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Erstaufnahmeeinrichtung : Kein Flüchtlingsdorf auf dem Campus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

OB Simon Faber atmet auf: Der Standort unmittelbar an der Osttangente wird doch kein Flüchtlingsdorf mit bis zu 1000 Plätzen als Landeserstaufnahme.

Flensburg/Eggebek | Überraschung auf dem Flensburger Campus: Der Standort unmittelbar an der Osttangente wird doch kein Flüchtlingsdorf mit bis zu 1000 Plätzen als Landeserstaufnahme (EAE).

Jan Vollmeyer, Stabschef im Innenministerium für die derzeit zehn EAE des Landes, berichtete am Dienstagabend in der Europa-Uni, die Ursprungsplanung des Campuskonzepts mit einem hochwertigen Neubau für 600 Geflohene, der später als Studentenwohnheim mit rund 250 Plätzen hätte dienen können, sei von der Zeit überholt worden. Derzeit gebe es fast 13  000 Menschen in den zehn EAE-Standorten – das Innenministerium erwarte bis zum Jahresende eine Verdoppelung auf rund 25  000. „Damit ist das Hochschulkonzept der dauerhaften Erstaufnahme vom Tisch“, sagte Vollmeyer.

Die Alternative wäre angesichts der neuen Zahlen eine Verdoppelung oder Verdreifachung gewesen: „Damit hatten wir Bauchschmerzen. Das passt nicht zur studentischen Nachnutzung und nicht zum Charakter des Campus“, so der Stabschef. Außerdem habe die Ankündigung, dass Bundesliegenschaften instandgesetzt, zehn Jahre mietfrei und kostenlos zu Verfügung gestellt werden, zu einer Orientierung hin zu leeren Kasernen geführt. Und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge schicke mittlerweile kein Mitarbeiter mehr in eine EAE unter 2000 Personen. Auf der Suche nach einem Standort dieser Größenordnung wurden die Planer an der Förde nicht fündig. „Deshalb macht es keinen Sinn mehr, in Flensburg oder Heide eine Erstaufnahme zu erreichten“, sagte Vollmeyer.

Oberbürgermeister Simon Faber, den Innenminister Stefan Studt bereits am Vorabend informiert hatte, zeigte sich gestern erleichtert über das Ergebnis: „Eine deutlich größere Erstaufnahme auf dem Campus stelle ich mir problematisch vor.“ Der Campus sei ein entscheidender Entwicklungsmotor für die Stadt – und lebe auch von der studentischen Atmosphäre. Eine Erstaufnahme von bis zu 2000 Plätzen mit angeschlossenem Campus sei nicht mehr hilfreich.

Um die Erstaufnahme des Landes auf 25  000 Plätze aufstocken zu können, sollen möglichst bald drei neue Standorte eröffnet werden – Lütjenburg, Glückstadt und eben Eggebek im Kreis Schleswig-Flensburg. Dieser Standort war ursprünglich als Provisorium für eine spätere Campuslösung geplant. Doch im Gegensatz zum gestoppten Konzept der Hochschulunterbringung wird an der Eggebeker Unterkunft mit Hochdruck gearbeitet.

Gestern Abend wollte Innenminister Studt in Thomsens Gasthof in Eggebek den aktuellen Planungsstand vorstellen – angesichts der jüngsten Äußerungen aus seinem Ministerstab gilt eine Planung für mehr als 1000 Flüchtlinge in der 2300-Einwohner-Gemeinde als wahrscheinlich.


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erstellt am 12.Nov.2015 | 08:00 Uhr

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