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Flensburger Stadtplanung : Kampf um den besten City-Parkplatz

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein kombiniertes Parkhaus und Wohngebäude mit Tiefgarage, rund 200 Parkplätze sowie 30 Wohnungen – so können sich Flensburgs Stadtplaner die Zukunft des Parkplatzes an der Wilhelmstraße vorstellen.

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erstellt am 16.Jan.2014 | 07:24 Uhr

Flensburg | Flensburg hat die Diskussion über die Zukunft des zentralsten Parkplatzes der gesamten Stadt eröffnet. Die 95 Stellplätze hinter dem Mauseloch zwischen Bahndamm und Wilhelmstraße sind deshalb bei Pendlern, Käufern und Touristen gleichermaßen beliebt, weil die Hafenspitze und die Einkaufsziele am Holm jeweils kaum 300 Meter Fußweg erfordern. Die Anwohner dagegen, denen das Parken auf ihren eigenen Grundstücken verboten ist, zum Teil organisiert im Verein zur Erhaltung der Östlichen Altstadt, versuchen den Verkehr möglichst aus dem Viertel zu halten. Problem: Immer dann, wenn Handel oder Hafenfeste die City brummen lassen, wird die Wilhelmstraße am Hafendamm zu einem extrem engen Flaschenhals ins Johannisviertel: Durch die Trennpoller an Süderfischerstraße (kurz vor der Angelburger) und Johannisstraße sowie eine nur zeitweise geöffnete Kette vor der Handwerkskammer stellt die Hafendammkreuzung die einzige Autoverbindung ins Viertel dar.

Am Dienstagabend hatte die Stadt zur Information über das begehrte Gelände im Windschatten des Bahndamms geladen. Stadtplanerin Claudia Takla Zehrfeld versprach, die Stadt wolle sich für ein besseres Bauleitverfahren zuerst mit den Bürgern und Betroffenen austauschen. Spätestens seit der Diskussion um den Neubau der Handwerkskammer vor drei Jahren gilt das Johannisviertel als baupolitisch sensibelstes Quartier der Stadt.

Der derzeit unbefristet verpachtete städtische Parkplatz mit seinen 95 Plätzen und Baumbestand sei im Jahr 2000 mit Fördergeld errichtet worden – was bei Neuplanungen vor 2025 die Gefahr der Rückzahlung von Fördermitteln bedeute. Nach den Ideen der Stadtplaner soll auf dem rund 100 mal 20 Meter großen Areal ein Gebäude entstehen, das in einer Tiefgarage und im Erdgeschoss rund 200 Parkplätze schafft. Diese könnten sowohl von Pendlern und Urlaubern genutzt als auch von Anwohnern auf Dauer angemietet werden. Darüber, so rechnete Takla Zehrfeld vor, sei auf 3500 Quadratmetern Fläche Wohnbebauung möglich, rund 30 Wohnungen könnten in bester Citylage entstehen. Außerdem: eine E-Bike-Station, ein Car-Sharung-Stellplatz sowie 20 überdachte öffentliche Fahrradstellplätze. Unberührt von den Planungen bleibe der Bahndamm selbst, erklärte Claudia Takla Zehrfeld. Dieser sei durch einen Ratsbeschluss von 2013 gesichert: „Auf den Bahngleisen könnte langfristig auch eine Fahrradtrasse von Weiche bis zum Hafen sein“, nannte sie eine Vision.

Trotz mehrmaliger Ansprache von Sitzungsleiter Ron Jeromin (WiF) aus dem Planungsausschuss der Ratsversammlung mochte keiner der Zuhörer zum überplanbaren Gelände eine Verständnisfrage stellen. Vielmehr wurde es gleich grundsätzlich. Der benachbarte Zob auf der anderen Seite des Damms sei Dreh- und Angelpunkt der Innenstadt, eröffnete Ekkehard Krüger vom Seniorenbeirat die Diskussion: „Warum will sich die Stadt überhaupt von diesem Grundstück trennen?“, fragte er. Krüger erklärte auch mit Blick auf die Initiative zur Reaktivierung des Dammes als Bahnstrecke, dass auf dieser Fläche dann ein Gebäude für einen möglichen City-Haltepunkt entstehen könne. Schließlich seien die Verkehrserfordernisse der kommenden Jahrzehnte heute unmöglich vorhersehbar. Krüger fürchtet: „Wir machen wieder die gleichen Fehler wie vor 20, 30 Jahren mit dem Festersen-Parkplatz.“

Peter Leuendorf (WiF) fand den Info-Abend zu der Fläche sogar befremdlich, wenn Bahn und Landes-Verkehrsservicegesellschaft LVS dem Zug in die City eine Chance gaben. Die Anwohner indes sorgen sich vor allem um die Verkehrsdichte im Quartier: „Nur wenn wir dadurch eine Entspannung bekämen, könnten wir zustimmen“, sagte Jürgen Helm. Und Christoph Baumann warnte: Würde für den Verkehrsabfluss die Süderfischerstraße zur Angelburger Straße geöffnet, sei mit erheblichem Widerstand aus dem Viertel zu rechnen.

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