Flensburger Stadtwerke : Keine Entlastung für den Ex-Chef

 Stadtwerke Flensburg: 15 Millionen Euro  sind weg - Geschäftsführer Wolfskeil auch. Die Stadt behält sich Regress-Ansprüche vor. Foto: Marcus Dewanger
1 von 2
Stadtwerke Flensburg: 15 Millionen Euro sind weg - Geschäftsführer Wolfskeil auch. Die Stadt behält sich Regress-Ansprüche vor. Foto: Marcus Dewanger

Ehemaliger Geschäftsführer der Stadtwerke muss zittern: Droht wie bei der Sparkasse eine Millionen-Klage?

Avatar_shz von
06. Juni 2012, 06:00 Uhr

Flensburg | Im nächsten Geschäftsbericht der Stadtwerke, der in vier Wochen erscheint, wird dem ehemaligen Geschäftsführer Matthias Wolfskeil keine Entlastung erteilt. Das gleiche gilt für das Geschäftsjahr 2010 und ist in der Unternehmensgeschichte ein einmaliger Vorgang, wie die Stadtwerke-Pressestelle auf Anfrage mitteilte. Aufsichtsratsvorsitzender Rolf Helgert bestätigte entsprechende Informationen.

Er bestätigte auch, dass dem Anfang des Jahres entlassenem Geschäftsführer zumindest im Prinzip Ähnliches droht wie dem ehemaligem Vorstand der Flensburger Sparkasse, der sich seitens der Nospa mit einer Forderung in Höhe von 40 Millionen Euro konfrontiert sieht. Im Vergleich mit den Kollegen Eilts und Kepp schneidet Wolfskeil freilich günstiger ab. Die Sparkasse vernichtete dreistellige Millionenbeträge. Er verantwortet einen Verlust von "nur" rund 15 Millionen Euro - ob schuldhaft, ist völlig offen. "Man soll die Nicht-Entlastung jetzt nicht überbewerten." Helgert geht nicht davon aus, dass die noch laufende interne Prüfung in strafrechtlicher Hinsicht Verwertbares zu Tage fördern wird. "Es gibt bislang keinerlei Anhaltspunkte für ein schuldhaftes Verhalten. Für den Aufsichtsrat war es rechtlich zwingend, die Reißleine zu ziehen. "Um Schaden vom Unternehmen fern zu halten, müssen wir uns diese Möglichkeit offen halten - für den Fall, dass da noch was kommt."

Zudem habe man befürchtet, dass die Untersuchung der Staatsanwaltschaft im Fall Walter Baar dann beendet worden wäre. "Das haben wir nicht gewollt", so Helgert. Der ehemalige Werksleiter - als Interimsmanager mit 1250 Euro Tageshonorar Spitzenverdiener bei der städtischen Tochter - war wegen Bestechlichkeit in den Fokus der Ermittler geraten.

Die interne Aufarbeitung der jüngeren Stadtwerke-Geschichte hat jene Kritiker bestärkt, die schon zu Amtszeiten Wolfskeils eine strengere Aufsicht angemahnt hatten. Es sei ein Riesenfehler gewesen, den Stadtwerken die Gründung von Tochtergesellschaften zu gestatten, die sich jeglicher kommunaler Kontrolle entzogen, heißt es mittlerweile selbstkritisch. Wolfskeil sei Herrscher über zahlreiche Gesellschaften und Beteiligungen gewesen, deren Risiken den Aufsichtsräten verborgen geblieben seien.

So auch die Beteiligung an der Hofkontor Eggebek AG. Das Unternehmen war beim Stadtwerke-Einstieg Hauptgesellschafterin der Beta-Biomethan GmbH Schuby, die Biogasanlagen betreibt. Ende vergangenen Jahres musste Wolfskeil-Erbe Maik Render auch hier das Manöver des letzten Augenblicks einleiten. In den Akten stießen die Prüfer nach Informationen unserer Zeitung auf rote Zahlen. Render stieg aus der Hofkontor AG aus und stockte die Flensburger Anteile bei Beta-Biomethan von 49,9 auf 75,1 Prozent auf. Dieser Schritt sei wegen drohender weiterer Millionen-Verluste alternativlos gewesen, heißt es. Die Stadtwerke müssen die angeschlagene Firma retten, wenn sie ihr Geld retten wollen. Insidern zufolge hatte Wolfskeil trotz mehrfachen Anmahnens dem Aufsichtsrat keine Informationen über das Biogas-Engagement der Stadtwerke gegeben.

In den Sitzungsprotokollen würden sich derlei Details kaum wiederfinden, heißt es. Es seien allgemeine Feststellungen getroffen, aber kaum Details festgehalten worden. Deshalb glaubt bei den Altlast-Experten auch niemand an strafrechtliche Folgen für den Stadtwerke-Direktor. "Das wird enden wie auch bei der Sparkasse. Wie das Horneberger Schießen."

Matthias Wolfskeil war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen