Raumgewinn : Kielseng: Zwei Spuren weniger

Die Kanalisations-Baustelle Kielseng ist wegen vermuteter Munitions-Altlasten im Boden  besonders spannend. Nebenher werden Verkehrszahlen erhoben.
Die Kanalisations-Baustelle Kielseng ist wegen vermuteter Munitions-Altlasten im Boden besonders spannend. Nebenher werden Verkehrszahlen erhoben.

Zusatznutzen einer Baustelle: Die Straßensperrung ist Test für Rückbau der vierspurigen Verkehrsader vom ZOB bis zur Fördestraße in Mürwik.

shz.de von
16. November 2013, 10:00 Uhr

Flensburg | Es sieht aus wie eine der üblichen Baustellen, kündigt aber ein sehr ehrgeiziges städtebauliches Projekt an: Im Bereich Kielseng/Ballastbrücke ist der Verkehr momentan nur noch zwei- statt vierspurig unterwegs. Hier wird ab Montag eine Druckleitung von der Pumpstation Kielseng bis zum Klärwerk verlegt – und gleichzeitig werden aus der Verengung des Verkehrsflusses Erkenntnisse gewonnen. Reichen dem Verkehr zwischen Mürwik und dem Zentrum womöglich auch zwei Spuren?

Für Ralf Leese, den Sprecher des Technischen Betriebszentrums, läuft mit der Baumaßnahme ein wichtiger Test im Hinblick auf eine Maßnahme, die eng mit der Fertigstellung der Osttangente im Jahr 2006 verbunden ist: Rückbau der vierspurigen Verkehrsader auf der Ostseite des Hafens. Im Investitionsplan für 2014 sind aktuell 50.000 Euro für Planungskosten und die „Testphase Einbahnverkehr“ eingestellt. Und das ist erst der Anfang.

Der prognostizierte Entlastungseffekt der Osttangente ist nicht allein der Auslöser für derartige Überlegungen. Es haben sich wichtige andere Parameter verändert. Der vierspurige Straßenstrang war einst Lebensnerv eines sehr viel größeren Wirtschaftshafens und eines sehr viel größeren Garnisonsstandortes mit Tausenden Arbeitsplätzen im Flottenstützpunkt und Flottenkommando in Meierwik. „Im Grunde betrachten wir eine ziemlich lange Strecke“, sagt der Sprecher der Stadtplanung, Thomas Hansen. An der Zob-Kreuzung beginnend, über Ballastbrücke, Kielseng, Ziegeleistraße, die Mürwiker Straße hinunter bis hinter deren deren Kreuzung mit der Osterallee gilt die planerische Fragestellung, ob der Verkehrsraum mittlerweile überdimensioniert ist.

Die Zahlen sprechen dafür, sagt Hansen. Die letzte Zählung kam 2010 für den Streckenabschnitt Hafendamm bis Nordstraße auf 31.400 Fahrzeuge, dahinter waren bis zur Abfahrt Am Industriehafen nur noch 16.400 und ab Industriehafen noch 14.100 Fahrzeuge unterwegs (bezogen auf 24 Stunden / beide Fahrtrichtungen). Im Vergleich zu den Zeiten vor der durchgängigen Osttangente ist der Unterschied auf den ersten Blick gar nicht mal so groß. Durchschnittlich 500 Fahrzeuge weniger, sagt Hansen. „Aber diese Differenz ist für die Planung die kritische Größe, um über einen Rückbau nachzudenken.“ Wobei sich die Überlegungen angesichts des immer noch sehr hohen Verkehrsaufkommens zwischen Nordstraße und Zob-Kreuzung auf den nördlichen Streckenbereich konzentrieren dürften.

Bis Mai nächsten Jahres wird die Wanderbaustelle des TBZ den Versuchsrahmen liefern. Nach der Auswertung wird die Stadtplanung den Rückbau und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten in die politische Diskussion einbringen, kündigte Hansen an. „Das wird spannend!“

Spannend werden auch die nächsten Monate für die Tiefbau-Experten. Denn die Druckleitung wird auf unkonventionelle Weise durch ein nicht ganz unproblematisches Gelände verlegt. TBZ-Sprecher Ralf Leese: „Wir setzen einen Bohrer ein, der in vier bis sechs Metern Tiefe einen Tunnel durchs Erdreich treiben wird.“ Das Spezialgerät, für das in den vergangenen Wochen die Schächte vorbereitet wurden, soll ab Montag zum Einsatz kommen. Für Spannung sorgt nicht nur die anspruchsvolle Aufgabenstellung, für Spannung sorgt auch der Untergrund. Hier werden Reste von Sprengkörpern vermutet, die im Juni 1945 bei einer Explosion im Industriehafen weit durch die Luft geschleudert wurden. Leese: „Der Munitionsräumdienst ist informiert.“

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