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Kirchenschiff am Flensburger Hafen : Kirchentag in Kleinformat

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dreimaster „Artemis“ besucht zum Reformationsjubiläum Flensburg und lockt mit einem bunten Programm viele Menschen an

Anlässlich des 500. Jubiläums der Reformation fährt die „Artemis“ vier Wochen lang Häfen der Nordkirche an, feiert Gottesdienste und informiert über die evangelische Kirche. „Die Reformation durch Martin Luther feiern wir seit Monaten, aber das jetzt ist ein Höhepunkt“, erklärt Pröpstin Lenz-Aude bei der Programm-Eröffnung. Und Stadtpräsidentin Krätzschmar ergänzt: „Luther war vor allem eins: Unbequem. Durch ihn hat sich das Gesicht Europas verändert.“ Durch ihn hätten die Menschen Zugang zum geschrieben Wort und zu Bildung bekommen. Das habe nichts an Aktualität eingebüßt, so Krätzschmar weiter. „Auch heute müssen wir für Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie eintreten.“

Diesen Gedanken zum Anlass nehmend, wurden alle Einwohner aufgerufen, zu zeigen, wie bunt unsere Fördestadt ist: Jede in Flensburg vertretende Nation sollte am Nachmittag an die Hafenspitze kommen und zeigen, dass wir erfolgreich multikulturelle Vielfalt leben. Doch zuvor gab es ein umfangreiches Programm, sowohl an Bord, als auch an Land.

„Martin goes Brass“, ein Zusammen-schluss aus fünf Flensburger Bläserchören, beginnt das Fest mit dem Gang vom Schiff bis zur Bühne. Untermalt wird dieser kleine Zug von Liedern wie „Morning has broken“ und „Er hält die ganze Welt in seiner Hand“, nicht wenige des überwiegend älteren Publikums singen mit. An der Hafenspitze herrscht ein bisschen Kirchentagsstimmung, am Spielplatz steht ein Spielmobil, daneben eine rot-blaue Hüpfburg. An einer großen Druckerpresse, die aussieht, als wäre sie aus der Zeit Gutenbergs entsprungen, darf man mit etwas Hilfe selbst „Hand anlegen“ und Blätter mit dem Psalm 23 oder Luthers Abendsegen bedrucken. Viele Kinder haben Spaß daran, den Stempel mit Farbe zu bestreichen, die Erwachsenen bewundern hingegen die handwerkliche Leistung und den Aufwand, den der Druck eines ganzen Buches macht. Gleich nebenan werden die Besucher aufgefordert, an eine mit der Tür der Wittenberger Schlosskirche bedruckte Säule die Thesen zu hämmern, die sie heute für aktuelle halten. „Menschlichkeit vor Profit“, „Lieber Gott, hilf den Armen“ und „Frieden für alle – und Freibier“ kann man dort lesen. Auf der Bühne sorgen derweil ein Chor und im Anschluss eine Jazz-Formation für die musikalische Unterhaltung. Viele Gäste machen es sich auf den Liegestühlen oder den mit Luther-Zitaten bedruckten Biergarnituren vor der Bühne bequem und wippen im Takt mit.

Auf der „Artemis“ feiert Propst Helgo Jacobs inzwischen einen Kindergottesdienst. Er erzählt mit Hilfe einer kleinen Handpuppe die Geschichte von Jonas und dem Wal und singt ein Lied, dessen Refrain die jungen Zuhörer schnell gelernt haben. Sie machen eifrig mit, beantworten Fragen und einige können am Ende sogar das „Vater unser“ mitbeten. „Ich wünsche euch, dass ihr immer Freunde habt“, gibt Jacobs ihnen noch mit auf den Weg. Bei der anschließenden Schiffserkundung, die die Kinder allein machen dürfen, war schnell ein kleiner Star gefunden: Die beinahe lebensgroße Martin Luther-Playmobil Figur zog die jungen Gäste förmlich an.

Der Poetry-Slam, moderiert von Björn Högsdal, ließ keinen Platz mehr an Bord. Ein gut durchgemischtes Publikum drängte sich in jede Ecke des Schiffes, viele hörten von Land zu. Sieben junge Menschen stellten ihre Texte über „Vater-unser“-Schnellsprechrekorde, Selbstwertgefühl, die Abenteuer des Lebens und Freundschaften mit der tollen Kulisse des Hafens im Rücken vor und die Zuschauer dankten es ihnen mit tosendem Applaus.

Unterbrochen werden die Arrangements an Bord nur von einer Goldenen Hochzeit, einer Taufe und einer Eheschließung, bei denen die Feiergemeinden ganz unter sich bleiben können. Zwischendurch sind die Besucher des Nordkirchenschiffs immer wieder eingeladen, sich ganz unkompliziert einen Segen „to go“ abzuholen.

Die Samba-Truppe „Policia do Samba” läutet währenddessen vor der Bühne den Abschluss des „Bunt – bunter – Flensburg“-Projektes ein. Für jede der inzwischen 24 anwesenden Nationalitäten spenden Aktiv Bus, die SG Flensburg-Handewitt und die Helmut-Schumann-Stiftung zusammen 50 Euro in den Bürgerfonds. Auf dem Boden ist ein großer Kreideerdkreis aufgemalt, und unter der Moderation von Karin Henningsen finden alle Mitwirkenden finden ihren Platz auf dem Erdenrund. „Wir machen die Welt klein und überschaubar“, ruft Henningsen, während sich Besucher aus Ghana, Kasachstan, Weißrussland, Zypern und der Türkei lachend in die Länderumrandungen stellen.

Die deutschen Mitwirkenden sollen sich „Zwischen Holland und Dänemark“ platzieren, Griechen, Iraner und Franzosen fragt sie, ob sie im Erdkundeunterricht aufgepasst haben, weil es langsam etwas unübersichtlich auf der Landkarte wird. Als schließlich alle mehr oder weniger richtig stehen, spielt die Band auf der Bühne „We are the world“ – eine buchstäbliche Beschreibung der Situation. So gut wie alle Zuschauer an der Hafenspitze singen mit und erzeugen Gänsehautstimmung.

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erstellt am 17.Jul.2017 | 06:56 Uhr

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