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Harniskaispitze in Flensburg : Keine Chance für Wohnmobile auf Gelände der ehemaligen Luftschlossfabrik

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Für die Harniskaispitze gelten die gleichen Lärmschutzwerte wie für ein allgemeines Wohngebiet – die WiF blitzt mit ihrem Stellplatz-Vorschlag ab.

Flensburg | Mit rapide steigenden Temperaturen wächst auch schlagartig der Andrang auf Flensburgs Wohnmobilstellplatz am Industriehafen. Spätestens am Himmelfahrtswochenende mit Rum-Regatta wird dort nichts mehr gehen, müssen sich Urlauber einen anderen Platz suchen. Jetzt hat die WiF-Fraktion der Ratsversammlung beantragt, die Harniskaispitze als Wohnmobilstellplatz auszuweisen – und ist krachend gescheitert.

Bis Februar 2016 war die Harniskaispitze noch besiedelt. Unterstützer der Luftschlossfabrik lebten dort. Dann wurde das Gelände unter massivem Polizeieinsatz geräumt. Seitdem ist die Fläche ungenutzt.

Es scheint ein wenig absurd: Seit einem Jahr und drei Monaten liegt die Harniskaispitze brach. Nichts geschieht dort, es wächst noch nicht einmal viel Unkraut, auch ist kein riesiges Hundeklo entstanden. Doch Wohnmobile dürfen hier nicht stehen. Warum eigentlich nicht?

2007 schon hat die Stadt für die Harniskaispitze die Idee eines Mischgebiets, wo dann auch ein Hotel möglich gewesen wäre, auf Grund einer schalltechnischen Untersuchung fallen gelassen, so Asta Simon von der Pressestelle des Rathauses. Dies geschah mit Blick auf die Lärmemissionen von Werft und Stadtwerken. Auch wenn ein Wohngebiet am Stadtrand mit einem Wohnmobilstellplatz am Hafen auf den ersten Blick nicht viel gemein hat, gelten für beide doch gleiche Bestimmungen. Die regeln die Anforderungen an gesundes Wohnen in § 34 Baugesetzbuch. Danach behandelt der Gesetzgeber einen Touristen, der für eine Nacht mit seinem Wohnmobil am Hafen stehen möchte, ebenso wie eine Familie, die sich ein Häuschen für die nächsten 30 Jahre ins Grüne bauen will.

Viel Sand, wenig Bäume: Die Harniskaispitze bleibt für den Rest des Jahres vermutlich ungenutzt.
Viel Sand, wenig Bäume: Die Harniskaispitze liegt brach. Foto: michael staudt
So sah die Harniskaispitze vor der Zwangsräumung aus. Jetzt werden neue Ideen für Nutzung und Gestaltung des Geländes gesucht.
So sah die Harniskaispitze vor der Zwangsräumung aus. Jetzt werden neue Ideen für Nutzung und Gestaltung des Geländes gesucht. Foto: shz
 

Sind Gewerbebetriebe in der Nähe wie eine Werft oder ein Kraftwerk, gelte die Technische Anleitung Lärm, erläuterte auf Anfrage Bernd Kögel, Technischer Geschäftsführer der Firma Lärmkontor GmbH in Hamburg. Die enthalte zwar keine expliziten Aussagen zu Camping- oder Wohnmobilplätzen, deshalb müsse die Schutzbedürftigkeit „in Analogie“ zum Wohnen definiert werden. Konkrete Werte finde man sodann in der DIN 18005 Beiblatt 1 „Schallschutz im Städtebau“. Und dort stehen in der Tat die Grenzwerte für „allgemeine Wohn-, Kleinsiedelungs- und Campingplatzgebiete“.

Bei einem sehr kurzfristigen Aufenthalt in so einem Gebiet gebe es aber einen „Abwägungsspielraum“, wie man ihn häufig bei der Genehmigung eines Hotels finde, so Kögel. Da würden dann schon auch Ausnahmen zugelassen. In großen Städten werden auch heute Hotels an achtspurigen Straßen, Autobahnen oder Flughäfen genehmigt.

Doch so weit ging die Diskussion im Planungsausschuss nicht. Ihre Ablehnung der WiF-Initiative begründeten die Politiker mit dem knappen Hinweis, dass ein Wohnmobilstellplatz dort nicht erlaubt sei. Dass dort vor wenigen Jahren noch mindestens eine Wohnung war, in der sogar die spätere Bundestagsabgeordnete Ingrid Nestlé offiziell wohnte (Harniskai 1), spielte in der Diskussion keine Rolle.

Ein weiteres Argument waren Kosten: Man habe beschlossen, an der Harniskaispitze kein Geld mehr zu investieren, erinnerte Arne Rüstemeier (CDU).

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erstellt am 18.Mai.2017 | 05:58 Uhr

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