Flensburger Förde Highlight : Kind über Bord bei der Rum-Regatta

Gut am Wind liegen konnten Frachtensegler, Plattbodenschiffe und Jollen auf der Flensburger Förde. Um 11 Uhr startete die rund 6 oder 12 Meilen lange Wettfahrt.
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Gut am Wind liegen konnten Frachtensegler, Plattbodenschiffe und Jollen auf der Flensburger Förde. Um 11 Uhr startete die rund 6 oder 12 Meilen lange Wettfahrt.

An der 35. Wettfahrt beteiligen sich 117 Segler aus Dänemark, Holland und Russland / Wasserschutzpolizei schmeißt den Start der „Shtandart“.

shz.de von
02. Juni 2014, 08:00 Uhr

Von wegen rau und herzlos. Gemütlich-plüschig zeigte sich die Rum-Regatta am Sonnabend den Landratten. Bei trockenem Wetter und zunehmendem Sonnenschein zogen die Menschen von der Hafenspitze zur Museumswerft und wieder zurück. Auf dem Wasser gab die 35. Rum-Regatta in diesem Jahr mehr her. Nicht nur mehr Teilnehmer – von 117 gemeldeten Schiffen erreichten 88 das Ziel bis 17 Uhr, sondern auch mehr Ausnahmen. Der Mytilus aus Hamburg ging ein zehnjähriger Junge über Bord, der aber nach drei Minuten von der DLRG aus dem Wasser geborgen wurde. Da er eine Rettungsweste getragen hatte, die auch auslöste, verlief der Unfall glimpflich, wie Torsten Brocks von der DLRG sagte.

Die Shtandart aus St. Petersburg verpasste in diesem Jahr den Start. Grund war der Besuch der Wasserschutzpolizei Flensburg. Zwei Beamte des Fachbereichs kontrollierten die Papiere von Schiff und Mannschaft, weil ihnen Polizeikollegen aus Travemünde einen Hinweis gegeben hatten. Grund soll ein abgelaufenes Zeugnis gewesen sein, das für Gästefahrten nötig ist. Die Crew segelte dennoch.

Andere verloren später das Ziel aus den Augen. Ein Boot fuhr sich bei den Ochseninseln fest, zwei andere hätten zu lange für den Rückweg gebraucht. Die DLRG schleppte alle ab. Die neun ehrenamtlichen Retter waren mit drei Booten auf der Förde unterwegs. Eines der Teams sicherte an der Hafenspitze beim 1. Student Boat Battle, der mit kämpfenden Uni- und Hochschulteams für Stimmung sorgte (Bericht folgt).

Bei gutem Wind gings nicht nur zügig bis zur Wendetonne vor den Ochseninseln (Boote) oder Holnis (Großsegler), es wurde auch eng dort. Ole Stichling, Vorsitzender des Museumshafens, berichtete von der Stella Maris, die einem kleineren Segler ausweichen musste, deshalb mit der De Alberta aus Holland zusammenstieß. Die Großen brachen das Rennen ab. Martin Schulz, Geschäftsführer des Museumshafens, sprach insgesamt von „zwei, drei „Ditschern“. Am Freitag hatte die Nomile aus Hamburg während der Flensburg-Fjord-Regatta ihren Klüverbaum verloren, als sie einen fahrenden Schwimmbagger rammte.

Zurück an Land sehnten wie fürchteten alle das Spektakel der Preisverschleuderung herbei. Zum 30. Mal nahm sich Rainer Prüß 20 Minuten Zeit, die Preise zu sichten und sinnvolles zu dichten. Dann trat er mit Wettfahtsleiter Gerd Büker auf das Heck des schwimmenden Regattabüros Gesine und verschleuderte die Preise für die 1. und 2. Plätze. In 14 Klassen wechselte Wunderliches oder Altes von Flohmärkten den Besitzer. Die Seestern, Fischereifahrzeug aus Kiel, holte bei ihrer ersten Teilnahme den unbeliebten ersten Platz in Klasse AI (über 16 m Rumpflänge). Rainer Prüß hatte Mitleid „mit den armen Säcken“, die ohne Quoten nichts mehr fangen würden. „Wer sich eins zulegt, der hat doch einen Vogel“, schrie er ins dichtgedrängte Publikum am Kai und reichte dem Neuling einen Vogelkäfig. Die erhoffte Flasche Rum (2. Platz) fuhr die Pirola ein.

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