Ärger an der Flensburger Förde : Keine Fähre, zerstrittene Pächter – Ochseninsel versinkt im Chaos

Seit rund drei Wochen steht das Fährschiff in zweiter Reihe am Flensburger Ostufer.
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Seit rund drei Wochen steht das Fährschiff in zweiter Reihe am Flensburger Ostufer.

Aus Freunden wurden Feinde, die sich wegen Bootsentführung und Körperverletzung anzeigen. Der dänische Staat zieht die Reißleine und hat den Pachtvertrag gekündigt. Leidtragende sind vor allem die Besucher.

shz.de von
07. Juli 2015, 14:14 Uhr

Sønderhav | Es klingt nach Kleinkrieg im Paradies: Ausgerechnet um die Ochseninseln, einem idyllischen Kleinod in der Flensburger Innenförde, ist ein heftiger Streit zwischen den Pächtern entbrannt. Vor elf Jahren schlossen sich fünf Freunde zusammen, von denen seit 2013 nur noch zwei übrig geblieben sind. Ihr Ziel: Die zwischen dem dänischen Sønderhav und Glücksburg gelegene Große Ochseninsel mit einem Restaurant zu bewirtschaften und den Touristen und Bewohnern der Region die Natur dort näherzubringen.

Ein „Herzensanliegen“ sei ihnen die Aufgabe, steht auf ihrer Webseite. Davon konnten sich die zahlreichen Besucher, die seit Pachtbeginn im Mai 2004 ganz überwiegend mit dem inseleigenen Fährbetrieb von Sønderhav zu den Inseln chauffiert wurden, ihr eigenes Bild machen. Das war einmal.

Der Fährbetrieb ist seit Wochen eingestellt, das Restaurant die meiste Zeit über geschlossen und der 25 Jahre laufende Pachtvertrag ist nach nicht einmal der Hälfte seitens des dänischen Staates zum 1. Juli wegen Unregelmäßigkeiten gekündigt worden. Und aus den einstigen Freunden sind erbitterte Feinde geworden, die nicht ein gutes Wort über den anderen verlieren.

Die Leidtragenden der Fehde sind in erster Linie die Besucher, die nun wegen des eingestellten Fährbetriebs nicht mehr auf die Insel kommen können – und deren Anteil belaufe sich auf rund Dreiviertel aller Gäste, schätzt Rüdiger Fleck, mittlerweile alleiniger Geschäftsführer auf den Inseln. Er hat Strafanzeige erstattet, weil das Fährboot entführt worden sei, wie er sagt. Und zwar von seinem früheren Freund und Co-Geschäftsführer Olaf Kienke, der das Boot vor knapp drei Wochen mit Kapitän L. zum Flensburger Ostufer gebracht hat. Dort liegt es bis heute. „Wir haben damit nur den Auftrag meines Vaters ausgeführt, der Eigner des Schiffes ist“, sagt Kienke. „Eine weitere Zusammenarbeit mit Rüdiger Fleck war für uns nicht mehr möglich.“ Von Diebstahl oder gar einer Entführung könne überhaupt keine Rede sein.

Ganz so einfach ist die Sache aber offenbar nicht, da Fleck als Geschäftsführer der Zugang zum Boot nicht gänzlich verweigert werden könne, wie ein Sprecher der dänischen Polizei berichtet. Zu dem Ergebnis kommt auch ein Sprecher der Flensburger Wasserschutzpolizei, die Kienke auf dem Boot im Flensburger Hafen bereits einen Besuch abgestattet hat. Einer Schuld sind sich er und sein Kapitän L. aber keineswegs bewusst. „Wir haben die dänische Seefahrtbehörde ordnungsgemäß informiert und zahlen hier Hafengeld“, beteuert Kapitän L., der als Patentinhaber das Schiff steuern und Besucher zu den Ochseninseln schippern darf – was er nach eigenen Angaben bis dato acht Jahre lang machte.

Nun hat ihn Fleck wegen Körperverletzung angezeigt, da L. ihn tätlich angegriffen haben soll. L. sagt dazu: „Er hat mir mit den Fäusten mehrfach auf den Kopf geschlagen und sich dabei einen Finger gebrochen.“

Dass es zwischen den Pächtern und deren Mitarbeitern schon seit einiger Zeit brodelt, bestätigt ein Flensburger, der seit Jahren häufig auf den Ochseninseln zu Gast ist, aber nicht namentlich genannt werden will. „Das ist insgesamt eine sehr, sehr traurige Geschichte, gerade für die Leute aus der Region“, sagt er. „Da kommen schwere private Probleme hinzu.“

Das sieht auch Günther Wulf so, der einst Vorsitzender des mittlerweile aufgelösten Fördervereins „Oens Venner“ war und sich noch heute als Freund der Ochseninseln betrachtet. Er sagt aber auch: „Rüdiger Fleck hat den defekten Brunnen reparieren lassen und will den gastronomischen Bereich wieder ernsthaft für Besucher bewirtschaften.“ Zumindest Ersteres kann Kerstin Ohlhöft bestätigen. Die Lehrerin der Hohlwegschule ist heute von einem selbstorganisierten Ausflug mit Grundschülern von den Ochseninseln zurückgekehrt. „Die Inseln sind völlig verlassen und die Sanitäranlagen hätten vor unserem Besuch ruhig einmal gereinigt werden können, aber insgesamt ist der Zustand dort völlig in Ordnung."

Das beteuert auch Fleck, der trotz der Kündigung des Pachtvertrages offenbar vorerst weiter die Inseln bewirtschaften darf. „Ich habe erfolgreich Widerspruch dagegen eingelegt, das ist nun eine juristische Angelegenheit.“ Und die könne sich zwei bis drei Jahre hinziehen. „In der Zeit geht es hier natürlich weiter.“ Offen ist aber weiterhin, wie die Mehrheit der Gäste auf die Insel kommen soll ohne Fähre. „Es haben sich bereits einige Interessenten für den Fährbetrieb gemeldet, aber eine Lösung gibt es bislang noch nicht“, sagt Fleck. „Wann der Betrieb wieder aufgenommen wird, weiß ich noch nicht.“

Eine Antwort darauf kann auch Kienke nicht liefern. Aber: „Heute kommt ein Gutachter, um den Wert des Boots zu schätzen.“ In naher Zukunft wolle er sich dann überlegen, ob er das Boot verkaufe oder es wieder seinem ursprünglichen Zweck zuführt – dem Transport von Passagieren auf die Große Ochseninsel.

 „Aber das wird nur der Fall sein, wenn Rüdiger Fleck nicht mehr Geschäftsführer ist.“ Doch daran denkt der wiederum überhaupt nicht. Das Ende des Streits ist offen. Dessen Ausgang ebenso. Sicher ist lediglich, dass aus dem „Herzensanliegen“ der einstigen Freunde auf den Ochseninseln ein Albtraum geworden ist.

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