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Brandanschlag in der Travestrasse : Keine Spur von den Brandstiftern

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Anwohner sind ebenso entsetzt wie Politiker: Unbekannte Täter setzen Wohnung an der Travestraße in Brand. Der Staatsschutz ermittelt.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | Die Rußspuren ziehen sich die Fassade hinauf bis zum vierten Stock. „Es gab eine riesige Stichflamme, es war taghell hier“, berichtet ein 38-jähriger Flensburger, der direkt gegenüber wohnt und gegen 1 Uhr von einem lauten Geräusch aufgeschreckt wurde. „Wir hatten gerade unser Baby gefüttert und wollten uns wieder schlafen legen“, sagt er. „Da hörten wir, wie etwas durch ein geschlossenes Fenster geworfen wurde. Das muss ein Molotow-Cocktail gewesen sein.“

Entsetzen und Fassungslosigkeit allenthalben nach einem Feuer, das ganz offenkundig auf einen Brandanschlag zurückzuführen ist. Gebrannt hat es in der Nacht zu Freitag in einem mehrstöckigen Haus an der Travestraße, das vom Selbsthilfebauverein als Unterkunft für Asylbewerber bereit gestellt worden war. Die ersten Flüchtlinge sollten hier in den kommenden Tagen einziehen. Und so wie es aussieht, bleibt es auch dabei: Die Schäden halten sich in Grenzen, die betroffene Erdgeschoss-Wohnung sollte ohnehin nicht als Unterkunft genutzt werden. Man werde sich durch den Brandanschlag nicht von dem Vorhaben abbringen lassen, sagte SBV-Vorstand Jürgen Möller.

Möller zeigte sich bestürzt von der Brandstiftung mitten im Herzen Fruerlunds. „Bis vor wenigen Tagen hat noch jemand gewohnt in dem Haus“, sagte er. „Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können, wenn das gesamte Haus in Flammen gestanden hätte!“

Gestern Vormittag untersuchten Brandermittler der Kriminalpolizei und des Landeskriminalamtes das Haus, die Brandstelle und die Umgebung. Das Staatsschutzkommissariat hat in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen; auch das Landeskriminalamt ist eingebunden. „Paco“ , ein belgischer Schäferhund und beim LKA als Schnüffelexperte für Brandbeschleuniger tätig, suchte die Umgebung des Hauses ab.

Die Feuerwehr war unmittelbar nach Ausbrechen des Feuers von Anwohnern angerufen worden; als der Löschzug wenige Minuten später an der Travestraße eintraf, war das Feuer schon aus. Löschwasser kam demnach gar nicht zum Einsatz, so dass Wasserschäden ausgeschlossen sind.

Innenminister Stefan Studt hat den Brandanschlag scharf verurteilt. „Angriffe auf Unterkünfte für Menschen, die bei uns Hilfe suchen, sind Anschläge auf unsere gesamte Gesellschaft“, sagte er gestern in Berlin am Randes des Bundesrates. „Ich verurteile diese Tat auf das Schärfste.“ Schleswig-Holstein sei ein weltoffenes und tolerantes Bundesland.

Gestern Nachmittag besuchten Oberbürgermeister Simon Faber, Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar und die Kieler Innen-Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler den Brandort. Sie zeigten sich entsetzt und erschüttert über den Anschlag, den sie „feige und verabscheuungswürdig“ nannten. Faber kündigte an, dass man die großen Unterkünfte von einem Sicherheitsdienst rund um die Uhr bewachen lassen werde. „Ich hatte gehofft, dass wir so etwas in Flensburg nicht erleben müssen“, sagte Faber.

Die Polizei hat Brandbeschleuniger vor Ort gefunden, kann aber sonst keine Details zu der Tat nennen; auch die Höhe des Schadens stehe nicht fest. Zwar gehe man davon aus, dass das Motiv der Tat auf Fremdenfeindlichkeit zurück zu führen sei, Beweise dafür gebe es nicht, sagte ein Polizeisprecher gestern. Wer während der Tatzeit, aber auch im Zeitraum vor und nach der Tat verdächtige Beobachtungen gemacht hat, wird gebeten, sich unter der Rufnummer 0461/484-0 oder über 110 mit der Polizei in Verbindung zu setzen.

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