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Glücksburg : Kein Nachfolger: Reiterhof gibt auf

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Kinder von Martin und Helga Clausen haben andere Berufspläne.

Glücksburg | Ein junges Paar ist dabei, Boxentüren aus dem leeren Pferdestall abzumontieren. Ja, die hätten sie gekauft. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, verlässt derzeit für wenig Geld den Reiterhof Clausen. Am 30. Juni war Schluss, vergangenes Wochenende fand ein Flohmarkt statt. Anfang August kommt der Abrissbagger.

Sie habe nur ein paar Fliegenfransen für das Halfter ihres Pferdes gekauft, sagt Anna Kleie aus der weiteren Nachbarschaft. Andere hätten aber Mobiliar aus der früheren Gastwirtschaft oder sogar Traktoren gekauft, glaubt sie. Viele seien auch einfach nur gekommen, um Abschied von einer Glücksburger Institution zu nehmen, ergänzt ihre Mutter. „Viele Kinder hatten doch hier Reitunterricht. Pferdebesitzer hatten ihre Pferde untergestellt.“ Diese Menschen hätten sich etwas zur Erinnerung ausgesucht, so wie sie selbst eine zerbeulte Milchkanne. „Es muss für die Familie schwer sein, das alles aufzugeben“, sagt sie. Eine weitere Nachbarin ergänzt: „Das ist schon traurig, aber was soll man machen, wenn man keinen Nachfolger hat.“

Tochter Johanna Clausen, Jahrgang 1996, kommt gerade die Treppe von der Wohnung herunter. „Wir sind richtig was los geworden“, bestätigt sie. Weitere Fragen werde ihr Vater beantworten, aber der ruft nicht zurück. Vor Kurzem hatte er seine Situation erklärt. Seine Tochter reite zwar, wolle aber den Hof nicht übernehmen. Sie lernt Krankenschwester an einem Flensburger Krankenhaus. Der zwei Jahre ältere Bruder macht eine Ausbildung zum Physiotherapeuten in Damp. „Er war nie für die Pferde“, sagt Martin Clausen. Er und seine Frau wollen neu bauen auf dem Gelände des Reiterhofes. Auch für die Kinder werde es in dem neuen Haus Zimmer geben, sagt Helga Clausen. Familie bedeutet den Clausens viel. Darum sei es ihnen so wichtig, gut vorzusorgen, etwas Vernünftiges mit dem Hof zu machen.

Auf dem Gebiet des Reiterhofes sollen 26 Grundstücke in Größen von 630 bis 1500 Quadratmeter entstehen. Die Stadt hat der Umwandlung in Bauland zugestimmt. Die äußerlich angrenzende landwirtschaftliche Nutzfläche wird Landschaftsschutzgebiet. „Die ist für die Ökobilanz“, erklärt John Witt. Der frühere Bürgermeister Glücksburgs, der jetzt eine Immobilienfirma betreibt, hilft Clausens bei der Umwandlung und übernimmt die Vermarktung der Grundstücke. Von insgesamt 8,5 Hektar werden 2,1 Hektar Bauland. Der Quadratmeterpreis wird bei 165 bis 192 Euro liegen.

„Es ist eine Win-Win-Situation“, meint Witt. „Martin Clausen muss – auch gesundheitsbedingt – aufhören und hat keinen Nachfolger.“ Gleichzeitig sei die Nachfrage nach den Grundstücken groß. „Wir haben massig Anfragen“, so Witt. „Einzelne Grundstücke sind bereits reserviert. Der Verkauf beginnt im kommenden Monat.“

Schade sei es für die Kinder, die bei ihnen bis zuletzt Reitunterricht hatten, meint Martin Clausen. „70 bis 80 Prozent werden aufhören“, so schätzt der Sechzigjährige. Den Einstellern von rund 30 Pferden hatte er bereits 2016 Bescheid gegeben. Für die Tiere wurden andere Ställe gefunden. So wie auch für zwei eigene Pferde. Sie kommen auf einem benachbartem Hof unter.


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