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Nördliche Altstadt Flensburg : Kita-Kinder auf Buchstabenjagd

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Projekt „XYZ! KunstStabenWelten“ spricht besonders Vorschulkinder aus sozial schwachen Schichten an.

Vogel-V, S, O – und dann ist das T dran! Buchstabensuche in der Kita Marientreppe – das freut besonders die fünfjährige Tarin aus Syrien, da ihr Name mit demselben Buchstaben beginnt.

Tarin ist eines von 25 Kindern der Kita Marientreppe an der Norderstraße, das am Projekt „XYZ! KunstStabenWelten“ teilnimmt. Vor vier Jahren kam Nicola Kochhafen auf die Idee: Vorschulkinder aus sozial schwachen Schichten machen sich auf eine spielerische Entdeckungstour nach Buchstaben im unmittelbaren Umfeld. Die gefundenen Buchstaben setzen die Kinder in Kunst um: mit recycelten Materialien und beispielsweise durch Linoldruck mit der Künstlerin Sarah Kürzinger. Das Programm wird von der Diplom-Kulturpädagogin Nicola Kochhafen, der Studentin Julia (21) und der Erzieherin Iris Wagner mitgeplant. Alle beteiligen sich, wie sie können: So begleitete die Studentin die Kinder mit Gitarre, die alle zusammen „Wenn das L das A trifft“ singen.

„Alle Beteiligten waren von Anfang an begeistert und mit ganzem Herzen dabei“, sagte Nicola Kochhafen dankbar. Zu denen gehören auch die Bündnispartner Awo (Demokratie im Kindergarten), Nordernart sowie Pädagogen und Erzieher der Kitas.

„Durch die Kunst entfalten sich die Kinder auf einer völlig anderen Ebene“, sagte Nicola Kochhafen staunend über ihre kleinen Künstler, die regelrecht in ihre Arbeit versinken. „So können sie für zehn Minuten den Alltag vergessen.“ Kochhafen weist damit auf die teils schwierigen Familienverhältnisse der Kinder hin. Dies sieht die Kulturpädagogin als eine ganz neue Herausforderung in ihrem Projekt: Es sind drei Gruppen am Projekt mit maximal acht Kindern beteiligt. Dabei kommen die kleinen Künstler unter anderem aus Syrien, Bangladesch, Aserbaidschan, Griechenland und der Türkei. „Mehr Inklusion geht nicht“, sagte Kochhafen mit Blick auf die vielen Kulturen der Gruppen. Ganz stolz zeigte Shareen (5) ihr Kunstwerk. Ihre Familie kommt aus Bangladesch und half begeistert beim Projekt mit, indem sie Buchstaben auf Arabisch aufzeichneten. So lernen die Kinder auch andere Buchstaben aus anderen Sprachen kennen, wie letzte Woche die japanischen Schriftzeichen. Dabei herrscht kein Druck, sie lernen nicht alle Buchstaben von A bis Z streng durch.

„Dieses Projekt ist auf freiwilliger Basis aufgebaut“, betont Nicola Kochhafen. Sie persönlich sieht es auch als einen kulturellen Bildungsauftrag. Ausflüge, darunter Museen- oder Strandbesuche, ergänzen das Programm. „Wir wollen den Kindern eine Möglichkeit geben, aus der Kita herauszukommen“, sagt die ehemalige Kunststudentin: Am Donnerstag fand ein Workshop mit der Künstlerin Gundula Sommerer statt. Zusammen arbeiteten sie an Ton-Schrift-Platten. Und für die kommenden Wochen ist ein ganz besonderer Besuch in der Dänischen Zentralbibliothek in der Norderstraße geplant, wo sie von „Professor ABC“ empfangen werden – einem Kinderclown.

Diese Kunstwerkesammlung wird dann am 26. April sogar für sechs ganze Wochen im Nordernart ausgestellt. Obwohl die Kinder ihre Kunstwerke gern mit nach Hause nehmen würden, ist diese Ausstellung ein großer Höhepunkt. Sie wird bereits ein zweites Mal im Nordernart stattfinden.

Ob es dieses Projekt ein drittes Mal geben wird, hängt von der Förderung durch das „Kultur-macht-stark-Programm“ ab. „Das ist das bittere I-Tüpfelchen“, so Kochhafen traurig mit Blick auf die Finanzierung solcher Kunstprojekte. Wenn sie im Herbst einen Zuschlag bekommen werden, freuen sich die Kulturpädagogin und die werdenden Vorschulkinder schon auf das nächste Projekt, das dann von 2018 bis 2020 laufen wird.

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erstellt am 19.Feb.2017 | 07:52 Uhr

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