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Flensburger Tageblatt

18. Oktober 2017 | 10:09 Uhr

Schenkung : Kameras für künftige Medienprofis

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Europa-Uni Flensburg hat drei professionelle Fernsehkameras bekommen – das stärke die Vorreiterrolle im Feld Medienbildung, sagen die Akteure

shz.de von
erstellt am 21.Aug.2014 | 12:02 Uhr

Wenn das kein gutes Omen ist: Diese Kameras haben noch bewegte Bilder vom kürzlich gefeierten Fest zur Umbenennung der Flensburger Uni in Europa-Universität festgehalten, erinnert Timm Ellwart. Der Sat.-1-Redakteur ist einer der Protagonisten, die dafür gesorgt haben, dass die Medienbildung der Uni seit gestern im Besitz dreier kompletter Kamera-Einheiten ist. Ellwart siedelt den Neuwert einer einzelnen zwischen 8000 und 9000 Euro an und verortet sie im unteren professionellen Bereich, wie sie etwa die BBC nutze.

Die eigentliche Idee schreibt er Albert Albers zu, der das Kieler Landesstudio des Regionalfernsehens von Sat. 1 leitet. Beide verfolgen das Ziel, am Standort die Medienkompetenz zu stärken, erklärt Albers. Technisch habe ein Generationswechsel bevorgestanden, sagt Ellwart. Und Albers ergänzt, er und seine Kollegen hätten überlegt, was sie mit den vier Jahre alten Kamera-Modellen machen. Die wurden generalüberholt und stehen nun den Studenten zur Verfügung.

Das freut unter anderem Professor Jürgen Schwier. Der Vize-Präsident der Uni für Studium und Lehre weist darauf hin, dass die Flensburger Universität ein Vorreiter insofern sei, als dass sie der Medienbildung frühzeitig einen Platz als „zentralen Baustein in der Lehrerbildung“ eingeräumt habe. Für jeden Lehramtsstudenten sei das Modul Pflicht. Überhaupt kämen „fast überall“ Medien zum Einsatz, und sei es, dass Unterricht gefilmt werde, um das Material als Hilfsmittel zur Analyse zu nutzen und die Unterrichtspraxis somit zu verbessern.

Jürgen Schwier geht noch weiter und deutet die gemeinsamen Pläne mit der Fachhochschule an, ein Flensburger Zentrum für Europäische Medienforschung und Medienpädagogik zu etablieren. Die Professur sei ausgeschrieben.

Das Pflicht-Modul sei relevant für 800 Studenten jährlich, weiß Christian Filk, Professor für Medienpädagogik und interdisziplinäre Medienforschung. Internet und Erwartungshaltung der Nutzer haben sich verändert, teilt Filk Beobachtungen. Er spricht von einer „kulturellen Zäsur“, im Zuge derer Medien ein Teil von Persönlichkeiten bestimmter Generationen geworden sind. Vor diesem Hintergrund sei es notwendig, die „Einweg-Kommunikation“ durch einen „Dialog mit vielen Stimmen“ zu ersetzen und bewusst, kritisch, aufgeklärt den Übergang von der Industrie- zur Netzwerkgesellschaft zu gestalten. Und eine Haltung zu vermitteln.

Filk, der 2013 an die Uni berufen wurde und das Seminar für Medienbildung leitet, hat sich „Media matters“ ausgedacht. Das ist ein Forschungsprojekt, das gewissermaßen Schule machen soll. Es soll Bedingungen und Strukturen erkennen und gestalten, unter denen Medienbildung in den Schulen des Landes stattfindet. Christian Filk zählt 17 Schulen, mit denen die Hochschule derzeit kooperiere – von Flensburg natürlich bis Lübeck, Norderstedt, Brunsbüttel. Gäbe es diesen Austausch nicht, wie auch „Media matters“ ihn anstrebt, bestünde die Gefahr, von der Entwicklung abgehängt zu werden. Erste Eindrücke einer „Voll-Erhebung“ zusammen mit den Bildungs-Qualitätswächtern des IQSH an allen 830 Schulen im Land zum Thema Medienbildung bestätigen den Professor darin, wie „groß der Bedarf an Fort- und Weiterbildung“ auf diesem Gebiet sei.

Wie groß die materialintensive Medienbildung in Flensburg längst geschrieben wird, zeigt das Equipment, das die Hochschule schon vorhält – Filk betont, dass Vieles davon Förderern zu verdanken sei. Video-Schnitt-Studio, 3-D-Drucker und Raum Camelot beeindrucken durchaus – letzterer mit einem riesigen runden Schreibtisch, der durchgehend und mit etlichen Plätzen mit versenkbarem Monitor und Computer bestückt ist, über Beamer verfügt und jede Wand zur potenziellen Projektionsfläche macht. Die Schätze hinter den Schiebetüren, darunter handliche HD-Kameras, nehmen sich aber vergleichsweise bescheiden aus im Kontrast zu den geschenkten robusten Sony-Kameras. Keineswegs „nur“ künftige Lehrer profitieren von all dem; manch einer schwenkt im Laufe des Studiums um und verschreibt sich ganz den Medien. So wie Timm Ellwart, der auch mal Lehrer werden wollte, heute für Sat. 1 berichtet – und Lehrbeauftragter der Uni Flensburg ist.

http://mediamatters-sh.de

 

 

 

 

 

 

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