Fehlplanung : Keine Einsicht an der Schönen Aussicht

Der Rohbau schaffte es nur bis zum Richtfest. Ein letztes Foto kurz vorm Abriss.
Der Rohbau schaffte es nur bis zum Richtfest. Ein letztes Foto kurz vorm Abriss.

Bis Mittwochmittag stand in Mürwik noch ein Rohbau an der Schönen Aussicht - abends war er weg; Abriss auf Anordnung der Stadt. Der Eigentümer war fünf Meter zu weit gegangen.

shz.de von
24. April 2009, 11:31 Uhr

Flensburg | Eine besonders schnelle Methode, Geld zu vernichten. Und ärgerlich dazu. Kenner sprechen von gut 200 000 Euro, die sich unwiederbringlich in Schutt und Staub auflösten - geplant war das sicherlich nicht. Mehr eine Fehlplanung, wie die Flensburger Verwaltung auf Anfrage mitteilte. Sie teilte auf Anfrage auch mit, keinen Kontakt zum Eigentümer herstellen zu können, weil das Thema für den erledigt sei.

An der Schönen Aussicht beträgt die Differenz zwischen ungetrübten Bauherrenfreuden und einer teuren Schutthalde exakt fünf Meter. Um diese fünf Meter unterschritt der Bauherr die Distanz, die er zum Waldessaum hätte halten müssen - nicht viel eigentlich, in diesem Fall aber ausschlaggebend für eine Abrissverfügung der Bauaufsicht.

Thomas Hansen, Sprecher der Stadtverwaltung, sieht da keinen Ermessensspielraum der Behörde - zumal der Einsatz der Abrissbirne eine Vorgeschichte hat. Eines der Attribute, das die Schöne Aussicht zu einer bevorzugten Wohngegend macht, ist der Waldbestand in diesem Gebiet. Dieser Wald, erinnert Hansen, fällt unter die Obhut des Landesforstamtes, und das Landesforstamt verwaltet seinen Waldbestand nach dem Waldgesetz. Gesetzlich vorgeschrieben sei in waldigen Gegenden, einen Abstand von 30 Metern zum Waldessaum zu halten. Weil an der Schönen Aussicht ein älterer Bebauungsplan besteht, habe der Grundstückseigentümer sich mit dem Neubau den Bäumen sogar auf 25 Meter nähern können. Dass aber sei ihm nicht genug gewesen.
Keinen Präzedenzfall schaffen
2008 sei eine Anfrage auf einen Vorbescheid eingegangen, auf 20 Meter Entfernung gehen zu können. "Wir konnten dem Antrag nicht stattgeben", sagt Hansen. Nach Prüfung und Rücksprache bei der Landesforstverwaltung sei die Anfrage am Ende abgelehnt worden. Ermessensspielraum habe es nicht gegeben: "Wir hatten zu berücksichtigen, dass in diesem Gebiet noch weitere Häuser gebaut werden sollen, und hätten damit einen Präzedenzfall geschaffen."

Der Fall schien erledigt, hätte nicht ein anderer Bauwilliger die Fortschritte auf dem besagten Grundstück mit Interesse verfolgt. Auch er wusste um die 25-Meter-Problematik, auch er wollte näher an den Waldessaum. "Bei uns ging dann eine weitere Anfrage ein", bestätigt Hansen Informationen unserer Zeitung. "Da wurden wir natürlich aufmerksam und haben noch einmal nachgeschaut."

Vor Ort wurde dann schnell klar: Das Haus war fünf Meter übers Ziel hinausgeschossen - als hätte es die Ablehnung nie gegeben. Hansen: "Es wurde dann nochmals ein Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung gestellt." Vergebens. Die Bauordnung ließ sich nicht erweichen. In diesem Fall blieb nur eins: Der Baukolonne folgte der Abrissbagger auf dem Fuße.

Glück im Unglück vielleicht, dass die Schummelei so früh ans Tageslicht kam. Ein halbes Jahr später wäre es mit dem fertigen Haus noch viel teurer geworden. Und vielleicht hätte das Bauordnungsamt dann auch nicht - wie in diesem Fall - auf die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitenverfahrens verzichtet. Das gibt der Ermessensspielraum her. Hansen: "Der Bauherr ist ja schon genug gestraft."

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