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St. Jürgen in Flensburg : Kirche in Not: Es fehlt eine halbe Million Euro

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kein Gottesdienst, keine Taufe, keine Hochzeit: Seit 14 Monaten ist die St. Jürgen-Kirche in Flensburg geschlossen. Ein neuer Förderverein für die Erhaltung von St. Jürgen will das Geld für die Sanierung einwerben.

Die Tür zur St. Jürgen-Kirche steht offen. Ein ungewohntes Bild. Denn seit 14 Monaten schon ist das 106 Jahre alte Bauwerk geschlossen. Kein Gottesdienst mehr, keine Taufe, keine Hochzeit. Stefan Henrich führt eine kleine Besucherschar hinein. Sein Blick wandert nach oben. „Betreten nur auf eigene Gefahr“, sagt er. Scherzhaft gemeint, doch zum Lachen ist dem Pastor nicht zumute.

Zwar bröckeln, wie vor wenigen Monaten noch, weder Putz noch Mörtel oder Steinbrocken aus dem Gewölbe, doch die jetzt vorliegende Berechnung für die dringend erforderliche Sanierung ist niederschmetternd. Der Plan von Dombaumeister und Architekt Jürgen Padberg, der vorgeschlagen hatte, das GewölbeMaterial aus rheinischem Schwemmstein ober- und unterseitig mit Carbon zu festigen, hat Kosten von 542 000 Euro zur Folge. Geld, von dem die Kirchengemeinde nur träumen kann.

Henrich erläuterte gestern noch einmal, dass die Schäden nicht nur, wie ursprünglich angenommen, von den Schwingungen der Glocke herrührten; vielmehr seien konstruktive Mängel, Materialermüdung, Windlasten und Temperaturschwankungen dafür verantwortlich. „Die Schließung“, sagt Henrich, „hat Bedauern und Trauer in der Gemeinde ausgelöst.“

Doch die ist nicht untätig geblieben. Ein gutes Dutzend engagierter Bürger fand sich zusammen, mit dem Ziel, sowohl die aktuellen Schäden anzugehen als auch die Existenz der Kirche langfristig zu sichern. Unter dem Vorsitz von Lars Jensen-Nissen (38) hoben sie den gemeinnützigen Verein zur Erhaltung der St. Jürgen-Kirche aus der Taufe. Er soll als Bindeglied zwischen Kirchen- und Bürgergemeinde fungieren und, wie Jensen-Nissen sagt, aus der Not heraus eine Aktion ins Leben rufen, die Zusammenhalt schafft. „Das ist meine stille Hoffnung.“ Insofern sollten sich ausdrücklich auch Menschen angesprochen fühlen, die nicht so kirchennah sind, aber das Stadtbild prägende Gebäude für Flensburg erhalten wollten. „Für uns ist die Kirche ein Wahrzeichen Flensburgs. Und wir freuen uns über alle Menschen, die sich aktiv einbringen möchten.“ Das sei auch dringend vonnöten. Ihm selbst seien die Tränen gekommen, als er die „dramatischen Schäden“, die Risse und Löcher im Gewölbe gesehen habe.

Ob es letztlich zu einer Bewehrung mit Carbongewebe kommt, ist noch nicht endgültig geklärt. Denn da es sich bei den Padberg-Plänen um ein Pilotprojekt handelt, für das es keine Langzeiterfahrung gibt, haben Vertreter der Landeskirche, des Kirchenkreises und Denkmalschutzes empfohlen, ein zweites Gutachten einzuholen, für das noch einmal 3000 Euro fällig werden. Dieses wird zurzeit von dem Bauingenieur Karl-Ernst Bürkner (Ellerhoop) erstellt. Zudem soll ein Expertengespräch abschließend Aufschlüsse über die weitern Maßnahmen bringen.

Der Kirchengemeinderat hat die Gründung des Fördervereins ausdrücklich begrüßt. Erste Spenden sind bereits eingegangen. Doch die aktuell vorhandenen 11000 Euro sind nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein.

 

 


>Info-Abend am Freitag, 27. September, im Gemeindehaus St. Jürgen, Vereinskonto Nummer 164429276 bei der Nospa, 217 500 00

 

 

 

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erstellt am 18.Sep.2013 | 07:06 Uhr

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