und Erstattung der Betriebsauflagen. „Allein beim Schallschutz gibt es Stau in acht oder neun Kitas“, sagt Nielsen. Das sei weder für die Kinder noch für Erzieher hinnehmbar. Gerd Nielsen befürchtet: Kommt die Finanzreform nicht, müssten zunächst die teuren Öffnungszeiten am Morgen und Nachmittag eingeschränkt werden.

Bürgermeister Henning Brüggemann sagte, das Thema sei intensiv diskutiert worden – mit Optionen von Elternbeitragserhöhung über zusätzliche Schulden bis zur Steuerfinanzierung. Nun fehle ein Signal von der Politik.

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