SH-Ticket : Keine Gnade in der Regionalbahn

Gerade saniert, schon überflüssig? Nahverkehrsexperten des Landes bemängeln die abseitige Lage des Bahnhofes. Foto: Dewanger
Gerade saniert, schon überflüssig? Nahverkehrsexperten des Landes bemängeln die abseitige Lage des Bahnhofes. Foto: Dewanger

Weil die falsche Mitreisende auf der Fahrkarte stand, gab es Ärger und eine teure Nachzahlung

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27. November 2013, 23:29 Uhr

Zwei junge Frauen fahren gemeinsam am Sonntagabend mit dem Schleswig-Holstein-Ticket von Kiel nach Flensburg. Eine muss bis Flensburg, die andere nur bis Süderbrarup: Kein Problem würde man denken – nicht so bei der Deutschen Bahn.

Die beiden jungen Frauen kommen aus Kiel und haben sich ein Schleswig-Holstein-Ticket gekauft. Der Knackpunkt: Beide wollen an zwei verschiedenen Bahnhöfen aussteigen. Das Problem: Auf dem Ticket eingetragen ist die junge Frau, die nur bis Süderbrarup fährt.

Bevor sie aussteigen will, fragt sie den Zugbegleiter, ob ihre Mitfahrerin auf dem Ticket unterschreiben kann, um die letzten beiden Stationen allein zurückzulegen. Das lehnt dieser ab und geht weiter, ohne sich weiter um die beiden zu kümmern. Nachdem der Zug den Bahnhof Süderbrarup verlässt, kommt der Zugbegleiter zurück und verlangt von der im Zug gebliebenen Frau die Fahrkarte. Als diese ihm das SH-Ticket vorzeigt, erklärt er die Karte als ungültig, verlangt ihren Ausweis und 46 Euro Nachzahlung. Als der Bahnmitarbeiter der jungen Frau den Beleg gibt, fängt diese an zu weinen und fragt ihn: „Wie können Sie nur so hart sein?“

So hat jedenfalls Thea Gregersen-Boysen die Situation erlebt. „Sehr, sehr unhöflich war er gewesen“, sagt die Frau, die gemeinsam mit ihrem Mann den jungen Frauen gegenüber saß.

Völlig anders hat sich die Hamburger Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst den Fall von dem Zugbegleiter schildern lassen. Der Bahnmitarbeiter habe der jungen Frau gesagt, sie müsse ein neues Ticket kaufen. Sie sei aber weiter gefahren, obwohl sie gewusst habe, dass sie kein gültiges Ticket besaß. Gregersen-Boysen hat so eine Antwort indes nicht gehört.

Ob der Zugbegleiter aus Kulanz nicht auf die harte Haltung hätte verzichten können? „Die Zugbegleiter dürfen wegen des Gleichbehandlungsgrundsatzes keine Ausnahmen machen“, erklärt sie. Und zu dem Vorwurf, dass der Bahn-Mitarbeiter sehr unfreundlich gewesen sei: „Der Zugbegleiter ist als sehr freundlicher, langjähriger Mitarbeiter in unserem Unternehmen bekannt.“

Wären beide Frauen gemeinsam nach Flensburg gefahren und die Süderbraruperin dann dort hin zurück, oder hätten sie nicht ehrlich nachgefragt, wäre das Ganze wohl kein Problem gewesen. Thea Gregersen-Boysen wundert sich verärgert: „Bis Süderbrarup war die junge Frau ein Fahrgast mit gültiger Fahrkarte, ab dort dann plötzlich nicht mehr?“

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