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Landschaftsschutzgebiet : Kampf um grüne Lunge in Flensburg

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stadt Flensburg will für ein kleines Baugebiet eine große Fläche des Landschaftsschutzgebiets an der Eckernerstraße entlassen. Die Hauseigentümer wehren sich.

shz.de von
erstellt am 27.Sep.2013 | 07:46 Uhr

Ingrid und Christian Niemann erinnern sich wie heute: „Lassen Sie sich dort nichts hinbauen.“ Die Warnung eines wohlmeinenden behördlichen Mitarbeiters, als sie eines der fünf Reihenhäuser am Fuße (nahe Harrisleer Straße) der Eckenerstraße kauften, klingt den Flensburgern heute noch in den Ohren. Mit ihrer Immobilie nämlich erwarben sie 1985 zudem anteilig mit den Nachbarn einen kleinen Streifen des geschützten Hangs hinter dem Weg, der im Rücken ihrer Häuserreihe verläuft. „Das ist die grüne Lunge“, erklären die Niemanns. Sie leben am Rande des Landschaftsschutzgebietes (LSG) Schwarzenbachtal, das im Januar 1976 als solches ausgewiesen worden ist.

So hat es Anke Roß recherchiert, ebenfalls Anwohnerin. Gemeinsam mit ihren Nachbarn hat sie dem Entwurf der 9. Änderungsverordnung zur Stadtverordnung über dieses Gebiet widersprochen. Die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Flensburg plant die „Entlassung einer Teilfläche von 9,1 Hektar“. Das heißt, von derzeit 25,9 Hektar sollen Flächen wie Spielplatz, Sportplatz und eben auch der Hang der Reihenhaus-Bewohner in der Eckenerstraße vom LSG ausgenommen werden. Hintergrund, so steht es im Schreiben der Stadt, ist der geplante vorhabenbezogene Bebauungsplan „Eckenerstraße 28“ („E 28“): Um vier Gebäude mit 60 Wohneinheiten in Holzständerbauweise zu errichten, soll eine Teilfläche von 2500 Quadratmetern aus dem Schutz entlassen werden.

„Dafür wollen sie 9,1 Hektar freigeben, brauchen aber nur 0,25 Hektar“, kritisiert Anke Roß und argumentiert im gemeinsamen Widerspruch der Anwohner gegen das Vorhaben mit Unverhältnismäßigkeit. Die Nachbarn vermuten dahinter den Plan der Stadt, auf lange Sicht den Weg zu weiterer Bebauung zu ebnen. Dem halten sie den 1976 wie heute gültigen Schutzzweck entgegen: Das Tal des Schwarzenbachs bleibe für das Stadtklima wertvoll – insbesondere angesichts vier verkehrsstarker Straßen, die das Gebiet einkesseln. Mit der Entlassung der Teilfläche aus dem LSG für das Bauvorhaben sind die Anwohner einverstanden.

Thomas Hansen, Sprecher der Stadtplanung, bestätigt den zu Recht geäußerten Einwand, dass das LSG seinerzeit ausgewiesen worden sei samt Spiel- und Sportplätzen, die „dort ohnehin nicht hineingehören“. Die Planung „E 28“ werde jetzt zum Anlass genommen, eine längst überfällige Bereinigung vorzunehmen. Die schaffe aber kein Baurecht, betont Thomas Hansen und beruhigt: „Es dreht sich nur um bereits bebaute und laut Landschaftsplan bereits bebaubare Fläche.“ Sport- und Spielplätze seien als solche planungsrechtlich gesichert.

Das wird den Anwohnern die Sorge um die Unantastbartkeit der grünen Lunge nicht ganz nehmen. Ihre Grundstücke grenzen hinter dem Hang an eine naturbelassene Wiese mit Gehölz. Am Rande des Waldes treffe man hier auf Libellen, Eichhörnchen und Eichelhäher.

 

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