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Neuer Generalkonsul : Kim Andersen wird „Dänemarks Vorposten“ in Flensburg

vom

Der 59-jährige Venstre-Politiker wird der neue Generalkonsul in Flensburg. 28 Bewerbungen auf den Posten gingen ein.

shz.de von
erstellt am 04.Jul.2017 | 10:12 Uhr

Flensburg/Kopenhagen | Er kommt aus Skanderborg und kennt die Grenzregion nicht nur durch Segelausflüge auf der Flensburger Förde: Das Außenministerium in Kopenhagen hat am Montagnachmittag bekannt gegeben, dass der ehemalige Folketing-Politiker Kim Andersen (Venstre-Partei) die Aufgabe des Generalkonsuls in Flensburg vom scheidenden Henrik Becker-Christensen übernimmt. Andersen ist amtierender Vorsitzender des Südschleswig-Ausschusses des Parlaments. Der 59-Jährige tritt die Stellung zum 1. September an.

„Als ich die Stellenausschreibung für den Generalkonsul-Posten in Flensburg sah, hatte ich keinerlei Zweifel, dass ich mich gerne bewerben wollte. Mit meinem Hintergrund kann man von einem Traumposten sprechen. So einfach kann ich das zum Ausdruck bringen. Ich bin daher sehr froh über das Vertrauen, das die Regierung mir entgegenbringt“, so Andersen. „Heute ist es mir am wichtigsten zu unterstreichen, wie sehr ich mich darauf freue, die neue Funktion anzutreten und nicht zuletzt auf den Einsatz, die dänischen Minderheit zu fördern und auf ein aktives und engagiertes Alltagsleben in der Grenzregion“, so der 59-Jährige, der von 1998 bis 2015 für Venstre im Folketing saß, sechs Jahre lang als Vorsitzender des Kulturausschusses.

Bislang lebt Andersen mit seiner Frau in Skanderborg, der Umzug ins Flensburger Konsulat erfolgt im Zuge des Amtsantritts. In der Deutschen Minderheit in Nordschleswig begrüßt man die Entscheidung. „Das ist eine gute Wahl“, sagt Uwe Jessen, Generalsekretär des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), „sogar eine sehr, sehr gute. Wir kennen Andersen unter anderem aus seiner Zeit als Politiker im Folketing und ich freue mich schon sehr auf unser erstes Treffen mit dem neuen Generalkonsul“, so Jessen.

Ministerpräsident Daniel Günther hat Andersen eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Landesregierung zugesichert. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Kim Andersen. Die Landesregierung steht zu ihrer Verantwortung zu den Minderheiten und will die kulturelle Vielfalt bewahren. Daher ist es für mich selbstverständlich, den guten Kontakt mit den Minderheiten und den Vertretern der dänischen Regierung zu halten und auszubauen. Die deutsch-dänische Partnerschaft wird dadurch weiter gestärkt“, sagte Günther. Er und auch sein Minderheitenbeauftragter Johannes Callsen freuen sich auf ein erstes Treffen mit dem neuen Generalkonsul. Der Regierungschef werde Andersen zudem einladen, ihn mit auf seiner ersten Auslandsreise nach Kopenhagen zu begleiten.

Der Chefredakteur der Flensborg Avis, Jørgen Møllekær, nannte die Personalie gegenüber der Nachrichtenagentur Ritzau  „eine richtig feine Lösung nach einem traurigen Verlauf“, Andersen werde mit offenen Armen empfangen. „Keiner von uns zweifelt daran, dass sein Herz seit Jahren für die dänische Minderheit und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit schlägt“, so Møllekær. Der amtierende Generalkonsul Becker-Christensen war, ebenso wie die dänische Minderheit, von der Ankündigung, das Amt abgeben zu müssen, überrumpelt worden. Personaldiskussionen, Absagen und zuletzt eine öffentliche Stellenausschreibung hatten die Neubesetzung begleitet.

Außenminister Anders Samuelsen (LA) sagt über die Personalie: „Ich freue mich, dass die Regierung nun Kim Andersen als kommenden Flensburger Generalkonsul vorstellen kann. Er verfügt über gute Kompetenzen, um Dänemarks Vorposten in Flensburg zu sein. Kim Andersen hat fachliche Einsicht in und persönliches Interesse an den Fragen, die das dänisch-deutsche Grenzland und ihre Minderheiten mit sich bringen“, so der Außenminister. Insgesamt sind 28 Bewerbungen beim Außenministerium eingegangen.

Interview mit Kim Andersen

Wann waren Sie zuletzt in Flensburg?

„Am vergangenen Montag, da habe ich eine Reihe von Unternehmen besucht. Und ich bin mit Freunden auf der Flensburger Förde gesegelt. Als Vorsitzender des Südschleswig-Ausschusses bin ich ja sehr häufig in der Grenzregion unterwegs, bestimmt 25 Mal im Jahr. Ich habe viele Freunde und Bekannte in Flensburg und Umgebung, und ich habe eine sehr große Sympathie für diese Region.“

Wann steht für Sie der Umzug nach Flensburg auf dem Programm?

„Ich trete die Stellung zum 1. September an und rund um diesen Zeitpunkt werde ich auch nach Flensburg ziehen. Derzeit wohnen wir in Skanderborg und werden das Haus hier auch behalten. Meine Frau wird sich an den Aufgaben, die mein Posten mit sich bringt, beteiligen und sie wird am Wochenende und zu besonderen Anlässen nach Flensburg kommen.“

In welchem Bereich möchten Sie als Generalkonsul vor allem etwas verändern?

„Ich möchte daran weiterarbeiten, dass sich die Minderheit entwickelt, unter verschiedenen Gesichtspunkten. Was mir ebenfalls wichtig ist: Das Grenzland und seine Minderheiten bekannter machen. Ich will das Bewusstsein dafür stärken, welche große Bedeutung die dänische und die deutsche Minderheit für die Aussöhnung über Generationen hinweg haben. Es ist mir ein großes Anliegen, diese Realität zu vermitteln. Denn diese Art der Aussöhnung ist ein wegweisender Stern dafür, wie sich Gesellschaften entwickeln können.“

Wie blicken Sie der Zusammenarbeit mit der deutschen Minderheit entgegen?

„Ich bin sehr glücklich über die Beziehungen, die sich zwischen beiden Minderheiten entwickelt haben. Im Mittelpunkt steht heute ein gemeinsames Interesse, das beiden Seiten zu Gute kommt. Ich kenne viele Repräsentanten der deutschen Minderheit aus der politischen Zusammenarbeit und ich schätze sie sehr.“

Wie sieht es mit Ihren Deutschkenntnissen aus?

„Ich verstehe Deutsch und kann es ein bisschen sprechen. Aber keine Frage, das muss intensiviert werden. Aus diesem Grund werden meine Frau und ich in zwei Wochen mit einem Sommersprachkurs Deutsch beginnen.“

 

 
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