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Flensburger Tageblatt

23. August 2017 | 21:56 Uhr

Parknot : Kein Platz fürs Auto an der Bahn

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Zug wartet, aber wohin mit dem Wagen? Mit der Neuerschließung des Umfelds soll die Parksituation entschärft werden

Ein ganz normaler Nachmittag – mitten in der Woche. Autofahrer ziehen ihre Kreise rund um den Bahnhof. Suchen verzweifelt einen Parkplatz, oftmals in Zeitnot. Doch das kann schnell zu einer Odyssee ausarten. An einem ganz normalen Nachmittag – und die Reisesaison steht bevor.

In der Bahnhofstraße Richtung Westen stehen linker Hand schräg parkende Autos dicht an dicht, weiter oben müssen Taxen gegenüber auf Fahrgäste warten; nur drei von ihnen haben die Genehmigung, direkt vor dem Bahnhof stehen zu dürfen. Der Engpass ist eine Herausforderung für Busse und Rettungsfahrzeuge. Seit es dort Blechschäden gegeben hat, will die Verkehrsbehörde wildes Parken durch das Platzieren von Findlingen verhindern. Am Mühlendamm sieht die Situation nicht besser aus. Parkplatz – Fehlanzeige.

In ihrer Not stellen Reisende ihre Autos verkehrswidrig ab – in der Hoffnung, mit einem blauen Auge davonzukommen. Ein gefundenes Fressen für die Mitarbeiter des Ordnungsamtes, wie Monika Weinbuch, die zusammen mit einer Kollegin den ruhenden Verkehr überwacht. Es hagelt Knöllchen. Gleichwohl versichert die Dame in Uniform, dass das Bahnhofsumfeld nicht unbedingt zu den Schwerpunkten derartiger Verstöße zähle. Doch sie will die Augen nicht verschließen. Denn seit das Areal rund um den Güterbahnhof und die alte Bahnpost abgezäunt und für Autofahrer tabu sind, staut es sich auf dem verbleibenden Platz. „Manchmal wird es schon eng“, sagt Monika Weinhold, „das ist je nach Wochentag und Tageszeit ganz unterschiedlich.“

Sie hat beobachtet, dass viele Parkplatzsuchende in die Wohngebiete am Munketoft, in der Waitz- und Teichstraße ausweichen. Dort gelten die Regeln des Anwohnerparkens, doch zwischen 18 Uhr abends und 9 Uhr morgens kann ein jeder sein Auto dort ganz legal auch ohne Parkscheibe abstellen. Andere machen es tagsüber illegal. „So bleibt den Anwohneren oft nichts anderes übrig, als sich in unmittelbarer Bahnhofsnähe auf die Suche zu begeben“, sagt Monika Weinbuch, die sich dem ungebremsten Zorn der Autofahrer mehr als einmal ausgesetzt sah.

Auch Uwe Albertsen aus Flensburg macht seinem Ärger Luft. Er beabsichtigt, mit seiner Frau mit dem Zug nach Hamburg zu fahren. Nicht ahnend, dass so ein harmloses Vergnügen auch seine Schattenseiten hat. Rechtzeitig fährt das Ehepaar mit dem Auto zum Bahnhof. In der Bahnhofstraße, vor dem Bahnhof und im Mühlendamm – kein Parkplatz mehr frei. „Wir versuchten es in den angrenzenden Straßen. Vergeblich. In diesen stehen entweder Verbotsschilder oder das Parken ist nur zeitlich begrenzt möglich oder es sind nur Anwohnerparkplätze vorhanden“, schildert Albertsen seine Notlage. Er fährt die Runde vor dem Bahnhof noch einmal ab. Vergeblich. Da die Abfahrtzeit des Zuges naht, „entschlossen wir uns dazu, dass nur ich mit dem Zug nach Hamburg und meine Frau mit dem Auto nach Hause fuhr. Es ist schon das zweite Mal, dass wir in Bahnhofsnähe keinen Parkplatz fanden“. Er steht mit seiner Ohnmacht nicht allein da. Ein Pendler, der werktäglich von Flensburg nach Kiel fahren muss, berichtet, dass er inzwischen die Nase voll hat. Fuhr er anfänglich noch mit dem Zug in die Landeshauptstadt, so hat er nun für sich entschieden, die Strecke mit dem Auto zurückzulegen.

„Flensburg rühmt sich gern als klimafreundliche Stadt. Anhand der Parkplatzsituation vor dem Bahnhof vermag ich das nicht zu erkennen“, sagt Uwe Albertsen an die Adresse der Stadt. Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf räumt ein: „Das Problem ist bekannt, wir arbeiten daran.“ Er verweist darauf, dass (wie berichtet) das gesamte Umfeld neu entwickelt werden solle, in diesem Zusammenhang sei auch daran gedacht, das Parkproblem zu entschärfen. „Das Hinterland wird neu sortiert, wir werden neue Räume erschließen“, verspricht Teschendorf. „Bis dahin bleibt nichts anderes übrig, als mit dem vorhandenen Platz klarzukommen.“



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erstellt am 18.Mai.2014 | 08:40 Uhr

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