Die Brücke : Kirchner-Kunst auf dem Museumsberg

Akte nehmen in der Kirchner-Ausstellung breiten Raum ein - wie dieses 'Paar' betitelte Werk von 1908.
Akte nehmen in der Kirchner-Ausstellung breiten Raum ein - wie dieses "Paar" betitelte Werk von 1908.

Nach den Bildern von Malern der Berliner Secession kommt jetzt mit Zeichnungen des Brücke-Künstlers Ernst Ludwig Kirchner ein weiteres Highlight auf den Museumsberg.

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27. März 2009, 11:19 Uhr

Für Museumsdirektor Ulrich Schulte-Wülwer geht der Abschied auf Raten weiter. Am Sonntag wird er seine drittletzte Ausstellung auf dem Museumsberg eröffnen; Ende des Jahres verabschiedet er sich in den Ruhestand. Die "Meisterblätter" von Ernst Ludwig Kirchner aus dem Berliner Brücke-Museum sind nochmal ein Meilenstein in seiner 34-jährigen Wirkungszeit in Flensburg.

Vor gut 100 Jahren waren Kirchner und seine wilden Maler-Freunde schon mal auf dem Museumsberg zu sehen, bei Ernst Sauermann, Sohn des Museumsgründers. "Schaurig, grässlich, wahnsinnig" titelten die Flensburger Nachrichten 1907 über die Bilder der "Brücke"-Maler; Emil Nolde hatte den Kontakt zwischen Künstlern und Museum hergestellt. Es war die erste Ausstellung der noch jungen Künstlergruppe in einem Museum; selbst Galerien trauten sich nicht an die "Brücke" heran. Für das Flensburger Publikum waren die Bilder ein Schock.
Autodidakt und unkonventionell
Dieses Schockerlebnis wird sich am Sonntag sicher nicht wiederholen. Doch auch heute wirken die Zeichnungen Kirchners alles andere als konventionell. Ein Großteil der Blätter zeigen Akte, die der Künstler - damals noch in Dresden - mit schnellem Strich aufs Papier gebracht hat und die, so die Museumsvolontärin Dörte Ahrens, vom Jugendstil beeinflusst sind. Kirchner war, wie die anderen "Brücke"-Maler auch, Autodidakt und lehnte das Akademische in der Kunst ab. Man lebte in ärmlichen Verhältnissen, heizte den Raum schnell auf, bevor sich die Frauen schnell auszogen und die Männer sie dann schnell zeichneten. Mit Aktmalerei im akademischen Sinne hatte das nichts zu tun. "Kühne konsequente Unbürgerlichkeit" nennt Schulte-Wülwer diese Haltung der Künstler.

Zu sehen sind im Hans-Christiansen-Haus auch Stadtansichten aus Dresden - das Denkmal von August dem Starken, die Frauenkirche, gezeichnet mit Kohle oder Pastellkreide. "Sein Stil ändert sich, er wird nervöser, schneller", erklärt Dörte Ahrens. Ab 1911 lebt Kirchner in Berlin, hier entsteht eines seiner berühmtesten Werke, die "Straßenszenen"; Vorzeichnungen dieses Bildes sind jetzt in Flensburg zu sehen, auch eine Vorstudie zur "roten Kokotte". 1913 zerbricht die "Brücke", 1915 geht er freiwillig zum Militär, um wenige Monate später physisch und psychisch zusammenzubrechen. Sucht, Entwöhnung, Krankheit und Therapien prägen die nächsten Jahre; Kirchner lebt jetzt in der Schweiz. Sein Stil wandelt sich erneut, in den 1930er Jahren sind deutliche Anklänge an den Kubismus eines Picassos zu erkennen. 1938 nimmt er sich das Leben.

Eine Ausstellung diesen Kalibers kann der Museumsberg nicht mit Bordmitteln finanzieren; wie schon häufiger in der Vergangenheit halfen die Nord-Ostsee-Sparkasse und die Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein. Bei der Eröffnung am Sonntag (11.30 Uhr) führt Prof. Dr. Magdalena Moeller, Direktorin des Brücke-Museums Berlin, in die Ausstellung ein, die dann bis 31. Mai gezeigt wird.

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