Karl Nielsen - das lebende Gedächtnis des Kirchenkreises geht in den Ruhestand

Pröpstin Johanna Lenz-Aude (l.) entpflichtete Pastor i.R. Karl Nielsen nach 18-jähriger Tätigkeit als Kirchenkreis-Archivar; seine Nachfolge  hat Anja Kübler angetreten.  Foto: U. KÖHLER
Pröpstin Johanna Lenz-Aude (l.) entpflichtete Pastor i.R. Karl Nielsen nach 18-jähriger Tätigkeit als Kirchenkreis-Archivar; seine Nachfolge hat Anja Kübler angetreten. Foto: U. KÖHLER

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23. Januar 2012, 03:59 Uhr

Schleswig-Flensburg | "Archive sind das kulturelle Gedächtnis unserer Kirche", waren sich alle einig, die ins Kappelner Regionalzentrum des Kirchenkreises Schleswig-Flensburg gekommen waren - allen voran Pröpstin Johanna Lenz-Aude aus Schleswig. Für sie und viele Weggefährten galt es, den langjährigen Archivar Karl Nielsen zu verabschieden - mit Worten des Dankes für sein Schaffen.

Der gebürtige Nordfriese war als Seelsorger 1974 nach Munkbrarup gekommen und hatte schon damals ein Faible für das, was war. Sein Bestreben war und ist, Vergangenes für die Gegenwart und Zukunft zu bewahren. Als der heute 77-Jährige 1994 gesundheitsbedingt in den Ruhestand ging, war das für den damaligen Kirchenkreis Angeln ein "Glücksfall", merkte Pröpstin Lenz-Aude an. Denn unverzüglich begab er sich damals in den Keller des heutigen Hauses der Familienbildungsstätte, direkt neben dem einstigen Rentamt - dem Regionalzentrum des Kirchenkreises - gelegen. Dort war Nielsen seither jeden Freitag anzutreffen, um das Kirchenkreis-Archiv auf- und auszubauen. Und was damals für Angeln galt, gilt nach der Fusion auch für den neuen Kirchenkreis Schleswig-Flensburg.

Mit Überzeugungskraft gelang es ihm, alle Kirchengemeinden dazu zu bewegen, ihm ihre Annalen anzuvertrauen. Die im Keller verwahrten Archivalien reichen bis weit in das 16. Jahrhundert zurück. Für Nielsen war es stets wichtig, dem ihm anvertrauten Kulturgut als Gedächtnis der Kirche mit Sorgfalt zu begegnen.

Nach nunmehr 18 Jahren entsteigt Pastor i.R. Karl Nielsen endgültig dem Keller. Dort habe er, so Johanna Lenz-Aude, ein Vorzeige-Archiv geschaffen. In seine Archivar-Zeit fiel nicht nur der Wandel des Kirchenkreises selbst, sondern auch das Kommen und Gehen von Pröpsten und jetzt die Entwicklung hin zur Nordkirche. Nielsens Schaffen habe zum Geschichtsbewusstsein beigetragen. Nun gehe er endgültig in den Ruhestand und könne das beruhigt tun, denn seine Arbeit werde fortgesetzt.

Bischof Gerhard Ulrich, mit dem Karl Nielsen viel zusammenarbeitete, war zwar nicht zum offiziellen Abschied gekommen, aber er ließ durch Johanna Lenz-Aude Grüße übermitteln und Nielsen dafür danken, dass er aufopferungsvoll das Archiv nicht nur aufbaute, sondern es auch stets vorbildlich pflegte. Damit, so der Bischof, habe sich der Archivar um die Nordelbische Kirche verdient gemacht. An der Schleswiger Pröpstin war es, Karl Nielsen zu entpflichten und ihm namens des Kirchenkreises Schleswig-Flensburg zu danken.

Zu denen, die dem Munkbraruper Pastor i.R. ihre Anerkennung aussprachen, gehörten auch Kirchenarchivdirektorin Dr. Anette Göhres und der ehemalige Propst Hans-Christian Gerber, der vom "Phänomen Nielsen" sprach. Nielsen sei stets "ordentlich" mit der Geschichte umgegangen, habe ein ausgezeichnetes Langzeitgedächtnis.

Karl Nielsen, der seit Oktober 2011 seine Archiv-Nachfolgerin, Anja Kübler (41) aus Winnemark, eingearbeitet hat, lobte sie als "präzise und saubere Arbeiterin". Die Neue im Archivkeller ist Mitarbeiterin der Familienbildungsstätte, wird künftig jeden Freitag fünf Stunden lang als Angestellte des Kirchenkreises tätig sein. Karl Nielsen habe sie für die Archivarbeit begeistert, sagt die neue "Wächterin des Archivschatzes", wie sie Kirchenkreisrevisor Sven Thomsen, zuständig für das Archivwesen, bezeichnete. Längst wisse sie, dass Archivalien keineswegs eine trockene Materie seien. Im Gegenteil: Etwas in vergangenen Jahrhunderten zu suchen und zu finden, bereite ihr oftmals Gänsehaut.

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