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Heftige Vorwürfe : Kita Engelsby: Die Nerven der Eltern liegen blank

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In der Flensburger Kita kriselt es seit einiger Zeit. Der knappe Personalschlüssel und die fehlende Kommunikation zwischen Erzieherinnen und Familien führen zu Problemen.

shz.de von
erstellt am 02.Jun.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | Ein knapper Betreuungsschlüssel, zerstrittene Erzieher und genervte Eltern – das ist eine kurze Zusammenfassung von dem, was sich in der Kita Engelsby am Taruper Weg abspielen soll. Hinzu kommt der aktuelle Streik in den städtischen Einrichtungen, der für alle eine zusätzliche Belastung ist. Die Nerven bei den Eltern liegen blank, denn bereits seit längerer Zeit soll es in der Kita kriseln.

Gründe dafür gibt es laut einer Familie, die sich anonym an das Flensburger Tageblatt gewandt hat, einige. Sie wirft den Erzieherinnen vor, sich nicht ausreichend um die Kinder zu kümmern, weil sie „gemütlich im Eingangsbereich sitzen und Kaffee trinken“, während die Kleinen auf sich allein gestellt sind, heißt es in einem anonymen Beschwerdebrief. In Krankheitsperioden würden Praktikanten auf den Nachwuchs aufpassen. Auch eine Anweisungen durch die Kita-Leitung, die aufgrund einer Langzeit-Erkrankung durch eine Erzieherin vertreten wurde, bleibe aus.

Die Stadt und die Kita-Leitung haben für diese Probleme jedoch eine Erklärung. Das „Kaffeetrinken“ ist laut Maren Jensen, Leiterin der Kindertagesbetreuung und Achim Becker-Niemann, Leiter der Kita Engelsby, die „Morgenrunde“ – eine Methode, bei der die Kinder frei spielen dürfen, während die Erzieher sich im selben Raum befinden und dort den Tagesablauf organisieren, damit die Kleinen nicht auf der Strecke bleiben. Die Runde dauert meist nur zehn Minuten, danach geht es in die Gruppen. Jensen erklärt zudem, dass eine Erzieherin als Vertretung für Becker-Niemann eingestellt wurde, als dieser krankheitsbedingt ausfiel. Diese habe eine Kollegin im Gruppendienst ersetzt.

Auch die frühkindliche Förderung steht auf der Liste der Kritikpunkte. Diese würde wegen des knappen Betreuungsschlüssels ausfallen, denn die Erzieherinnen hätten nur Zeit, um den Grundbedürfnissen der Kinder nachzukommen. Auch Entwicklungsgespräche über die Sprösslinge fänden nicht statt, denn wenn die Kita dünn besetzt ist, gehe das Tagesgeschäft vor. „Die Kinder spielen die erste Rolle“, betont Jensen. Dass die Erzieherinnen zerstritten sein sollen, ist Becker-Niemann neu. Seine Mitarbeiterinnen hätten nach eigener Aussage ein überraschtes Gesicht gemacht, als sie mit dem Vorwurf konfrontiert wurden. In Engelsby gebe es Jensen zufolge eine ausgeprägte Streitkultur. Anstatt sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, sprechen sich die Erzieherinnen aus und diskutieren Unstimmigkeiten.

Martina Grimm, Elternvertreterin der Kita Engelsby, kann einige der Kritikpunkte der Familie nachvollziehen. Und sie ahnt auch, wo das Ganze seinen Ursprung hat. „Es gibt wenig Austausch zwischen Erziehern und Eltern“, sagt sie. „Man muss hinter allem her sein.“ Das sei vermutlich ein Grund dafür, dass einige Väter und Mütter über gewisse Umstände nicht Bescheid wissen. Zum Beispiel, wofür der Betrag, den die Eltern halbjährlich für Ausflüge bezahlen, wirklich verwendet wird.

Grimm erzählt von einem weiteren Problem in der Kita. Ihr Sohn wurde in einer Gruppe betreut, in der die Erzieher oft wechselten. Auch ihre Tochter geht zurzeit in diese sogenannte Elefantengruppe. Ideal sei das für die Kleinen nicht, die sich oft umstellen müssen. Als „dumme Zufälle“ beschreibt Jensen den häufigen Personalwechsel. Sie betont jedoch, dass sowohl die Stadt als auch die Kita-Leitung stets bemüht sei, zügig für einen Ersatz zu sorgen. Doch auch sie weiß, dass „die Welt nicht überall in Ordnung ist“.

Auch Katharina Dethleffsen, die Vorsitzende der Kreiselternvertretung, erzählt, dass es diese Probleme nicht nur in Engelsby, sondern auch in anderen Kitas in der Stadt gibt. Aber sowohl die Stadt als auch die Kita sind sich einig, dass sie den Kindern eine gute Betreuungsqualität bieten möchten. Das gehe aber nur mit mehr Personal, das auch entsprechend bezahlt wird. Und dabei sind ihnen die Hände gebunden.

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