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Ein bestätigter Fall : Kieler UKSH-Keim in Flensburg angekommen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein erster Fall des Keims „Acinetobacter baumannii“ wurde im St. Franziskus Hospital bestätigt. Die 60-jährige betroffene Patientin wurde bereits entlassen.

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2015 | 08:15 Uhr

Flensburg | Als „Kieler Klinik-Keim“ erlangte er traurige Berühmtheit. Nun ist der berüchtigte Acinetobacter baumannii nach Informationen des Flensburger Tageblatts erstmals auch in Flensburg aufgetaucht. Im Universitätsklinikum (UKSH) der Landeshauptstadt waren 13 Menschen verstorben – infiziert mit dem multiresistenten Bakterium, gegen das fast alle verfügbaren Antibiotika wirkungslos sind.

Der Verdachtsfall einer Patientin des St. Franziskus-Hospitals hat sich bereits am 5. Februar bestätigt – eine Woche, nachdem die 60-jährige Frau stationär eingeliefert wurde. Nach Angaben der Ärzte stammt sie aus dem südeuropäischen Ausland, sie sei mit Fieber und einer „hämatologischen Fragestellung“ vorstellig geworden. Aufgrund der Symptome habe man sie einem Screening unterzogen, ein erster pathologischer Befund ergab am 2. Februar den Nachweis eines multiresistenten Keims. „Wir haben die Patientin daraufhin isoliert, sie mit Antibiotika behandelt und alle erforderlichen hygienischen Maßnahmen eingeleitet“, sagte gestern der Ärztliche Direktor Dr. Stephan Timm. Drei Tage später die Hiobsbotschaft: Ein weiterer Keim – weitaus tückischer –, der „MRGN Acinetobacter baumanii“, konnte nachgewiesen werden. „Allein der Klang des Namens macht Sorgen – keiner wünscht sich eine Situation wie in Kiel“, sagt Klaus Deitmaring, Geschäftsführer der Klinik.

Umgehend wurde die Maschinerie des Hygienemanagements in Gang gesetzt, alle Kontaktpersonen der Erkrankten identifiziert und isoliert, eine zusätzliche Pflegeschicht eingesetzt, die sich ausschließlich um die „Index-Patienten“ kümmerte. Alle Untersuchungsräume und Patientenzimmer, in denen sich die 60-Jährige aufgehalten hatte, wurden mit einer Desinfektionslösung intensiv gereinigt. „Noch in der Nacht konnten diese Räume für die weitere klinische Nutzung wieder freigegeben werden“, sagt Timm.

Alle weiteren Untersuchungen hätten ein negatives Ergebnis ergeben. „Wir gehen definitiv davon aus, dass der Keim in unserem Krankenhaus nicht mehr existiert“, gibt sich Deitmaring zuversichtlich. Das Gesundheitsamt sei über die Vorgänge informiert worden, ebenso das unmittelbar involvierte Personal. Gestern wurde zudem die gesamte Belegschaft über den Fall in Kenntnis gesetzt. Das Malteser Krankenhaus beschäftigt Mitarbeiter 794 – davon 94 im Ärztlichen Dienst, 395 in den Pflege- und Funktionsdiensten, 225 im außerklinischen Bereich sowie 80 Auszubildende.

Inzwischen ist man sich sicher, dass der Keim bei der Patientin bereits bei der Aufnahme vorhanden war. „Das wird durch unsere Laborergebnisse bestätigt“, sagt Dr. Martin Oldenburg, einer der beiden Hygieneärzte. Er ist auch für die Diako verantwortlich. Eine Ausbreitung auf andere Patienten sei nunmehr auszuschließen. Eine Gefahr für Mitarbeiter wie Besucher habe zu keinem Zeitpunkt bestanden. Am Montag konnte die an dem tödlichen Keim erkrankte Patientin entlassen werden. „Eine weitere Behandlung“, so Stephan Timm, „war nicht notwendig.“

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