Wohnungsbau : Katharinenhof auf der Zielgeraden

Freifläche für altengerechtes Wohnen: Hier an der Paul-Ziegler-Straße plant der Investor 48 Wohneinheiten; hinten umgebaute Kasernenblocks.
Freifläche für altengerechtes Wohnen: Hier an der Paul-Ziegler-Straße plant der Investor 48 Wohneinheiten; hinten umgebaute Kasernenblocks.

Baugebiet mit langer Geschichte des Ärgers: Nur eine Ja-Stimme für jüngstes Bauprojekt / Fertigstellung hängt jetzt schon zwölf Jahre hinter ursprünglichem Zeitplan zurück

shz.de von
26. November 2013, 07:30 Uhr

Es war eine denkwürdige Abstimmung im Umwelt- und Planungsausschuss: Eine Ja-Stimme reichte, um die Vorlage SUPA-61 aus 2013 durchzuwinken; elf Mitglieder des Ausschusses enthielten sich der Stimme. Ablehnen wollten und konnten sie die Vorlage nicht; der Bau von zwei Häusern für altengerechtes Wohnen an der Paul-Ziegler-Straße entspricht dem Bebauungsplan und konnte deshalb nicht verhindert werden.

Die minimale Zustimmung des Ausschusses war wohl eher als Zeichen in Richtung des ungeliebten Investors Siegfried Sindram gemeint. Der hat den Ausschuss seit nunmehr 17 Jahren schon häufiger beschäftigt – meistens waren es unerfreuliche Themen, die es zu diskutieren galt. Dabei hatte alles so euphorisch begonnen – damals, 1997, als der Schleswiger Bauunternehmer nach Flensburg gekommen war, um aus der still gelegten Grenzland-Kaserne das moderne Wohngebiet „Am Katharinenhof“ zu machen. Basis war damals der Vorhaben- und Erschließungsplan Nr. 1. Im Jahr 2001 sollte alles fertig sein.

Zwölf Jahre später wird immer noch gebaut. Jetzt kann Sindram endlich die beiden Häuser mit je 24 Seniorenwohnungen bauen; die Pläne dafür hat er schon seit 2009 vorliegen. An der Paul-Ziegler-Straße gebe es noch ein Baufeld für einen weiteren Neubau mit zwei bis drei Vollgeschossen, teilte die Stadtplanung mit. Außerdem sei in der Nordwestecke des Gesamtgebietes noch Platz für rund 20 Wohneinheiten.


Rund 1000 Menschen leben hier


Ohne genaue Zahlen zu haben, geht die Stadt davon aus, dass am Katharinenhof rund 1000 Menschen in ca. 420 fertig gestellten Wohneinheiten leben – Einfamilienhäuser, Doppelhäuser, Reihenhäuser, Wohnungen in ehemaligen Kasernenblocks.

Im Vergleich zu früheren Jahren ist es rund um das Wohngebiet im Norden der Stadt deutlich ruhiger geworden. Zuletzt gab es Zoff vor über einem Jahr, als sich die Stadt mit Investor Sindram um das Fällen einiger hoch gewachsener Bäume im Bereich Frösleeweg stritt und ein Bußgeld in Rekordhöhe verhängte.

Doch gemessen an früheren Auseinandersetzungen war das eher Kleinkram. Vor allem die ersten Bewohner hatten viel auszuhalten. Es dauerte lange, bis der versprochene Lärmschutz da war, bis eine Hochspannungsleitung in die Erde verlegt war, bis Straßen fertig gebaut waren. Lange Zeit gab es Probleme mit der Erschließung und der Versorgung. Die Häuser waren nicht direkt an die Netze der Stadtwerke angeschlossen, Strom und Wasser kamen von Sindram. So klagten zum Beispiel Bewohner über zu geringen Wasserdruck. Die Stadtwerke konnten dem Wunsch der Bewohner nach Übernahme des Versorgungsnetzes nicht nachkommen, weil es nicht den technischen Anforderungen der Stadtwerke entsprach.

Als die Zustände im Baugebiet und der Ärger ein gewisses Maß erreicht hatten, zog die Stadt die Notbremse und startete ein Verfahren zur Aufhebung des Vorhaben- und Erschließungsplanes; Sindram sollte das Baurecht entzogen werden. Doch er widersetzte sich mit aller Macht. Kompromiss war schließlich der Einstieg der Bauland eG als Investor; der Schleswiger Unternehmer blieb aber mit im Boot.

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