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Flensburger Tageblatt

13. Dezember 2017 | 20:41 Uhr

Kalter Sommer auf der „Dagmar Aaen“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Arved Fuchs machte nach dreimonatiger Grönland-Expedition gestern im Museumshafen fest / Stürmische und kalte Rückreise

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2014 | 17:47 Uhr

„Willst Du Abenteuer, fahr’ mit Amundsen, willst Du sicher ankommen, fahr’ mit Shackleton, willst Du pünktlich zu Hause sein, fahr’ mit Fuchs!“ Der Flensburger Bernhard Naber ist als Wachführer weit und lang genug mit Arved Fuchs gesegelt. Er muss das wissen. Naber stand gestern mit gut drei Dutzend Freunden, Bekannten und Passanten auf dem Bohlwerk des Museumshafens, um die „Dagmar Aaen“ bei der Rückkehr von ihrer dreimonatigen Grönland-Expedition willkommen zu heißen. Nachdem Fuchs den Traditionssegler rückwärts eingeparkt hatte, begrüßte der Expeditionsleiter das wartende Landvolk mit einem festen, freundlichen Moin! Da war es gerade 11 Uhr und Fuchs war nach 3000 überwiegend stürmischen Seemeilen wieder einmal auf die Minute pünktlich.

Das Fahrtgebiet des 1931 gebauten Haikutters ist traditionell der raue Nordatlantik und seine polaren Regionen. Dieses Mal hatte Fuchs auf der „Dagmar Aaen“ eine Expedition an die Ostküste Grönlands geführt – eine Küste, die bislang als unzugänglich galt, eine Küste, die sich grundlegend verändert hat. „Wir konnten Fjorde erkunden, daran brauchte man vor ein paar Jahren nicht mal denken“, meinte Fuchs. „Wo kompaktes Meereis hätte sein müssen, waren nur noch Eisberge unterwegs.“

Der Klimawandel und seine Dokumentation sind das große Thema der Forschungsreisen mit der „Dagmar Aaen“. Und wenn Fuchs von der neugierigen Eisbärfamilie erzählt, die das Schiff umrundete, schwingt da auch viel Nachdenklichkeit mit. Denn eigentlich hätte dieser Familienausflug auf festem eisigen Untergrund stattfinden sollen. „Ich möchte nicht immer die Kassandra geben – aber der Rückzug des Eises ist dramatisch“, sagt der Bad Bramstedter.

Die dreimonatige Reise führte die „Dagmar Aaen“ über die Orkneys und Island nach Grönland. Dort bestieg ein Team um den chilenischen Bergsteiger Pablo Besser den Gunnbjörn Fjell, denmit 3694 Metern höchsten Berg nördlich des Polarkreises. Etappenweise wurde die „Dagmar Aaen“ von einem Fernsehteam begleitet, das für das Sendeformat „Terra X“ drehte. Abgesehen von einer überstürzten Abreise wegen eines Mosquito-Überfalls im Naturhafen Hekla Havn lief die Expeditionsreise nach Plan, berichtet Fuchs. Die Rückreise über die Dänemarkstraße gestaltete sich als ausgesprochen ungemütlich. Die „Dagmar Aaen“ hatte ein kleines Zeitfenster genutzt, um vor den immer noch Orkanstarken Resten des Hurrikans „Cristobal“ Island zu erreichen. Zu einem hohen Preis. Über weite Strecken hatte das Schiff stürmischen Wind mit Stärke 9 und vier Meter hohe Brecher von vorn – immer noch besser als alles, was danach kommen sollte. Die Crew der „Dagmar Aaen“ lag keine drei Stunden im Hafen von Isafjördur in ihren Kojen, als Cristobal morgens um 5 mit voller Orkanstärke über Island hinweg fegte.

Der Rest der erfolgreichen Reise war dann fast ein Kinderspiel: Über die Nordsee rund Skagen und durch Kattegatt und Belt pünktlich nach Hause. Kein Wunder, dass Fuchs wohl stellvertretend für alle Mitreisenden für die nächsten Tage zwei Wünsche hat: ein ausgiebiges Wannenbad und dann noch einen schönen Restsommer.

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