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Flensburg-Mürwik : Keller säuft ab – Mieter sind in Rage

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit Monaten steht in einem Mürwiker Häuserblock bei Regen verlässlich das Wasser im Keller – trotz diverser Beschwerden der Bewohner.

Flensburg | Wenn es regnet, sinkt bei den Bewohnern der Mietshäuser Süderlücke 2 und 4 im Flensburger Stadtteil Mürwik die Laune auf den Tiefpunkt – und das hat nichts mit dem schlechten Wetter an sich zu tun. Seit einigen Monaten läuft hier vielmehr bei jedem kleinsten Regenschauer das Wasser in die Kellerräume der insgesamt acht Mietparteien.

„Es hat im Frühjahr angefangen“, berichtet Bewohner Karl Pötzl. „Mein Keller stand seitdem immer wieder bis zu fünf Zentimeter unter Wasser.“ Über die trockene Zeit in den Sommermonaten sei das Problem eine Weile nicht aufgetreten, erzählt der 74-Jährige, der seit 1974 Mieter in der Nummer 4 ist.

„Im Juli hat es dann wieder angefangen“, berichtet sein Nachbar Hans Huland, der gleich zwei Räume im Keller als Hobbyraum, Werkstatt und zur Lagerung von Lebensmitteln benutzt. „Man kann bei Regen das Wasser regelrecht aus der unteren Kellerwand strömen sehen. Ich habe zehn Zentimeter Pegel gemessen“, erzählt der 87-Jährige. Des Öfteren kommt er nur noch mit Gummistiefeln in seinen Keller. „Meine Schränke und Regale aus Holz und Furnier sind allesamt aufgeweicht. Die kann ich wegschmeißen.“

Karl Pötzl – Gas- und Wasserinstallateur in Rente – geht von einem Problem bei der Ableitung des Regenwassers von den Dachrinnen aus. „Das muss alles ausgegraben werden, um überhaupt sehen zu können, wo der Schaden in den Leitungen ist, glaubt Pötzl. Bereits im Frühjahr meldeten die Mieter sich immer wieder bei der zuständigen Verwaltung, der in Lübeck ansässigen Hanse Domizil GmbH, die auch eine Filiale in Flensburg hat. „Wir haben da in den vergangenen Monaten sogar wöchentlich angerufen“, so Pötzl. „Es wurde und wird uns immer wieder gesagt, das sei in Arbeit, man kümmere sich darum.“ Doch nach Angaben der Mieter passierte außer einer kurzen Besichtigung durch die Verwaltung im Frühjahr zunächst gar nichts. „Vor rund acht Wochen kam dann eine Firma, die hat tatsächlich mit Kameras eine Verstopfung in einer Ableitung der Regenrinnen festgestellt und das betreffende Rohr freigespült“, berichtet Huland. „Die dachten wohl, sie hätten das Problem gelöst, aber beim nächsten Regen stand der ganze Keller wieder unter Wasser.“

Hans Huland wohnt bereits seit 50 Jahren in seiner Wohnung im Haus Nummer 2. „Ich habe in all den Jahren niemals Ärger gehabt, wenn mal etwas nicht in Ordnung war, ist es immer erledigt worden.“ Seit Beginn dieses Jahres allerdings gibt es zum ersten Mal einen neuen Eigentümer und damit verbunden die neue Verwaltung. Huland sieht hier einen Zusammenhang, zumal der Keller nicht sein einziges Problem ist. Im August ging ihm sein Mischhebel in der Dusche kaputt, es kam kein warmes Wasser mehr heraus. Huland meldete den Defekt bei der Verwaltung. „Die haben mir dann geschrieben, dass ich den Hebel auf eigene Rechnung austauschen soll, weil ich das Bad 1980 eigenständig auf meine Kosten saniert habe und die Technik deswegen mir gehöre.“

Huland beauftragte schließlich eine Firma mit dem Tausch der rund 35 Jahre alten Armatur und kontaktierte seinen Anwalt zur Klärung der Angelegenheit. Mehrere Wochen musste er zum Duschen nach Glücksburg ins öffentliche Bad fahren. Obwohl sein Anwalt feststellte, dass mit dem alten Eigentümer vertraglich dessen Übernahme des sanierten Badezimmers vereinbart worden war und somit der defekte Hebel im Besitz des neuen Eigentümers übergegangen sei, wartet Hans Huland bis heute auf eine Zusage der Verwaltung, seine Rechnung zu übernehmen.

Ein Anruf bei Hanse Domizil in Flensburg brachte gestern zumindest eine erhellende Nachricht. „Wir haben heute angefangen, das Erdreich am Haus abzutragen und nach dem Fehler zu suchen“, sagte der Technische Leiter Michael Pürschel. Zudem werde nun erst einmal provisorisch das Regenwasser oberirdisch vom Haus weg geleitet, um die Keller trocken zu halten, bis das für die Überschwemmungen ursächliche Problem gelöst sei. Wie lange es dauere, bis die Ursache gefunden werde, könne er nicht sagen. „Das ist kompliziert, da spielen mehrere Komponenten eine Rolle. Wir dachten ja auch, die Spülung des verstopften Rohrs vor acht Wochen würde reichen, was leider nicht der Fall war.“ Auf die Frage, wieso es so viele Monate dauern muss, bis die Verwaltung endlich das Problem in Angriff nimmt, wusste er keine Antwort. „Das kann ich Ihnen nicht sagen.“

Ob es von Seiten der Verwaltung Schadenersatz für das vom Wasser zerstörte Eigentum der Mieter gibt, darüber vermochte Pürschel ebenfalls nicht Auskunft zu geben. In der Lübecker Zentrale war gestern Nachmittag niemand zu erreichen.

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erstellt am 22.Okt.2014 | 08:02 Uhr

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