Flensburg : Kartonmodellbau: Die verhinderten Archivare

Alles aus Pappe, bis ins kleinste Detail: Karl Nielsen mit einem von ihm gefertigten Modellschiff.
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Alles aus Pappe, bis ins kleinste Detail: Karl Nielsen mit einem von ihm gefertigten Modellschiff.

Gruppe von Akteuren möchte bundesweite Sammlung nach Flensburg holen, beißt aber auf Granit

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28. Januar 2018, 10:59 Uhr

Kartonmodellbauer brauchen eine ruhige Hand, viel Liebe zum Detail und ein Schneidemesser mit guter Spitze. Kein Bauteil ist ihnen zu fein, um es nicht auszuschneiden, zu biegen, zu drehen und zu verkleben. Flensburg hat eine ungemein aktive Gruppe von Kartonmodellbauern, die sich regelmäßig im Schifffahrtsmuseum treffen und einmal im Jahr viele Besucher dorthin locken, wenn sie nicht nur ihre Modelle, sondern auch ihr Handwerk live präsentieren.

2016 begann eine kleine Gruppe um Karl Nielsen mit dem Bohren richtig dicker Bretter. Flensburg sollte Standort eines bundesweiten Kartonmodellbau-Archivs werden. Alle Verlage sollten jeweils ein Exemplar von jedem Modellbaubogen an das Archiv schicken. Damit, so Nielsen, sollen die Entwicklung dieser Form des Modellbaus dokumentiert und die Produkte gleichzeitig der Nachwelt erhalten werden.

In Thomas Overdick, dem Leiter des Schifffahrtsmuseums bis 2016, hatten sie einen starken Förderer. Er begrüßte die Initiative und bemühte sich um einen Raum für das Archiv. Doch dann wechselte Overdick kurzfristig nach Hamburg und konnte das Thema nicht beenden. Auch seine Nachfolgerin Susanne Grigull hält große Stücke auf die Riege überwiegend älterer Herren, die nicht zuletzt in der Ferienzeit mit ihren Angeboten Kinder ins Museum locken. Doch beide konnten den Aktiven um Karl Nielsen bei dem Archiv-Gedanken nicht helfen. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe.

Zum einen hat das Schifffahrtsmuseum keinen geeigneten Raum. Papier benötigt einen trockenen, temperierten Raum, der in diesem Fall auch nicht zu klein sein darf. 20 bis 25 Quadratmeter sind angesagt, denn das Archiv hat derzeit die Größe von rund zehn Regalmetern. Die bereits bestehende Sammlung stammt von Dieter Stölting, langjähriger Museumspädagoge im Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven und exzellenter Kenner der Materie. Bremerhaven war deshalb lange das Mekka des Kartonmodellbaus, Flensburg könnte es werden.

Doch es sieht nicht gut aus. Denn im Zuge der nachgeholten Zertifizierung des Schifffahrtsmuseums ist auch das Sammlungsziel neu definiert worden. Und da, so Susanne Grigull, wird immer ein ganz klarer regionaler Bezug gefordert. Den könnte man durch all die Schiffe definieren, die zur Sammlung gehören. Indes, so hat Susanne Grigull erfahren, gehören auch zahlreiche Modellbaubögen zur Sammlung, die nichts mit Häfen und Schiffen zu tun haben.

Nielsen ist enttäuscht und hätte sich mehr Engagement seitens der Stadt Flensburg gewünscht. Stattdessen habe er sich beim Direktor des Museumsbergs eine ziemlich brüske Abfuhr geholt, beklagt er sich. „Das“, so Nielsen, „ist keine Bürgernähe.“

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