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Flensburger Tageblatt

20. August 2017 | 03:09 Uhr

Kiel war für die Alex ein teures Pflaster

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Werftbesuch und Einnahmeverlust: Dem Salondampfer fehlen 85 000 Euro / Förderverein hält an der Sanierung des Technik-Denkmals fest

Ausgerechnet im schönsten Frühling fuhr die Flensburger „Alexandra“ mitten in ein schlimmes Schlechtwettergebiet hinein. Der Denkmalsdampfer, der einschließlich Kesseltausch in diesem Jahr für 650  000 Euro saniert werden soll, geriet schon bei seinem ersten Werftaufenthalt in Kiel Friedrichsort in Schwierigkeiten. Das Unterwasserschiff war im vorderen Bereich so angegriffen, dass die Werftrechnung deutlich oberhalb der veranschlagten 180  000 Euro landen dürfte. Alex-Vorstand Frank Petry und Chefkapitän Günter Herrmann rechnen mit einem satten Zuschlag von 75  000 Euro.

Dabei hatte alles so gut begonnen: Der Ultraschall hatte nur Hinweise auf vergleichsweise geringen Rostbefall bei den Stahlplatten des Rumpfes ergeben. Dass am Ende trotzdem auch jede Menge gesunder Alex-Stahl ausgetauscht werden musste, hatte andere Ursachen: Im Kielbereich, unter dem Ballastbeton, der irgendwann in den 70er-Jahren mal hineingegossen worden war, stießen die Werftarbeiter auf jede Menge rostiger Konstruktionsteile. Immer weiter, immer tiefer fraßen sich so die Schneidbrenner in den Schiffsrumpf. Statt nur drei Stahlplatten auszutauschen, wurden im Unterwasserbereich auf zwölf Metern Länge Spanten und Stringer erneuert. Nicht nur deshalb musste das darüber liegende Stahlkleid ersetzt werden. Das scharfe Sandstrahlen des Unterwasserschiffs – 98 Prozent der bis zu einem Zentimeter dicken Farbschichten wurden entfernt – hatte zudem einige kleinere Löcher freigelegt. Unterm Strich, so Petry und Herrmann, mussten 35 Quadratmeter Schiffbaustahl neu verschweißt werden.

Das war zum Leidwesen der Alex-Crew noch nicht alles. Als das Schiff Anfang Mai das Dock verließ, nahm der Salondampfer Wasser. Weil die Friedrich-Werft den Reparaturplatz bereits mit einem anderen Schiff belegt hatte, musste die „Alexandra“ in der benachbarten Lindenau-Werft eindocken. Auch hier gab es einen teuren Befund: Die Alex nahm durch lose Nieten Wasser, zudem waren Schotten im Vorschiffsbereich undicht geworden. Günter Herrmann führt das auf die enorme Energie zurück, die bei den Schweißarbeiten in die Schiffsstruktur eingebracht wurden. „Da war so viel Hitze im Rumpf, dass die Nieten undicht wurden. Die mussten alle eingeschweißt werden.“

Die bangen Wochen sind überstanden. Der Schiffsrumpf ist dicht, der Korrosionsschutz besser denn je, außerdem hat die „Alexandra“ bei ihrer Schönheitskur kräftig abgenommen: zwölf Tonnen, sagt ihr Kapitän. „Sie ist fast 15 Zentimeter aus dem Wasser gekommen.“ Das wird nicht so bleiben. Wenn im Winter der neue Kessel montiert ist, wird die Stabilität neu berechnet und die Alex bekommt maßgeschneidert neuen Ballast eingepasst.

Günter Herrmann und Frank Petry können im Moment nur hoffen, dass der Förderverein das Finanzierungskonzept bis dahin auf die neue Lage abgestimmt hat. „Wegen der hohen Mehrkosten hängen wir leider weiter verstärkt am Spendentropf“, sagt Petry. Die Schlussrechnung der Werften liegt noch nicht vor. Aber sicher ist schon, dass die Alex fest eingeplante Einnahmen in Höhe von 10  000 Euro abschreiben muss. Drei bereits ausverkaufte Chartertouren zu Saisonbeginn mussten wegen des langen Werftbesuchs abgesagt werden. „Wir bieten jetzt zum Ausgleich zwar sonntags zwei öffentliche Sonntagstouren an“, sagt Herrmann, „aber die 10  000 Euro bekommen wir so natürlich nicht wieder herein.“ Gespart werden müsste dann wohl woanders. Etwa bei den geplanten originalen Rettungsbooten oder bei der Verwendung des alten Kessels als Exponat auf der Schiffbrücke.


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erstellt am 16.Jun.2016 | 07:20 Uhr

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