zur Navigation springen

Dänisches Jahrestreffen Flensburg : „Kein bevölkertes Freilichtmuseum“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dänisches Jahrestreffen in Zeiten der Veränderung: Neben Regierungschef Torsten Albig gab auch der Generalkonsul seine Abschiedsvorstellung.

shz.de von
erstellt am 12.Jun.2017 | 10:24 Uhr

Zahlreiche langjährige Teilnehmer waren sich einig mit Jens A. Christiansen, Geschäftsführer des Sydslesvigsk Forening und Veranstalter: Das Jahrestreffen der dänischen Minderheit gestern auf dem Sportplatz an der Waldstraße war mit rund 7000 Teilnehmern ein ausgesprochen rege besuchtes. Was neben besonders gutem Wetter und dem Auftritt des scheidenden Ministerpräsidenten Torsten Albig (siehe Bericht Seite 7) möglicherweise noch einen weiteren Grund hatte: Henrik Becker-Christensen, dänischer Generalkonsul in Flensburg, stand nach 18-jähriger Amtszeit zum letzten Mal vorne auf dem Podium. Mit demonstrativ lang anhaltendem Beifall zollte das Publikum dem Interessenvertreter Dänemarks südlich der Grenze Respekt für sein Wirken.

Der studierte Historiker nutzte seinen Part, um das Verhältnis zwischen Minder- und Mehrheit seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nachzuzeichnen – vom scharfen Gegensatz bis zum Ausgleich heutiger Tage. „Heute sprechen wir vom deutsch-dänischen Minderheitenmodell“, hob Becker-Christensen hervor. Um zu betonen, dass es sich zwar „nicht um ein Exportmodell“ handele – wohl aber um ein „moralisches Beispiel, dass man bei nationalen Konflikten mit gutem Willen tragfähige Lösungen erreichen kann.“

Becker-Christensen unterstrich die ungebrochene Bereitschaft des dänischen Mutterlands, die Minderheit zu unterstützen. Als Wegmarke würdigte er, dass seit 2010 die jährlichen Millionen-Zuschüsse des Folketing gar per Gesetz festgelegt werden. „Nach einer langen Verlobungszeit zwischen der Minderheit und Dänemark ist das Verhältnis jetzt sozusagen auch ganz offiziell in Papierform gebracht“, bilanzierte der Generalkonsul. Der ebenfalls die „sehr aktive Rolle wechselnder dänischer Regierungen zwischen 2010 und 2012“ beim Ringen um die gleichberechtigte Bezuschussung der dänischen Minderheitenschulen betonte.

Obwohl offenbar alles in allem zufrieden mit den Verhältnissen, verhehlte Becker-Christensen nicht, „dass der einzelne, der Mitglied der dänischen Minderheit ist, hier und da mitunter auf Unverständnis stößt und eigene Standpunkte erklären oder verteidigen muss.“

Ministerpräsident Torsten Albig bescheinigte der Minderheit, sie sei „kein bevölkertes Freilichtmuseum, sonder ein lebendiger Teil der Gesellschaft, der sich ständig weiter entwickelt“. Er rühmte die Verdienste der scheidenden Minderheiten-Beauftragten des Landes, Renate Schnack. Mit einer über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus orientierten Minderheitenpolitik habe sie dazu beigetragen, „dass auch die internationale Gemeinschaft auf uns schaut“. Als ein Beispiel nannte Albig den Europarat, der sich für andere Regionen Inspiration im deutsch-dänischen Grenzland holt.

Oberbürgermeisterin Simone Lange stellte in ihrer durchgängig auf dänisch gehaltenen Rede passable Fremdsprachenkenntnisse unter Beweis. Sie sei stolz, dass es in drei Jahren, 2010, das 100-jährige Jubiläum der Grenzziehung und der heutigen Minderheiten beiderseits der Grenze zu feiern gelte. „Nur mit dem Kopf schütteln“ könne sie, wenn aus der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei Forderungen laut würden, an der Grenze zum angeblichen Schutz vor Flüchtlingsströmen einen Zaun zu errichten.

Anders als bei dänischen Jahrestreffen früherer Jahre gab es bei der zentralen Kundgebung in Flensburg keine Rede eines dänischen Regierungsmitglieds oder Parlamentariers. SSF-Generalsekretär Christiansen erklärte dies damit, dass Generalkonsul Becker-Christensen als offizieller Vertreter Dänemarks auf so kurz vor seinem Ausscheiden Ende August umso stärker im Vordergrund stehen solle. Dänemarks Kulturministerin Mette Bock war jedoch gestern beim Festakt des dänischen Jahrestreffens an der Westküste zu Gast. Christiansen erklärte die Bedeutung der stets am ersten Juniwochenende stattfindenden Jahrestreffen damit, „dass wir damit den Fokus auf unsere Identität richten können. Auch ist es uns wichtig, uns gegenüber der Mehrheit und unseren deutschen Freunden zu zeigen. Im Sinne von ,Wir sind hier’, aber auch im Sinne von ,Wir stehen zur Mitbürgerschaft in Schleswig-Holstein’“.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen