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Verkehrssicherheit : Keine Fahrradprüfung mehr für Knirpse

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wegen der zusätzlichen Aufgaben durch den Flüchtlingszustrom streicht die Polizei die Fahrradprüfung und weitere Präventionsmaßnahmen in Schulen.

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | In der letzten Woche sickerte die Nachricht auch an einige Eltern der Viertklässler durch: In diesem Schuljahr wird es für ihre Sprösslinge keine Fahrradprüfung im echten Straßenverkehr geben. Sie gehörte seit Jahren im Frühjahr zum Straßenbild in den Stadtteilen: Polizisten, die an Kreuzungen und Einmündungen stehen, gegebenenfalls den Autoverkehr stoppen und behelmte Knirpse auf ihren Rädern durch den Verkehr dirigieren. Damit ist – zumindest vorerst – Schluss. Die Polizei dampft ihre Präventionsarbeit an Schulen massiv ein, weil der starke Zustrom an Flüchtlingen zusätzliche Arbeit für die Polizei nach sich zieht.

„Wir finden es sehr bedauerlich, dass sich die Polizei von dieser Präventionsarbeit verabschiedet“, sagt Volker Masuhr, Leiter der Waldschule, zu der Kürzungsmaßnahme. Seit er sich erinnern kann, habe es die Fahrrad-Prüfungen gegeben, die den Viertklässlern die Bewegung auf zwei Rädern im Straßenverkehr erleichtert und oft erst ermöglicht habe. „Das wurde von den Kindern, Eltern und Lehrern immer sehr ernst genommen.“ Die Präsenz der Polizei in der Schule schaffe Nähe und Vertrauen; schon vor dem jetzt bekannt gewordenen Verzicht auf die Fahrradprüfung habe die Präsenz der Polizei in der Waldschule deutlich abgenommen, was er sehr bedaure, so Masuhr.

Ulrik Damitz ist Leiter der Stabsstelle Prävention bei der Polizeidirektion Flensburg; auch ihm fällt es nicht leicht, die Kollegen aus den Schulen abzuziehen. „Die Radfahrprüfung ist einer der Ur-Schwerpunkte unserer Präventionsarbeit“, sagt er. „Und die Kinder fahren heute eher schlechter Fahrrad als noch vor einigen Jahren.“

Zwar habe er die Prävention vorerst nur bis zum 31. Dezember 2015 ausgesetzt. Doch die Fahrradprüfungen, die erst im Frühjahr 2016 stattfinden, müssten jetzt vorbereitet und terminiert werden. Alternativen zur Prüfung durch Polizeibeamte gibt es nicht. Lehrer können den Theorie-Unterricht und Übungen auf dem Schulhof machen. Doch die Prüfung im realen Verkehrsraum – da sind sich Damitz und Masuhr einig – können Lehrer auf keinen Fall abnehmen.

Die Radfahrprüfung ist nicht die einzige Präventionsaufgabe, die wegfällt. In einem Schreiben an die Schulen vom 1. Oktober listet Damitz sie auf: „Unterrichtsmodule im Bereich Gewalt- und Jugendkriminalität (ab Klasse 5), „Neue Medien“ (ab Klasse 7) und „Alkohol-Drogen-Medikamente“ (9. Klasse). Ebenfalls ausgesetzt wird die Ausbildung zum Schülerlotsen/Verkehrshelfer im Jahrgang 6 bis 9.

Das Ganze ist für Markus Witt, Lehrer an der Eckener-Schule und Kreisfachberater für Verkehrserziehung, „schlichtweg eine Katastrophe“. Er befürchte, dass die eigens für Prävention ausgebildeteten und jetzt abgezogenen Polizeibeamten „im Frühjahr nicht wieder zurück kehren“ werden. Er habe großes Verständnis dafür, dass der große Zustrom an Flüchtlingen die Polizei stark fordere. Doch der Verzicht auf Präventionsarbeit ist für ihn der falsche Weg. „Schließlich sollen die Kinder der Flüchtlinge ja auch irgendwann in der Schule die Fahrradprüfung machen.“

Ulrik Damitz betont hingegen, dass sich die Polizei nicht komplett aus der Präventionsarbeit zurück ziehen: „Wir machen damit weiter.“ Der polizeiliche Erstkontakt in den ersten Klassen durch die Beamten der Reviere und Stationen soll weiterhin durchgeführt werden. Anfragen zur Gewaltprävention im Programm „Deeskalation im Netzwerk“ können, so Damitz, weiterhin erfolgen und werden personalabhängig durchgeführt.

Hintergrund ist die „Besondere Aufbauorganisation“, mit der die Landespolizei seit August das Amt für Ausländerangelegenheiten bei der Bewältigung des Flüchtlingsstromes unterstützt. 470 Polizeibeamte sind landesweit hier gebunden, darunter auch die elf für Prävention abgestellten Kollegen der Polizeidirektion Flensburg, die zuständig ist für den gesamten nördlichen Landesteil.

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