Einzelhandel in Flensburg : Kirche Adelby setzt Stadt die Pistole auf die Brust

Reges Interesse und eindeutiges Votum am 24. April: Dieter Kopp von der Lidl-Nord-Zentrale stellte in der Adelbyer Kirche die Pläne des Discounters vor.
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Reges Interesse und eindeutiges Votum am 24. April: Dieter Kopp von der Lidl-Nord-Zentrale stellte in der Adelbyer Kirche die Pläne des Discounters vor.

Diskussion um Lidl-Markt in Tarup spitzt sich zu / OB Lange: Sind im Gespräch mit anderen Bewerbern

shz.de von
12. Juni 2018, 06:16 Uhr

In der Planungsdiskussion um die Ansiedlung eines Nahversorgungsmarktes an der Taruper Hauptstraße setzt die Kirchengemeinde Adelby der Stadt Flensburg jetzt die Pistole auf die Brust. In einem Offenen Brief an Oberbürgermeisterin Simone Lange und ihren Planungschef Peter Schroeders macht Pastor Thielko Stadtland als Vorsitzender des Kirchengemeinderates unmissverständlich klar: Der Verkauf des für den Bau notwendigen Kirchengrundstücks erfolgt zu den Bedingungen der Kirchengemeinde. Und die priorisiert anders als die Stadt die bereits vorgestellte Lösung mit einem 1300 Quadratmeter großen Lidl-Markt. „Das Grundstück werden wir nur verkaufen, wenn es dafür einen konkreten Marktbetreiber gibt, der mit einem langfristig angelegten Konzept überzeugt.“

Damit bringt sich die Kirchengemeinde klar gegen Lange und Schroeders in Position, die auf dem Grundstück lieber einen kleinen Nahversorger mit maximal 850 Quadratmeter Verkaufsfläche sehen wollen. Problem ist nur: Nach so einem Versorger wird seit Schließung des Edekamarktes im April 2010 am Norderlück vergeblich gesucht. Auch die Kirchengemeinde hatte seither immer wieder Investorengespräche mit dem Resultat geführt, „dass niemand einen Markt unterhalb der Fläche von 1300 Quadratmeter wirtschaftlich führen kann und möchte“, so Stadtland in dem offenen Brief. Die städtische Fixierung auf die kleine Lösung – sie ist dem Einzelhandelskonzept aus dem Jahr 2015 geschuldet – sei Verschwendung von viel Zeit und Geld, wenn die Stadt am Ende eine Planung entwickele, der die Kirchengemeinde nicht zustimmen könne. Der Kirchengemeinderat fühle sich den Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet, die sich zu 90 Prozent in einer Informationsveranstaltung im April für die Lidl–Lösung ausgesprochen hätten.

Vor diesem Hintergrund bittet Stadtland die Oberbürgermeisterin, Lidl gleich zu Beginn in die Planung einzubeziehen. Das Unternehmen habe zugesagt, an einer gemeinsamen Planung inklusive Grundschulerweiterung und Hochwasserschutz teilzunehmen und auch die Planungskosten ganz oder teilweise zu tragen.

Simone Lange hält die große Lösung nach wie vor für problematisch. Mit dem Einzelhandelskonzept gebe es ein rechtlich bindendes Konstrukt. Sie hält es prinzipiell für möglich, dass Mitbewerber gegen die Stadt klagen, wenn sie sich nicht an die selbst aufgestellten Regeln hält. „Es ist doch niemandem geholfen, wenn wir an der Taruper Hauptstraße einen Lidl-Markt ermöglichen und Edeka in Adelbylund macht dicht!“ Die Oberbürgermeisterin hofft, die kleinere Lösung schon bald mit konkreten Angeboten unterfüttern zu können. „Wir stehen mit zwei Interessenten in guten Gesprächen, in einem Fall gibt es sogar schon eine schriftliche Absichtserklärung. Den Hinweis, dass das Potenzial für kleine Lösungen an der Taruper Hauptstraße hinreichend erkundet worden ist, lässt sie nicht gelten. „An der Baumschule haben wir einen ganz anderen Standort, für den noch nie geplant worden ist.“

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