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Flensburger Senior-Experten : Keine Langeweile im Ruhestand

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Senior-Experten-Service vermittelt Fachleute im Ruhestand als Hilfe im Ausland

Nein, eigentlich hatte Meinolf Hammerschmidt kein Verlangen nach einem ruhigen Ruhestand. Jahrzehntelang hat der gelernte Gärtnermeister leidenschaftlich gern gearbeitet. Mit seinem Apfelmuseum ist er weit über die Grenzen des Landes bekannt geworden. Dann zog der agile 73-Jährige in fremde Länder und weihte dort Interessierte in die Geheimnisse des Ostanbaus ein. Auch Horst Rieger (69) denkt nicht ans Ausruhen. Jetzt, im Ruhestand, kümmert sich der ehemalige Sonderschullehrer gemeinsam mit seiner Frau um einen Jugendlichen aus Somalia, der als Flüchtling nach Deutschland kam und der im Bemühen, sich in Deutschland zu integrieren, Hilfe in allen Lebenslagen braucht.

Meinolf Hammerschmidt und Horst Rieger haben einen Partner an ihrer Seite: den SES (Senior-Experten-Service), angesiedelt beim Entwichlunghilfe-Ministerium in Bonn, eine Stiftung der Deutschen Wirtschaft und ihrer Verbände. Es ist ein Prinzip der Organisation, Fachkräfte, die aus dem Arbeitsleben ausscheiden, anzuheuern und ihre Kenntnisse Firmen und Organisationen zur Verfügung zu stellen, die darum bitten.

Der SES hat jetzt in Flensburg einen Stützpunkt: in der Industrie- und Handelskammer (IHK) in der Heinrichstraße. Und ganz getreu dem Prinzip ist der Koordinator dort auch Ruheständler: der frühere IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Michael Stein. Mehrere Senior-Experten trafen sich zum Erfahrungsaustausch in der Kammer.

Ein weiteres Prinzip beim SES ist die Ehrenamtlichkeit. Verdienen kann man im Einsatz nichts, soll aber auch nicht zusetzen, indem man Kosten übernimmt.

Etwa für die Reisen. Als Fachmann für Obstbau war Meinolf Hammerschnidt 2010/2011 in Ruanda. Dort half er einer Bäckerei, den Anbau der benötigten Früchte – Erdbeeren und Ananas – bei ihren Zulieferern in Schwung zu bringen.

In Kasachstan half Hammerschmidt einer Gärtnerei. Dessen Inhaber fragte den Norddeutschen, ob er sich die Betriebsstruktur näher ansehen könnte. So kam noch Management dazu.

In Schymkent, einer Stadt im Westen Kasachstans, war Meinolf Hammerschmidt wieder in seinem Element: Junge Leute hatten sich eine 20 Hektar große Apfelplantage gekauft. Optimismus sollte das notwendige Fachwissen ersetzen. Eine Tonne Äpfel warf die Plantage ab, als der Experte fertig war, waren es acht Tonnen. Fernziel sind 20 Tonnen. Die erhoffte Hilfe zur Selbsthilfe entwickelt sich.

Ein anderes Projekt sollte dabei helfen, den Wegzug junger Leute aus ihrem Dorf zu verhindern. Die Idee: Der Anbau von Zwiebeln sollte für Einkünfte sorgen. Doch hier trafen die Initiatoren auf Konkurrenz: Zwiebelimporte aus den Niederlanden zum halben Preis – eine frustrierende Erkenntnis.

Auch hinter Horst Rieger steht ein großer Partner: Vera, ein Ableger des SES. Die Buchstaben Vera kürzen das Arbeitsziel ab: Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen. Ein Fachmann aus der Wirtschaft wird einem Auszubildenden an die Seite gegeben, bei dem die Gefahr besteht, dass er die Lehre „schmeißt“. Der erfahrene Partner in dem Tandem ist gebeten, Schwierigkeiten herauszufinden und zu beseitigen.

Hat Meinolf Hammerschmidt abenteuerlich klingende Auslandseinsätze bewältigt, so wartet auf Horst Rieger das Abenteuer Alltag.

Gemeinsam mit seiner Frau, pensionierte Sonderschullehrerin, begleitet das Ehepaar ehrenamtlich den Deutschunterricht für junge Migranten und Flüchtlinge. Herkunftsländer: Somalia, Eritrea, Gambia, Syrien, Iran und Afghanistan. Einige der Schüler haben in ihrem Heimatland das Abitur gemacht, andere haben noch nie eine Schule von innen gesehen.

Mit der Zeit ergeben sich persönliche Beziehungen. Dann umfasst die Betreuung die Begleitung auf Behördengängen, Dolmetscher-Arbeit bei deutschen Behördenschreiben, Suche nach Praktikumsstellen, Hilfe bei der Wohnungssuche und beim Möbelkauf.

Mit Freude berichtet Rieger über den 19-Jährigen aus Somalia. Die Ausbildungsvorbereitung – und damit den Hauptschulabschluss – hat er erfolgreich absolviert und das deutsche Sprachniveau B1 erreicht. Im September beginnt er an der Hannah-Arendt-Schule eine Ausbildung als Pflegehelfer.

 

Interessenten, die ihr Wissen zur Verfügung stellen wollen oder Unterstützung brauchen, können sich wenden an die IHK Flensburg, Heinrichstraße 28-34, 24937 Flensburg, Peter Michael Stein, Tel. 0461 / 806  890, per E-Mail: ses@ses-buero-Flensburg.de

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erstellt am 24.Jul.2017 | 05:51 Uhr

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