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150 Jahre Flensburger Tageblatt : Kattsund steht der neuen Zeit im Weg

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Als die Gasse entsteht, reicht der Hafen noch bis zur Angelburger Straße. Der Abbruch erfolgt 1898, als der Verkehr mehr Platz braucht.

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erstellt am 12.Apr.2015 | 10:00 Uhr

Flensburg | Kattsund – vergessener Name, vergessene Häuser. Mit dem Abbruch der Häuser 1898, war der Kattsund am Südermarkt Geschichte. An seinem Verschwinden leidet die Stadt noch heute.

Anna Landt, frühere Lehrerin an der Auguste-Viktoria-Schule, deren Familie im Kattsund wohnte, hat Fakten und Erinnerungen gesammelt und in einer kleinen Broschüre 1967 veröffentlicht – ein stadtgeschichtlicher Schatz.

„Kattsund“ – was für ein Wort. Früher wurde es noch mit einem t geschrieben. Man nimmt an, dass das Wort „Kat“ ein kleines Boot bezeichnet. Ein „Kattsund“ wäre ein kleine Hafen-Ausbuchtung, die durch solche Boote befahrbar ist. In mehreren Städten nördlich der Elbe findet sich diese Bezeichnung: Kopenhagen, Eckernförde, Lübeck, Heiligenhafen.

Ein kleines und damit flaches Boot, war notwendig, um den Flensburger Kattsund zu erreichen. Denn bis Holm und Südermarkt sowie der Angelburger Straße reichte einst der verlandete Hafen. So wurde auf dem Grundstück Angelburger Straße 19 ein Stück Hafenufer-Befestigung gefunden. Ebenso auf den Grundstücken Angelburger Straße 7 und Südermarkt 1 im Keller, dort sogar ein Boot mit eisernen Ketten. Reste einer Befestigung wurden auch beim Bau der Südermarkt-Galerie freigelegt. Reichlich Wasser floss aus dem Westhang und riss Sand, Schlamm und Abfälle in den Hafen mit hinein, der immer weiter verlandete. Die großen Segelschiffe, die an der Schiffbrücke festmachten, konnten in diesem südlichen Hafenteil nicht fahren. Hineingeworfener Müll und Aufschüttungen der Grundstücke verkleinerten die Wasserfläche.

Von der wirtschaftlichen Entwicklung her war der Kattsund erste Lage. Über Holm und Rote Straße führte der Abzweiger des Ochsenweges als Hauptstraßenzug (Norderstraße/Große Straße/Holm) durch die Stadt und kreuzte sich mit Angelburger und Friesischer Straße, dem alten Ost-West-Handelsweg. An diesem Kreuzungspunkt der Handelswege entstanden der Südermarkt mit Nikolaikirche. Die ersten Häuser des Kattsund wurden um den Ostchor der Kirche gebaut. Zwei mit repräsentativem Aussehen standen zum Markt hin, sechs weitere auf der Westseite der Straße. Die Bewohner hatten Wasserblick, auf den flachen Hafen. Mit ein paar Schritten konnten sie ihre am Ufer festgemachten Boote erreichen. Hinterhöfe hatten diese Häuser nicht, weil kein Platz mehr zur Kirche hin war. Allerdings verlief an der Rückseite der Häuserzeile der Kirchengang, eine winzige Gasse.

Die Innenstadtlage war so gut, dass die Grundstücke auf der Ostseite – heute gehören sie zum Holm – ebenfalls zügig bebaut wurden. Anna Landt erinnerte sich, dass „die herrschaftlichen Häuser der Kaufleute, Brenner und Brauer auf der Ostseite standen“ (zum Hafen hin), während auf der Westseite des Holms (zur Kirche hin) „vor allem Handwerker wohnten“.

Bei aller Beschaulichkeit, die die alten Fotos scheinbar vermitteln, dürfte es – die heutigen Ansprüche an Platz, Licht, Luft und sanitäre Anlagen vorausgesetzt – kein Vergnügen sein, in einem solchen alten Kattsund-Haus zu wohnen, zumal es damals schon an einer der lautesten Hauptstraßen Flensburgs stand.

Die Stadt begann Ende des 19. Jahrhunderts, die Grundstücke des westlichen Kattsund aufzukaufen. Drei Akten sind im Stadtarchiv über die Verkaufsverhandlungen erhalten. Mit dem Aufkauf und nach dem Abriss war dort ausreichend Platz, um die Straßenbahn zweigleisig anzulegen. Und auch die nun freistehende Nikolaikirche hatte ein schöneres Erscheinungsbild.

Allerdings wurde der Abriss immer als ein Manko empfunden, das repariert werden sollte. So gab es im frühen 20. Jahrhundert den Versuch, mit Kulissen die Wirkung einer neuen Kattsund-Bebauung zu testen. Der Wind zertrümmerte diese Kulissen-Häuser. Der nächste Versuch in den 1990er-Jahren brachte außer ein paar Plänen und langen Diskussionen kein Ergebnis. Und ob der jüngste Vorstoß weiterführt, muss sich erst zeigen. Nie ist die Stadt über den Abriss des Kattsund hinweggekommen.

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