Kanzler in Pension - Zittern geht weiter

Nach 25 Jahren tritt der suspendierte Klaus Arnold formal ab - doch manch einer an der Fachhochschule dürfte weiter bangen

shz.de von
28. April 2011, 06:13 Uhr

Flensburg | An der Flensburger Fachhochschule geht in dieser Woche eine Ära zu Ende. Nach 25 Jahren muss Kanzler Klaus Arnold mit seinem heutigen 65. Geburtstag in den Ruhestand. Ursprünglich dürfte sich der Mann, der ein Vierteljahrhundert die FH-Verwaltung an der Kanzleistraße leitete, einen anderen Ausstand vorgestellt haben. Doch seitdem der Staatsanwalt sich mit Arnolds Amtsführung, Anschaffungen und Aufträgen beschäftigt, ist das Klima zwischen der Hochschule und ihrem seit Sommer 2010 suspendierten und ausgesperrten Kanzler stark abgekühlt. "Wir haben keinen Blumenstrauß vorbereitet", erklärte FH-Sprecher Torsten Haase.

Ob sein Wirken für die FH segensreich war oder nicht, ist schwer zu beurteilen. Zunächst muss Staatsanwalt Otto Gosch mögliche strafrechtliche Vergehen prüfen - es geht um Vorwürfe der Amtsuntreue und der persönlichen Bereicherung. Erst danach geht es um zivil- und disziplinarrechtliche Fragen, Schadensersatz oder Pensionskürzungen.

Ob überhaupt je einer dieser Vorwürfe Konsequenzen haben wird, ist aus heutiger Sicht alles andere als sicher. Arnold, der eigentlich einen Sechs-Jahres-Vertrag bis Frühjahr 2012 besitzt, wird mit dem 65. Geburtstag zum Monatsende am Freitag rasch in den gesetzlichen Ruhestand versetzt. Das darf man durchaus wörtlich verstehen - jedenfalls erhofft sich mancher aus dem früheren Hochschulmanagement und der Ministerialaufsicht, dass rasch Gras über die Vorgänge rund um seltsame Callcenter-Aufträge, Trecker, Unimog oder Kühlanlagen wächst, die immer auch ins Private reichen.

Tatsache ist: Nach allem, was rund um Arnolds mögliche Verfehlungen bekannt geworden ist, liegt der Verdacht nahe: Die FH Flensburg wurde über Jahre nicht geführt wie eine normale Hochschule. Dass der scheidende Kanzler der Aufklärung offenbar gelassen entgegen sieht, liegt daran, dass mit dem "System Arnold" womöglich etliche an der FH gut lebten.

Beispiel Nutzung von Werkstatt und Azubis für private Zwecke, so wie es Arnold für Schweiß- und andere Arbeiten an seinem privaten Bauernhaus in Ostenfeld beauftragte: "Es war gang und gäbe, dass dort von der FH beauftragt wurde. Es sind ja Rechnungen von der Werkstatt gestellt worden", sagt Arnolds Anwalt Dietrich Schenke, und ergänzt, was manch einer auf dem Campus als Drohung verstehen dürfte: "Herr Arnold könnte zahlreiche Professoren oder Mitarbeiter benennen, die das auch gemacht haben." Auch Arnold habe Rechnungen der Werkstatt erhalten und immer sofort bezahlt. "Die Arbeiten wurden also weder heimlich beauftragt, noch heimlich abgerechnet." Und für die Azubis sei so ein echter Außenauftrag auch eine Herausforderung gewesen.

Auch treffe nicht zu, dass Arnold immer eigenmächtig gehandelt habe: "Es hat Beschlüsse gegeben, an denen Professor Boy beteiligt war", so Schenke mit Blick auf den Vorgänger von Präsident Herbert Zickfeld, Rektor Peter Boy. "Wir legen großen Wert darauf, dass alles ausermittelt wird", sagt Schenke. Arnold habe zudem gebeten, dass seine Frau befragt werde.

Für die FH indes soll die Kanzler-freie Ära nur von kurzer Dauer sein. In den nächsten Wochen würden die elf vorliegenden Bewerbungen sondiert, sagt FH-Sprecher Haase. Am 1. Juni soll die Nachfolge feststehen.

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