Franziskus-Hospital Flensburg : Kein Methadon bei Chemotherapie

Chefärztin Nadezda Basara hält die Folgen der Einnahme von Methadon bei einer Chemotherapie für unkalkulierbar.
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Chefärztin Nadezda Basara hält die Folgen der Einnahme von Methadon bei einer Chemotherapie für unkalkulierbar.

Chefärztin Prof. Dr. Nadezda Basara: Abwägung von Nutzen und Risiken ist noch unklar

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17. Januar 2018, 06:20 Uhr

Für diesen Wunsch der Krebspatienten haben die Mediziner volles Verständnis, aber als Antwort kommt ein klares „Nein“. Auch wenn die Betroffenen darum bitten – an den Flensburger Krankenhäusern wird kein Methadon verabreicht, um die Wirkung einer Chemotherapie zu verstärken. „Das Risiko ist unkalkulierbar“, begründet Prof. Dr. Nadezda Basara, Chefärztin der Medizinischen Klinik, St. Franziskus-Hospital.

Die ersten Meldungen, dass Methadon die Wirkung der bei einer Chemotherapie eingesetzten Medikamente verstärken kann und so die Chancen auf Heilung verbessern soll, kamen im Frühjahr des vergangenen Jahres aus Amerika. Seit die Nachricht auch in deutschen Medien aufgegriffen wurden, erreichen die Mediziner immer wieder Anfragen von Krebspatienten, mit Methadon behandelt zu werden. „Wir werden nicht zustimmen – das ist kein gangbarer Weg“, betont Nadezda Basara.

Dabei hat Methadon in anderen Bereichen durchaus positive Wirkungen. So wird es Heroinabhängigen verabreicht, um den Konsum des Rauschgifts zu verringern. Und Methadon ist ein anerkanntes Medikament, das Schmerzen bei unheilbar erkrankten Krebspatienten lindert. Allerdings sei bei Einnahme von Methadon als Schmerzmittel ein höheres Sterberisiko bei den Patienten bemerkt worden als etwa mit Morphin.

Zur Zeit lägen nur Studien mit widersprüchlichen Ergebnissen über die Wirkung des angeblichen Heilmittels vor. So zeigte sich in Laborversuchen, dass eine bestimmte Sorte Methadon die Empfindlichkeit von Tumorzellen in einer Chemotherapie steigerte. Daraufhin wurde Methadon an 27 Patienten mit bösartigen Hirntumoren eingesetzt. Nur neun von ihnen erlitten einen Rückfall. Allerdings sei unklar, ob dies auf die Methadon-Behandlung oder auf günstige Risikofaktoren zurückzuführen sei, heißt es in einer Information der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie. In anderen Studiengruppen habe es keine Hinweise auf positive Effekte des Methadon gegeben. „Die Abwägung von Nutzen und Risiken, so Nadezda Basara, „ist noch sehr unklar.“

Unter Medizinern hätten sich Erkenntnisse verbreitet, dass Methadongaben negative Folgen haben können. Und so seien sie zu dem Schluss gekommen, ihre Patienten diesem Risiko nicht auszusetzen.

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