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Mai-Demonstration in Flensburg : „Keine Folklore – sondern Kampf“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Rund 300 Teilnehmer bei 1. Mai-Kundgebung auf dem Südermarkt – und erstmals wieder ein Protestmarsch durch die Stadt.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2017 | 05:16 Uhr

Wer erinnert sich? Jahrzehnte ist es her, dass ein Marsch zum 1. Mai durch Flensburg führte – vorneweg ein Spielmannszug. Gestern wurde diese Tradition wiederbelebt. Rund 100 Demonstranten nahmen an einem Protestzug unter dem Leitmotiv „Wir sind viele, wir sind eins“ teil, von der Walzenmühle durch die Norderstraße und Fußgängerzone bis hin zum Südermarkt.

Dort fand unter blauem Himmel die traditionsreiche Kundgebung zum „Tag der Arbeit“ statt. 200 Teilnehmer hatten sich rund um die Bühne bereits versammelt: Gewerkschaften, Parteien und Organisationen wie Amnesty International präsentierten sich mit Ständen, Ministerin Anke Spoorendonk (SSW) oder Oberbürgermeisterin Simone Lange waren dabei, als zur Ankunft des Zuges um 11.45 Uhr ein vielfach interpretierter Klassiker, das Lied der italienischen Partisanen „Bella Ciao“ erklang, gespielt vom International Cultural Project Neustadt.

Seine Begrüßungsrede begann Joachim Sopha, Vorsitzender des DGB-Stadtverbandes, mit der rhetorischen Frage, ob denn, wie bisweilen behauptet, Kundgebungen zum 1. Mai überflüssig seien. Man habe kritisiert, dass dies eine Einrichtung sei, wo einseitig auf die Arbeitgeber eingedroschen werde. „Es gibt Traditionen“, so die klare Antwort Sophas, „an denen man festhalten soll.“ Keineswegs handele es sich dabei um Folklore, sondern um einen stetigen Kampf – den Kampf für Solidarität und Respekt. „Den Respekt für die Arbeit, die wir täglich leisten.“ Immer noch gebe es viele Betriebe ohne Arbeitnehmervertretung, in denen das nicht funktioniere. „Selbst mit Betriebsräten ist das schon schwierig genug.“

Beifall gab es für ein Intermezzo zwischen Jürgen Jessen (IG Metall) sowie Cosima und Pauline von der IG Metall Jugend. Beide Seiten warfen sich verbal die Bälle zu, als es um die künftige Rentensituation für die jüngere Generation ging. Dabei wurden die Besucher mit Zahlen und Fakten konfrontiert: Demnach würden 42300 Menschen in Schleswig-Holstein in Armut leben. Zudem seien die Renten seit 2010 um real zehn Prozent gesunken. Die beiden Jugendlichen brachten ihr Fazit gereimt auf den Punkt: „Wer unsere Zukunft zerbricht, den wählen wir nicht!“

Susanne Uhl, Geschäftsführerin des DGB Schleswig-Holstein Nordwest, holte etwas weiter aus. Sie warnte vor einem Rechtsruck in Europa wie auch in den Vereinigten Staaten und vor einer Vergiftung des politischen Klimas. „Leider ist es nicht damit getan Putin, Orban, Kaczynski, Erdogan, Trump und wie sie alle heißen, für wahlweise etwas klügere oder etwas beschränktere Deppen zu halten und damit fertig. Sie alle konnten mit ihren Programmen Wahlen gewinnen.“ Hier sei eine Atmosphäre entstanden, „die viele Menschen bedrückt, bedroht oder sie sogar offener Aggression aussetzt“. Einen Seitenhieb gab es in diesem Kontext gegen die AfD. Susanne Uhl forderte dazu auf, den „abstrusen Vorstellungen“ dieser Partei eine Absage zu erteilen. Dann begab sie wieder auf klassisch gewerkschaftlich besetztes Terrain: „Unser Ort sind in erster Linie die Betriebe.“ Wenn Menschen an ihrem Arbeitsplatz wertgeschätzt würden, wenn sie tatsächlich mitbestimmen können, „dann ist diese Erfahrung ein fettes Pfund“. Dazu gehöre auch, in Streiks oder Demonstrationen zu zeigen: „Nein, der Weg den ihr Regierenden, ihr Unternehmensleitungen formuliert, den wollen wir nicht.“


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