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Sprachförderung in Flensburg : Kindergartenkinder sollen „in Sprache baden“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Bundesprojekt „Frühe Chancen“ will die Sprachentwicklung von Kleinkindern im Alltag fördern.

shz.de von
erstellt am 27.Nov.2014 | 12:00 Uhr

Sprache lernen Kinder einfach so, nebenbei. Trotzdem zeigen rund 36 Prozent aller Flensburger Kinder in der Schul-Eingangsuntersuchung Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung. Diesem Problem möchte das Bundesprojekt „Frühe Chancen – Schwerpunkt-Kitas Sprache und Integration“ bereits im Kindergartenalter entgegen wirken.

Von März 2011 bis Dezember 2014 werden zwölf Flensburger Kindertagesstätten mit jeweils einer halben Fachkraftstelle für Sprachexperten gefördert. Diese unterstützen die Kita-Teams bei ihrer Arbeit, damit alle Kinder unabhängig von Herkunft und sozialen Rahmenbedingungen schon früh gute Chancen auf Bildung bekommen. Dieses Projekt wurde jetzt um ein weiteres Jahr bis Dezember 2015 verlängert.

Parallel zu ihrer Arbeit in den Kitas haben die Sprachexperten in einem Arbeitskreis eine sogenannte „Sprachpädagogische Konzeption“ entwickelt, um die Sprachförderung in den Alltag zu integrieren. Diese Ausarbeitung mit dem Titel „In Sprache baden“ überreichten die Sprachexperten den Vertreterinnen der Flensburger Kita-Träger Adelby1, Evangelisch-lutherisches Kindertagesstättenwerk und Städtische Kindertagesbetreuung im Flensburger Rathaus.

Vivien Sturm, eine der Sprachexperten, betonte, wie wichtig es ist, dass die Sprachförderung in den Kitas in den Alltag integriert wird. Sie dürfe kein einmaliges Projekt sein, stattdessen könne Sprache immer und überall trainiert werden: beim Zähneputzen, Essen, Anziehen oder auf dem Weg zum Spielplatz. „Wichtig ist, dass Kinder als kompetente Sprachpartner wahr genommen werden und wir uns Zeit für sie nehmen.“ Oder, wie es Ulrich Mahler, Bildungsfachbereichsleiter bei der Stadt, ausdrückte: „Statt die Kinder immer nur von irgend einem technischen Gerät berieseln zu lassen, sollten wir uns Zeit nehmen, mit den Kindern zu sprechen.“

Die Aufgabe von Erziehern und Eltern sei es, solche Möglichkeiten zu erkennen und zu reflektieren, wie der Zugang zur Sprache für alle Kinder geebnet werden könne. Deshalb gibt es in der Ausarbeitung der Sprachexperten eigene Kapitel für mehrsprachig auswachsende Kinder oder Kinder mit Migrationshintergrund. Mahler: „Dieses Projekt verändert etwas – zwar mühsam und in kleinen Schritten, aber wir freuen uns darüber sehr.“ In den vergangenen Jahren habe sich gezeigt, dass die Sprachexperten an den Kitas eigentlich unverzichtbar seien. „Deshalb finde ich auch, dass wir lieber hierein investieren sollten, als in beitragsfreie Kita-Jahre.“ Eine Meinung, auf die das Publikum spontan mit begeistertem Applaus reagierte.

Diese Botschaft kam wohl auch bei Landtagsmitglied Simone Lange an, die gleich danach ans Rednerpult trat und forderte, Sprachförderung müsse als zentrale Zielsetzung deutlich stärker berücksichtigt werden. In der UN-Kinderrechtskonvention sei Bildung als Grundrecht verankert – „das bedeutet auch ein Recht auf Sprache und durch rechtzeitige Förderung können wir viele Probleme auffangen.“

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