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25 Jahre Katharinen-Hospiz Flensburg : Kinder gehen offen um mit dem Thema Tod

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gesa Leitenberger ist ehrenamtliche Mitarbeiterin im Kinder- und Jugendhospiz

Wenn sie von ihren Kindern spricht, kommt eine klare Aussage: „Ich habe vier Kinder.“ Ihr Ältester Jan Max ist damit einbezogen, obwohl er schon vor Jahren starb. Aber so präsent, wie er in der Erinnerung der Mutter ist, so präsent ist er in ihren Worten.

Im Herbst 1999 wurde festgestellt, dass der Junge an einem Hirntumor litt. Es folgten Operation und Behandlung, im nächsten Frühjahr starb er. Einrichtungen wie heute das Kinderhospiz gab es damals nicht. In den letzten Wochen war das Krankenhaus der Ort des Geschehens. Eine Krankenschwester gab der Familie qualifizierte Hilfe. Sie empfahl, den Jungen für seine letzten Tage mit nach Hause zu nehmen. Für diesen Rat ist Gesa Leitenberger heute noch dankbar und die daraus folgenden Beobachtungen und Erlebnisse prägten das weitere Leben der Mutter.

Heute ist sie ehrenamtliche Helferin im Kinder- und Jugendhospiz. „Irgendwann stand für mich fest, dass ich die Hilfe und Unterstützung, die ich erfahren habe, weitergeben wollte.“ Ein Hinweis im Tageblatt auf den Vorbereitungskursus wies ihr den Weg zum Kinder- und Jugendhospiz, und bei dieser Arbeit stellte sie fest, wie hilfreich für sie die eigenen Erfahrungen sind, um sterbenskranken Kindern, deren Geschwistern und Eltern Unterstützung zu geben. „Menschen, die das erlebt haben, sprechen eine eigene Sprache.“

Und sie selbst? Wer gibt ihr Unterstützung, wenn das Schicksal eines der von ihr begleiteten Kinder auf sein unausweichliches Ende hinauslief? Gesa Leitenberger verweist auf die Kurse des Hospiz’, die ihr Hilfestellung beim Umgang mit dem Tod geben. Dann merkt man ihr eine robuste Psyche an – sie gehört zu den Menschen, die Hilfe geben können. Und sie hat eine Droge, die sie stark macht und ihr hilft, traurige Erlebnisse zu verarbeiten: die Natur, Sport, Bewegung in frischer Luft. Gern joggt und reitet die Lehrerin der Grundschule Husby, ist mit dem Mountainbike unterwegs. Ihre Lieblingsroute führt rund um den idyllischen Roikiersee im Glücksburger Wald.

Zur Arbeit von Gesa Leitenberger gehört auch das Kümmern um die Geschwister von sterbenden und verstorbenen Kindern. Dafür trifft sich alle zwei Wochen die Trauergruppe für Sechs- bis Zehnjährige. Die Erfahrung der Mitarbeiter: Rituale helfen besonders gut – das Anzünden einer Kerze, das bewusste Gedenken an den Geburts- und Sterbetagen. Oder: Spielzeug und andere Dinge Verstorbener werden in einer Erinnerungskiste gesammelt. In solchen Gesprächsrunden öffnen sich die Trauernden.

Ohnehin hat die Hospiz-Mitarbeiterin festgestellt, dass Kinder mit dem Thema Tod offen umgehen. „Das gehört für Kinder zum Leben dazu.“ Ganz besonders eindrücklich war für Gesa Leitenberger die Reaktion eines Kindes bei einem Gang über den Friedhof, wo die Gruppe auf ein Kindergrab stieß. Die mitfühlende Frage lautete: „Woran ist es wohl gestorben?“ 

Heute öffentliche Veranstaltung:

Offenes Singen von 17 bis 18 Uhr im Garten des Katharinen Hospiz am Park, Mühlenstraße.

Kontonummer Katharinen-Hospiz am Park:

IBAN DE24 2175 0000 0000 0563 40;

Kontonummer Hospiz-Förderverein:

IBAN DE912175 0000 0022 0556 07.

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erstellt am 25.Jul.2017 | 12:05 Uhr

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