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Kopfsteinpflaster in Flensburg : Kampf gegen die Zwangspflasterung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neuer Antrag für den Planungsausschusss: Linksfraktion will erst einen Mobilitätsplan und dann über Straßenpflaster reden.

Auf dem Sandberg wächst der Widerstand gegen die von der Stadt geplante Umgestaltung der Schreiberstraße und der Voigtstraße. Geltende Beschlusslage ist, gemäß den 2015 erlassenen Leitlinien für Natursteinstraßen hier auf Kosten der Anlieger Pflastersteine zu verlegen. Doch die dort wohnenden Bürger wirken alles andere als beglückt. Eine Umfrage in der Voigtstraße ergab ein klar ablehnendes Meinungsbild.

Anfang des Jahres hatte sich schon die WiF erfolglos an der Verwaltung und einer Ratsmehrheit abgearbeitet. Die WiF wollte eine Gesamtplanung fürs Viertel statt isolierter Maßnahmen – bekam dafür aber keine Mehrheit. Jetzt versucht die Linksfraktion noch einmal, den Ball ins Spiel zu bringen. Fraktionsvorsitzende Gabi Ritter wirbt um eine Mehrheit für die Aussetzung der Leitlinien und eine Gestaltungsdiskussion auf Basis des Mobilitätskonzeptes.

Mobilitätskonzept? Das gibt es tatsächlich. Nach ihrem Sturz als TBZ-Chefin und Zwangsabordnung in die Stadtplanung vor vier Jahren war die Erstellung eines solchen Verkehrsplans eine der Aufgaben, mit denen Maren Reimann beschäftigt wurde. Laut Ritter verschwand das fertige Konzept aber in irgendeiner Verwaltungsschublade, ohne je vorgestellt zu werden. Dass die Quartiersplanung durchaus beträchtliche Schnittmengen mit der Mobilität bildet, steht für die Bewohner außer Frage. In einem offenen Brief an Planungschef Peter Schroeders erklären die Anwohner explizit: „Naturkopfsteinpflaster im Viertel ist der falsche Weg. Es wird nicht nur lauter und vermutlich teurer, vor allem wird es dazu führen, dass der Fahrradverkehr deutlich behindert und erschwert wird.“

Und der spielt eine Rolle. Im Quartier, in dem überproportional viel radfahrende Studierende unterwegs sind, aber auch für den benachbarten Campus, der aus der Innenstadt über den frisch asphaltierten Sandberg und die Schreiberstraße angefahren wird. Radverkehr auf Kopfsteinpflaster aber, stellt Timo Schmidt von der Flensburger Ortsgruppe des ADFC fest, passen nicht zusammen. Mit der Gestaltung des Sandbergs als nur noch teilgepflasterte Verkehrsfläche habe die Stadt alles richtig gemacht. Der sei vorher praktisch nicht befahrbar gewesen, so Schmidt in einer Stellungnahme. „Damit hat die Stadt den richtigen Weg beschritten, um die Verbindung in den anliegenden Straßen des Wohnviertels bis hin zum Campus fahrradfreundlich zu gestalten.

Die Argumente sind nicht neu. Es gibt eine Unterschriftensammlung in der für 2019 zur Pflasterung vorgesehenen Voigtstraße, es gab in einer (schwach besuchten) Bürgerinformation eine ablehnende Positionierung der Anwohner – politisch beschlossen aber wurde das Gegenteil mit Verweis auf die Leitlinien. Die Anwohner der Voigtstraße finden sich darin in Priorität 2. der aktuell noch asphaltierten Straßen wieder, die eine Natursteinversiegelung bekommen sollen – gleich neben Schreiber-, Preußer- und Wilhelmstraße. Pikant dabei: Bei der Pflasterung der Schreiberstraße sollen die bei der Asphaltierung des Sandbergs frei gewordenen Pflastersteine verwendet werden. Das senkt die Kosten für die Schreiberstraße. Wer aber um die Ecke in der Voigstraße wohnt guckt in die Röhre: Dort müssen Steine neu herangeschafft werden, das macht den laufenden Meter um 1700 Euro teurer, hat WiF-Fraktionsmitglied Marc Paysen errechnet.

Für Ritter ist dies Flickenschusterei und angesichts des Widerstands der betroffenen Anwohner auch der verkehrte Schritt. Mit ihrer Beschlussvorlage möchte die Linksfraktion erreichen, dass derlei Fragen innerhalb eines gesamtstädtischen Konzepts, das die Interessen der Einwohner ebenso berücksichtigt wie den historischen Charakter der Stadt und der Finanzen geklärt werden. Die Leitlinie habe sich als eine nicht zu Ende gedachte Hemmschwelle für eine ergebnisoffene Diskussion um Gestaltung der Straßen erwiesen. Die zu erwartenden Kosten durch diese sehr teuren Gestaltungen seien weder für die Stadt noch für die Anlieger darstellbar.

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erstellt am 11.Jul.2017 | 05:54 Uhr

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