Vier-Sterne-Hotel : Kaysers Hof - die Uhr tickt . . .

Kein schöner Anblick: Der Kayser's Hof an der Schiffbrücke.
Kein schöner Anblick: Der Kayser's Hof an der Schiffbrücke.

shz.de von
24. Juni 2010, 06:32 Uhr

Flensburg | Faustgroße Löcher klaffen im Mauerwerk der einst sonnengelben, längst vom Grauschleier überzogenen Fassade. Eingeschlagene Fensterscheiben, Türen, die windschief in den Angeln verlassener Gebäude hängen. Der Kaysers Hof an der Schiffbrücke bietet ein trauriges Bild - und sollte doch in diesem Sommer ein Vier-Sterne-Hotel mit 160 Betten beherbergen.

Am 26. Juni ist es exakt zwei Jahre her, dass die Stadt grünes Licht für die ambitionierten Pläne von Grundstückseigner Kay Uwe Jensen gegeben hat. Passiert ist bis heute - nichts. "Die Pläne liegen auf Eis", sagt Eiko Wenzel, Leiter der städtischen Bauordnung. "Sämtliche Investoren sind abgesprungen, neue Interessenten zurzeit nicht in Sicht." Und sollten sich welche finden, wird Kay Uwe Jensen nicht mehr allein mit ihnen am Verhandlungstisch sitzen: Die Federführung im weiteren Vorgehen liegt jetzt bei der Nospa. "Sie ist der wirtschaftliche Eigentümer der Immobilie, Herr Jensen der offizielle - in Abhängigkeit von seinem Bankhaus", so Wenzel.

Als Grund dafür, dass die Verhandlungen mit mehreren potenziellen Investoren über "sehr Erfolg versprechende Projekte" gescheitert seien, nennt Wenzel - neben der "nachlassenden Risikobereitschaft im Zuge der Finanzkrise" - die Preisvorstellungen von Kay Uwe Jensen. Die müssten jetzt "neu überdacht " werden. Und zwar schnell, denn: "Die Uhr tickt, der Verkauf wird mit dem fortschreitenden Verfall nicht leichter."

Das Dach eines brandgeschädigten Gebäudes auf dem Areal zwischen der Kneipe "Onkel Jule" und Herrenstall sei nur notdürftig gesichert, habe eine Ortsbegehung vergangene Woche ergeben, die Gebäude seien durch Wasser geschädigt. Herabfallende Putzteile könnten eine Sperrung des Gehsteigs erforderlich machen. "Da muss dringend was geschehen", sagt Wenzel. Zur Not, indem die Stadt den Eigentümer zu Sanierungsmaßnahmen zwangsverpflichtet. "Der Zustand des Gebäudes in einer so exponierten Lage ist eine Schande für Flensburg."

Dass die Stadt - um touristisch mithalten zu können - dringend ein "qualitativ höheres und erweitertes Angebot" brauche und wolle, stehe außer Frage, betont Wenzel; bei der Verwaltung sei man "vorsichtig optimistisch". Zum einen aufgrund der Marktlücke für Hotelbetreiber in Flensburg - zum anderen durch den neuen Verhandlungspartner: "Die Nospa will die Beteiligten in die Lage setzen, zu korrigierten Preisvorstellungen zu kommen. Zurzeit haben wir auch gar keine greifbare Alternative zu einer Hotelnutzung für das Gelände."

Nach unten korrigiert worden seien inzwischen auch die räumlichen Dimensionen. Die letzten Interessenten hätten ein Haus mit 120 Zimmern realisieren wollen, "auch mit weniger Sternen", in Kombination etwa mit Gastronomiebetrieben und Einkaufsmöglichkeiten.

Kay Uwe Jensen selbst sieht aktuell wieder einen "Silberstreif am Horizont": "Ich stehe in ernsthaften Verhandlungen mit zwei Interessenten, einem Voll- und einem Teilinvestor." Ergebnisse der Gespräche will er Mitte kommender Woche präsentieren.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen