Ausgebremst : Kein Döner für Großenwiehe?

10  000 Euro haben Mario Hansen (r.) und David Golmohammadi bereits investiert, jetzt sollen sie auch noch ein Gutachten bezahlen.
10 000 Euro haben Mario Hansen (r.) und David Golmohammadi bereits investiert, jetzt sollen sie auch noch ein Gutachten bezahlen.

Zwei Unternehmer wollen einen Imbisswagen aufstellen – doch die Behörden befürchten Lärm- und Geruchsbelästigung und fordern ein Gutachten.

shz.de von
14. August 2018, 12:15 Uhr

Großenwiehe | Das griechische Restaurant in Großenwiehe ist im vergangenen Jahr abgebrannt und öffnet nicht wieder, der Dorfkrug hat nur noch zu eingeschränkten Zeiten geöffnet. Nicht von ungefähr wurde auf den jüngsten Veranstaltungen zum Dorfentwicklungsplan von vielen Menschen ein besseres gastronomisches Angebot gefordert. Immerhin hat die Gemeinde eine Versorgungsfunktion für mehr als 5000 Menschen.

Dieser Situation möchte nun Mario Hansen entgegenwirken. Er hat vor zwei Jahren die Tankstelle mit Autowerkstatt im Ort übernommen, den Shop ausgebaut und in die Außenanlagen investiert, einen Gebrauchtwagenhandel und einen Motorradhandel mit Werkstattservice aufgebaut. Nun soll auf dem Gewerbegelände an der Durchgangsstraße ein Döner-Wagen hinzukommen. „Ich denke, wir haben hier den idealen Platz im Dorfzentrum. Es gibt ja sonst kaum gastronomische Angebote“, sagt er.

Mit dem Ehepaar Golmohammadi hat er Partner gefunden. Das deutsche Ehepaar mit persischen Wurzeln möchte sich eine eigene Existenz aufbauen. Er arbeitet seit 20 Jahren als Koch in Flensburg und hat sich einen Döner-Wagen für den Standplatz in Großenwiehe angeschafft. Zusätzlich wurden ein neuer Grill und eine Geruchsfilteranlage angeschafft. Mit den Leistungen eines Planers für behördliche Genehmigungen und Verwaltungsgebühren belaufen sich die bisherigen Investitionen des Ehepaars auf 6500 Euro. Mario Hansen seinerseits hat für die Befestigung des Platzes und die Installation von Frisch- und Schmutzwasserleitungen 3000 Euro ausgegeben. Auch Kundentoiletten wurden nachgewiesen. Einer behördlichen Genehmigung der Baumaßnahme „Errichtung eines Verkaufswagens (Imbisswagen)“ sah man entsprechend gelassen entgegen.

Doch das Amt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) teilte mit, dass der Schutz der nächsten Wohnbebauung durch erhebliche Belästigungen durch Schall- und Geruchsimmissionen nicht sichergestellt ist. Besonders zu berücksichtigen sei, dass östlich ein reines Wohngebiet mit sehr hohem Schutzanspruch liege. Aus diesem Wohngebiet, das 60 Meter entfernt vom geplanten Imbisswagen liegt, seien Bedenken geäußert worden. Nun müsse durch ein Gutachten nachgewiesen werden, dass durch das Vorhaben die Richtwerte zum Schutz gegen Lärm und Geruch nicht überschritten werden. Wenn dieses nicht innerhalb von zwei Monaten beigebracht werde, betrachte die Bauaufsicht des Kreises den Antrag als zurückgenommen.

Für David Golmohammadi bricht eine Welt zusammen. Ihm liegt ein Angebot über die Erstellung eines solchen Gutachtens über 4600 Euro vor. Für ihn ein zu dicker Brocken. „Das Risiko ist mir zu groß. Das ist wie „schwarz oder rot“ beim Roulette.“ Zudem empfindet er den abschließenden Hinweis des LLUR nicht als ermutigend: „Bitte bedenken Sie, dass die Gutachten einige Kosten verursachen, die vielleicht sinnvoller in einem anderen Standort oder Technik für den Imbiss investiert sind.“

Mario Hansen erläutert, dass man auch bereit sei, die gefilterte Abluft über ein fünf Meter hohes Rohr über die angrenzende Dachhöhe abzuleiten. „Aber zu solchen Erläuterungen ist es leider gar nicht erst gekommen“, bemängelt er.

Eine Diskussion auf der Facebook-Seite „Großenwiehe&Umgebung“ brachte nach wenigen Stunden mehr als 50 Rückmeldungen, die das Bauvorhaben einhellig begrüßen. Auch Bürgermeister Burkhard Luckow äußert sich: „Es wäre schön, wenn der Dorfkern weiter belebt wird, sei es auch „nur“ durch einen Döner-Wagen.“ Die Nachfrage wäre da. Sogar ein Spendenaufruf für die Erstellung eines Gutachtens wurde über Facebook angeregt. Nun bleibt es erst einmal offen, ob das gastronomische Angebot in Großenwiehe in absehbarer Zeit vielfältiger wird.

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