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Flensburger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 06:40 Uhr

Flensburg : Kampf um die Ballastkai-Plätze

vom

Schiffe stören das Hafen-Ambiente in Flensburg. Eine Zwangsumsiedlung der Dauerlieger ist beabsichtigt. Zwei Ratsfraktionen wollen den Verwaltungsschritt rückgängig machen.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2013 | 01:13 Uhr

Flensburg | Oder doch die Ostseite? Auf seiner letzten Sitzung vor der Kommunalwahl soll der Hauptausschuss der Ratsversammlung nächsten Dienstag über die Zukunft der Dauerlieger dort entscheiden. Die Fraktionen der WiF und der Linkspartei wollen die bereits angelaufene Umsiedlung der Schiffe vom Ballastkai rückgängig machen und ganz grundsätzlich weiterhin eine langfristige Verpachtung der Plätze ermöglichen.
Wie berichtet, hatte die Stadtverwaltung den dort seit Jahren heimischen Dauerliegern unter Verweis auf ihre Unverträglichkeit mit dem Wohn- und Gewerbeneubau Klarschiff neue Liegeplätze auf der Westseite zugewiesen. "Aufgrund des geänderten Umfelds am Ballastkai", hieß es damals, "sollen die Liegeplätze nicht mehr an dauerhaft aufliegende Schiffe, sondern an solche vergeben werden, die die Hafenanlage kurzfristig nutzen wollen."

Schiffe bringen Geld und gelten als attraktiv


Die Autoren des Antrags halten das für eine falsche Entscheidung. Vor allem sind sie der Ansicht, die Politik hätte vorher gefragt werden müssen. Pier und Wasserfläche hätten seit jeher eine öffentliche Widmung, über deren Aufhebung nicht die Verwaltung, sondern das Innenministerium entscheiden müsse, heißt es in der Beschlussvorlage.
Benachteiligte sei im Übrigen die Hafenbehörde selbst, die sich um jährliche Einnahmen aus Liegegeldern zwischen 4000 und 6000 Euro bringe. Benachteiligt sei aber auch die Attraktivität der Pier als Spazierweg am Ostufer. Zahlreiche einheimische und auswärtige Spaziergänger hätten ihre Freude an den dort liegenden Schiffen.

Mahnmal für den Ausverkauf der maritimen Tradition


Besonders der Hinweis auf das polarisierende Bauprojekt Klarschiff hatte die Gemüter erhitzt. Das moderne Wohn- und Geschäftshaus an der Hafenkante stand in der Diskussion schnell als Mahnmal für den Ausverkauf der maritimen Tradition. Und Hermann Höft, einer der Investoren, fand sich unvermittelt unter dem Verdacht wieder, die betagten und auch rostigen Schiffe vor der Haustüre nicht zu dulden.
Dabei stimmt das nicht. "Ich habe gar nichts gegen die Dauerlieger", sagt Hermann Höft - als Flensburger, nicht als Investor, wie er betont. "Ein Hafen lebt von Schiffen. Zumal von Handelsschiffen. Aber auch von Schiffsbewegungen." Mit den bisher erfolgten und für die beiden noch verbliebenen Schiffe "Libelle" und "Kimmik" angekündigten Verlegungen habe er nichts zu tun.
Vor Jahren, als er das Grundstück erwarb, sei die damals von der Hafen-Gesellschaft ans Ostufer verbannte Flotte rostiger Schiffe thematisiert worden. "Die waren überwiegend abwrackreif. Und wir hatten darauf hingewiesen, dass sich eine schwimmende Werft mit Wohnen und Gewerbe nicht so gut vertragen würde." Diese Situation aber habe sich im Laufe der Zeit entspannt. Ganz davon abgesehen, dass Klarschiff keinerlei Verfügungsgewalt über die Pier hat. "Wir freuen uns über jedes Schiff, das hier liegt", so Höft. "Meiner Ansicht nach sollte bei den wenigen noch zur Verfügung stehenden freien Anlegemöglichkeiten im Hafen aber die Mischung stimmen und die Dauerlieger in einem gewissen Rahmen auch präsentabel sein. Anbinden und vergessen ist sicher nicht der richtige Weg."
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