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Flensburger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 04:42 Uhr

Harniskaispitze : Kielseng spaltet weiter

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Antrag von CDU, SSW, WiF und FDP zum Ausbau eines Radschnellwegs an der Hafenkante sorgt für eine hitzige Debatte.

shz.de von
erstellt am 17.Apr.2015 | 14:30 Uhr

Flensburg | Hätte er es sich doch nur verkniffen, noch ein bisschen Salz auf die Wunden zu streuen. Aber Kay Richert (FDP) konnte es nicht lassen, erstens, die mühsam herbei entschiedene Vierspurigkeit des Straßenzugs Kielseng als Sieg der reinen Vernunft über eine verbohrte Radfahrerlobby zu verkaufen und zweitens den Antrag seiner Vier-Parteien-Koalition zum Radweg zwischen Hafenspitze und Osbektal in den gleichen Kontext einzureihen. So geschah, was geschehen musste: Die Lager, die über Wochen über Zwei- oder Vierspurigkeit gestritten hatten, gerieten im Planungsausschuss kräftig aneinander.

CDU, SSW, WiF und FDP hatten eine Beschlussvorlage formuliert, die Stadt prüfen zu lassen, wie und zu welchen Kosten der an der östlichen Hafenkante gelegene Rad- und Fußgängerweg durchgängig aufgewertet werden kann. Jener Weg, der in der Spur-Diskussion stets als Beleg dafür herhalten musste, dass die von der Verwaltung vorgeschlagene Fahrrad-Schnellstrecke entlang einer zweispurigen Kielseng-Lösung wegen der beliebteren Wegverbindung an der Hafenkante ohnehin keine Akzeptanz erwarten dürfe. Stefan Thomsen (Grüne) war der Erste, der auf die Palme kletterte. Der Antrag sei „Blödsinn“, befand er. Nämlich, weil er zusätzlichen Aufwand für den im Zusammenhang mit Silos und Harniskaispitze beschlossenen großen neuen Planungsraum Hafen-Ostufer produziere.

Auch Planungs-Chef Dr. Peter Schroeders wurde deutlich. Das größte im aktuellen Antrag beschriebene Geländeteil liege im Bereich der vorbereitenden Untersuchungen, die sämtliche losen Enden zu einer Gesamtplanung am Hafenostufer verknüpfen sollen. Was die Autoren der Beschlussvorlage zu deren Begründung anführen – u.a. eine gute, schnelle Radwegverbindung zwischen der Innenstadt und Mürwik – „war unsere Überlegung für Kielseng“, erinnerte Schroeders. Ein Schnellradweg auf der Uferstrecke aber sei nur schwer zu realisieren. Der Planungs-Chef erinnerte an die gastronomische Nutzung im Bereich der Hafenspitze und höchst unterschiedliche Interessen der Radler und Spaziergänger auf dieser Wegverbindung. „Das funktioniert nicht ohne Weiteres. Da laufen Sie nur Gefahr, Spaziergänger oder Jogger überzumangeln.“ Als Schnellspur konnte sich Schroeders spontan nur das alte Bahngleis vorstellen – dessen Zukunft jedoch Teil des anderen Planungsauftrags der vorbereitenden Untersuchungen für das künftige Sanierungsgebiet Hafen-Ostufer ist. Er bat darum, auf diesen „Schnellschuss“ zu verzichten und nicht eine parallele Fehlplanung zu provozieren.

Arndt Scherdin, bürgerschaftliches Mitglied der Grünen, wurde noch deutlicher. „Wir haben ja schon viel Schwachsinn gehört, aber das hier“, meinte er zu Richert gewandt, „ist die Krone. Ein Schnellradweg ist dort nicht unterzubringen, dies ist ein reiner Alibi-Antrag.“ Ebenso deutlich: Axel Kohrt (SPD), Ausschussvorsitzender. „Dies ist ein reiner Schaufenster-Antrag, um jetzt die Fahrradfreundlichkeit raushängen zu lassen“, befand er. Fahrradfreundlichkeit, die er bei der FDP vorher nicht erkennen konnte. Als 2014 der Maßnahmenplan für den Radverkehr beraten und beschlossen wurde, sei von der FDP jedenfalls nichts gekommen.

Trotz der scharfen Worte: Der Antrag ging mit der Mehrheit der Antragsteller durch – wenn auch geschmälert. Auf Vorschlag von Arne Rüstemeier (CDU) wurde der Planungsraum beschnitten. Jetzt soll die Verwaltung die Strecke zwischen Sonwik und der Straße Am Industriehafen auf ihre Eignung überprüfen. Davon könnte besonders die Holperpiste am Wohnmobilstellplatz profitieren.

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