Flensburg : Keine Geburtsurkunde für kleine Julia

Es ist zum Heulen: Das Standesamt will dem zwei Wochen alten Baby keine Geburtsurkunde ausstellen – die Identität der Mutter  sei ungeklärt.
Es ist zum Heulen: Das Standesamt will dem zwei Wochen alten Baby keine Geburtsurkunde ausstellen – die Identität der Mutter sei ungeklärt.

Das Flensburger Standesamt will der kleinen Julia keine Geburtsurkunde ausstellen: Die Identität der Mutter, heißt es, sei nicht zweifelsfrei geklärt.

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23. November 2013, 09:25 Uhr

Flensburg | Sein oder Nichtsein. Da liegt die kleine Julia, gerade einmal zwei Wochen alt, leibhaftig in den Armen ihrer real existierenden Mutter (29) – doch das Standesamt verweigert ihr das Dokument, das dieses zweifellos vorhandene Leben offiziell beurkundet. Denn Joanna Jefimow – die aus Polen stammende Mutter – soll von Amts wegen für identitätslos erklärt werden.

Damit nicht genug: Der guten Ordnung halber möge der Vater, der deutscher Staatsangehöriger ist und seit einem Vierteljahrhundert in diesem Land lebt, seine Einbürgerungsurkunde vorlegen. Doch der hat längst genug von dem behördlichen Spießrutenlaufen und einen Rechtsanwalt eingeschaltet. „Man verweigert uns die Urkunde, die wir dringend brauchen“, schimpft Richard Wawryniuk, „und ist dabei um faule Ausreden nicht verlegen.“

Er habe, gibt der 45-Jährige an, zweimal fernmündlich mit einer Mitarbeiterin des Standesamtes verhandelt, am 18. November sei die ganze Familie in der „Villa Besenbruch“ an der Friesischen Straße  erschienen, um eine Einigung zu erzielen. Immer mit dem gleichen Ergebnis: Eine Geburtsurkunde gibt es nicht.

Richard Wawryniuk kam im Jahr 1989 mit seinen Eltern als Tourist von Polen nach Berlin – kurze Zeit später verschlug es die Spätaussiedler nach Flensburg. Seine erste Ehe zerbrach, dann lernte er Joanna kennen. Den deutschen Personalausweis erhielt er anstandslos, auch eine Geburtsurkunde kann er vorlegen. „Eine Einbürgerungsurkunde habe ich nie bekommen und nie gebraucht“, sagt der Vater, „wozu  auch – mein Ausweis müsste doch Legitimation genug sein.“

Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf spricht von einer etwas komplizierten Gemengelage. Aus Gründen des Datenschutzes darf er zu dem Fall nicht konkret Stellung nehmen, doch er lässt durchblicken, dass die Mitwirkungspflicht der Betroffenen zu wünschen übrig lasse. Darüber hinaus wisse man nicht, ob Joanna Jefimow immer noch verheiratet oder geschieden sei. Tatsächlich trägt die 29-Jährige noch den Nachnamen ihres Ex-Mannes, doch die Tatsache, dass sie längst geschieden ist, geht nachweislich aus der Vaterschaftserklärung von Richard Wawryniuk hervor. Ebenso aus dem Dokument über das gemeinsame Sorgerecht – beides beim Flensburger Jugendamt ausgestellt und unterschrieben. Im Übrigen ist  die Mutter im Besitz sowohl  von  Geburts- als auch Heirats- und Scheidungsurkunde (aus dem Jahr 2009). „Was also“, fragen die Eltern, „sollen wir noch tun, um zu unserem guten Recht zu kommen?“

Teschendorf  besteht darauf, dass die Identität der Mutter nicht geklärt sei. Der Familie werde bis auf Weiteres keine Geburtsurkunde ausgehändigt, sondern stattdessen ein Registerauszug, der als Nachweis über die Geburt von Julia Hedwig Wawryniuk – so der volle Name – aufzubewahren sei. Er betont, dass diese Regelung keine Flensburger Erfindung sei. „Wir bewegen uns hier im Bereich des Bundesrechts.“

Vor gut einem Jahr gab es einen ähnlich gelagerten Fall, in dem eine Flensburgerin armenischer Herkunft um eine Geburtsurkunde für ihre 17 Monate alte Tochter kämpfte. Auch ihr wurde der standesamtliche Bescheid zugestellt, dass die Voraussetzungen für eine Beurkundung nicht vorlägen. Die Geburtsurkunde der Mutter sei zwar vorgelegt worden –  jedoch könne keine Aussage darüber getroffen werden, ob sie die tatsächliche Inhaberin der Urkunde ist. Sogar eine authentische Geburtsurkunde ist nicht zwingend ein ausreichender Nachweis für die Identität einer Person. Eine  Erkenntnis, die verblüfft.

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