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Flensburger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 21:54 Uhr

Kielseng erneut unterspült und gesperrt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kanalsanierung kann zum vorgesehenen Termin am 30. Juni voraussichtlich nicht abgeschlossen werden / Widerstand gegen den Rückbau wächst

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2014 | 07:45 Uhr

Umleitung – mal wieder. Für Autofahrer, die vorgestern Abend über Mürwiker Straße und Kielseng die Innenstadt ansteuerten, war am Tunnel Schicht im Schacht. In Höhe des Klärwerks hatte sich zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen die Fahrbahn abgesenkt – die Spur stadteinwärts wurde komplett abgeriegelt. Im Gegenzug gab das TBZ gestern die voll gesperrte Straße Am Lautrupsbach bergab kurzfristig frei.

Um 7 Uhr setzt das Technische Betriebszentrum einen Bautrupp der Firma Asse in Bewegung. Straßenbauer Matthias Jeß (33) bearbeitet die bis zu einer Tiefe von 70 Zentimetern mit Beton-Recycling aufgefüllte Fläche mit einem Presslufthammer. Die Dimension der Fahrbahn-Absenkung durch Unterspülung ist weit größer als ursprünglich angenommen. Denn nachdem der Asphalt dort aufgebrochen worden ist, gibt der Strahl einer Taschenlampe den Blick auf einen Hohlraum von etwa zehn Metern Länge frei. Jetzt steht fest: Der anberaumte Termin 12 Uhr ist nicht zu halten. 30 Quadratmeter müssen neu hergerichtet werden. Erst heute um 6 Uhr wird die Straße wieder freigegeben.

Matthias Jeß ist überzeugt, dass dies nicht sein letzter Einsatz an dieser sensiblen Stelle sein wird. „Die tiefen Eingriffe durch Bohrungen bei der Kanalsanierung sind massiv“, sagt er. Zudem werde das Wasser aus dem Hang des Volksparks gedrückt. „Da wird noch mehr kommen, da bin ich mir sicher.“

TBZ-Sprecher Ralf Leese kann sich gegenwärtig keinen Reim auf das Phänomen machen. „Das war völlig unvorhersehbar.“ Selbstverständlich habe es geologische Untersuchungen im Vorfeld gegeben. Nichts habe auf mögliche Hohlräume hingedeutet. Er wundert sich: „Wo ist der ganze Sand geblieben?“ Punktuelle Sondierungsarbeiten sollen nun Aufschluss geben, weitere Schritte eruiert werden. Doch es dürfte kaum noch Zweifel daran geben, dass es mit der Fertigstellung Ende Juni nichts mehr werden kann. Der städtische Verkehrsticker hat den Termin vorsorglich schon mal gestrichen.

Unterdessen wächst die Kritik an der politisch gewollten Zweispurigkeit. Geschäftsleute und Gastronomen stützen eine Initiative der an der Fördepromenade (Sonwik) ansässigen Kanzlei Müller & Partner – Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Dort heißt es, dass der geplante Rückbau qualitative Auswirkungen auf die Erreichbarkeit von Sonwik haben könnte. Das ist auch die Ansicht von IHK und der IG Kielseng. „Abenteuerlich und kontraproduktiv“, schimpft Dierk Anderssen (Anderssen Yachting). Das Geld solle man besser in eine Verbreiterung des Weges am Wasser stecken. Und Antonia Schütt (Café Antonia) befürchtet, dass Spontankunden abgeschreckt würden. Den vorgesehenen Rad-Boulevard findet sie überflüssig. „Man will nicht inmitten von Abgasen, sondern entlang der Förde fahren.“

Unabhängig davon weist Rechtsanwalt Erich Meerbach die Ratsfraktionen auf einen „nicht ganz unwichtigen“ Aspekt hin: Der Umbau würde laut Kommunalabgabengesetz für Anlieger nämlich beitragspflichtig sein. Doch Ralf Leese gibt Entwarnung. „Das ist nur der Fall, wenn sich für die Betroffenen ein Vorteil ergibt – und den kann ich spontan nicht erkennen.“

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