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Flensburger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 07:27 Uhr

Kampf gegen das giftige Kraut

vom

Eine Naturschutz-Fläche an der Keelbeker Straße in Tarp ist übersät mit Jakobskreuzkraut / Landwirte haben Angst um ihre Tiere

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Tarp | "Nicht anfassen!" Rudolf Banck aus Bollingstedt, Agraringenieur und seit zwölf Jahren Rentner, macht sich Sorgen. "Das Jakobskreuzkraut, das auf dieser Weide steht, ist so giftig, dass sich die Haut dort rötet, wo man es berührt hat." Das Gift gelange über die Haut in den Körper und schädige die Leber.

Banck steht auf einem zehn Hektar großen Stück Land an der Keelbeker Straße, die von Tarp nach Eggebek führt. Er ist nicht allein. Mit ihm schauen die Landwirte Hans Willi Clausen und Claus Kärcher besorgt über die Wiese. Ein Keelbeker hat sie von der Schrobach-Naturschutzstiftung gepachtet. Banck zeigt auf eine etwa einen halben Meter hohe Blütenpracht, die sich rund um ein Biotop angesiedelt hat, das seltene Gräser bewahren soll. Und nicht nur dort. Das Kraut breitet sich über die gesamte Weide aus. Eine giftige, in leuchtendem Gelb blühende Schönheit.

"Wir machen uns Gedanken, weil das Jakobskreuzkraut sich hier ungehindert vermehrt", so Banck. "Wenn es gemäht und liegen gelassen wird, bedeutet es eine große Gefahr für hier weidende Tiere, besonders für Pferde. Die Tiere fressen die trocken am Boden liegende Pflanze mit und werden krank davon." Denn das Gift in diesem Kraut zersetze die Leber. "Erst kränkelt das Tier, dann stirbt es", führt Banck aus. "Das darf nicht sein", sagt auch Hans Willi Clausen. Kein Landwirt könne es sich leisten, auch nur ein einziges Tier auf diese Weise zu verlieren.

Vor und während der Blüte ist das Jakobskreuzkraut ungefährlich. Die Tiere meiden es, weil das Kraut einen Bitter stoff bildet, den sie nicht mögen. Doch sobald die Pflanze abgemäht und liegen gelassen werde, sei sie gefährlich.

"Das Kraut soll und darf nicht überhand nehmen", sagt Kärcher. Er befürchtet, dass sein benachbartes Land verunkrautet, dann sei es nur schwer zu verpachten. "Ich habe nichts gegen Umweltschutz", betont der Landwirt, "aber die Pflanze ist zu gefährlich". Auf seinem Land wachse sie auch schon, sagt Hans Willi Clausen, "weil der Wind die Samen auf die Nachbarfelder weht".

"Die Verantwortlichen kennen das Problem, wir wollen aber auch die Öffentlichkeit mobil machen", ergänzt Banck. Der Pächter der Weide, der namentlich nicht genannt werden möchte, verweist zur Lösung des Problems auf die Schrobach-Stiftung. Laut Pachtvertrag dürfe die Fläche lediglich beweidet werden. "Ich darf da nichts machen", sagt er. Und: "Das Kraut verbreitet sich nicht jedes Jahr so stark." Dieses Jahr seien die Wetterbedingungen für die Pflanze besonders günstig gewesen, in anderen Jahren sei sie kaum gewachsen. Zudem seien schon viele Versuche unternommen worden, um sie zu beseitigen. "Umackern wäre vielleicht eine Möglichkeit, - und zudem eine Variante ohne Chemie." Die Stiftung wisse jedenfalls Bescheid und arbeite an einer Lösung.

Banck und die Landwirte Kärcher und Clausen beruhigt es zwar, dass sich wenigstens etwas tut - ob sich die Situation aber verbessert, wird sich zeigen.

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