Krippenplätze : Kita-Ausbau als Millionen-Aufgabe

Bis 2016 sollen allein 250 weitere Krippenplätze entstehen – obwohl in der Stadt gerade 110 zusätzliche gebaut werden.

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06. Juni 2014, 08:30 Uhr

Der Ausbau der Kindergartenplätze für Über- und Unter-Dreijährige wird für Flensburg bereits in den kommenden Jahren zur Millionen-Aufgabe. Das berichtete Michael Düring, stellvertretender Leiter der Kindertagesbetreuung der Stadt, im Jugendhilfeausschuss. Die Jugendpolitiker unter Vorsitz von Ellen Kittel-Wegner (Grüne) segneten bei einer Enthaltung die Kita-Bedarfsplanung bis 2016 ab, die allein für Unter-Dreijährige die Notwendigkeit von 250 zusätzlichen Plätzen sieht, um den erwarteten Bedarf von 45 Prozent aller Kinder zwischen einem und drei Jahren zu decken. Für Kinder zwischen drei und sechs sei eine leichte Steigerung um 70 Plätze notwendig, um den vermuteten Bedarf (96 Prozent) zu decken. Weitere 120 zusätzliche Plätze seien für die Betreuung von Grundschulkindern nötig – nicht nur in Hortgruppen, sondern auch im offenen Ganztagsangebot der Schulen. Bildungs-Fachbereichsleiter Ulrich Mahler erinnerte daran, dass der Ausschuss bereits im April beschlossen hat, selbst 150 zusätzliche Kita-Plätze zu schaffen.

Bereits in diesem Jahr muss die Stadt für den Kita-Ausbau fast 700 000 Euro zusätzlich investieren, 640 000 Euro für den Ausbau der Betreuungsplätze und 50 000 Euro Planungskosten für die weiteren Investitionen. Schon im kommenden Jahr muss Flensburg beim Ausbau der Kindertagesbetreuung einen Millionenbetrag stemmen. Von gut einer Million Euro entfallen dann zwei Drittel auf den eigentlichen Ausbau. Dazu kommen dann noch Kosten für die Ermäßigung von Elternbeiträgen, die Festanstellung von Tagespflegepersonal oder dafür, dass die Zugangsbeschränkung auf Betreuungsplätze aufgehoben wird. Im Jahr 2016 schließlich liegt der Mehrbedarf für die Kitas bereits bei rund zwei Millionen Euro, davon schon 1,6 Millionen Euro für den Platzausbau.

Auf die Frage, wie ein Bedarf von 96 Prozent ermittelt wurde, erklärte Düring: „Wenn mehr Kinder da sind, werden alle bereut, auch wenn es 102 Prozent sind.“ Dies könnte theoretisch der Fall sein, wenn mehr Kinder aus dem Kreisgebiet in der Stadt betreut werden als umgekehrt. „Wir sind derzeit bei 94 Prozent, also haben wir schon etwas draufgepackt“, sagte dazu Sozial-Fachbereichsleiter Horst Bendixen. Klar wurde: Die Stadt erwartet in allen Altersklassen einen steigenden Bedarf, vor allem bei den Kindern unter drei Jahren: „Selbst um Plätze für 45 Prozent der Unter-Dreijährigen zu schaffen, sind 250 Plätze notwendig“, sagte Mahler. Und das, obwohl in der Adelby-1-Kita Hochfeld (30), der städtischen Kita Weiche (10), bei der Diako (10) sowie den beiden dänischen Neubauvorhaben an der Ringstraße und am Alten Husumer Weg (zusammen 60) bereits aktuell 110 Krippenplätze in Bau sind. Er erwarte, dass die Nachfrage weiter steigen wird – auch wenn Flensburg noch keine Großstadt ist: „Berlin ist bei einer Versorgungsquote von 70 Prozent.“

Den SPD-Antrag zum Bau einer neuen Kita auf dem Gelände der Hohlwegschule an der Glücksburger Straße zog SPD-Ratsfrau Inge Krämer zunächst zurück. Mahler hatte zuvor erklärt, dass die Stadt bereits einen umfassenden Auftrag habe – zu prüfen, wo in der Stadt der Bedarf am größten ist und welche Standorte dafür in Frage kämen. Dabei werde auch die Hohlwegschule untersucht. Klar sei, dass im Flensburger Norden ein Ersatz für die Kita Sophiesminde gebraucht werde – und dass in der südöstlichen Innenstadt mittelfristig die Kitas Johannisstraße und Schwedenheim zur Disposition stünden. Dies dürfte aber noch mehrere Jahre dauern.

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