Südstadt : Kahlschlag: Was entsteht am Peelwatt?

Ein Trümmerfeld: Die einst hochmoderne Untersuchungshalle fand keinen Interessenten - und wurde abgerissen. Foto: Marcus Dewanger
Ein Trümmerfeld: Die einst hochmoderne Untersuchungshalle fand keinen Interessenten - und wurde abgerissen. Foto: Marcus Dewanger

Über acht Hektar werden frei: Die Deutsche Bahn (DB) AG will die Fläche des ehemaligen Bahnbetriebswerkes verkaufen. Was daraus wird, ist im Rathaus noch unklar.

shz.de von
23. April 2009, 11:56 Uhr

Flensburg | Gestandenen Eisenbahnern mit Liebe zum Beruf dürfte ein Gang zum ehemaligen Bahnbetriebswerk am Peelwatt die Tränen in die Augen treiben: Seit Dezember verwandeln Abbruchbagger die Anlagen in eine Mondlandschaft. Kein Stein blieb auf dem anderen, die Schutthalden türmen sich, ein paar letzte Gleise belegen noch die einstige Nutzung der Flächen.

Auf ihnen liegen jetzt noch einige, wenige Abstellgleise für Züge. Ob sie noch benötigt werden, untersuchen zur Zeit die Dienststellen der DB AG, erläuterte ihr Hamburger Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis. Unantastbar sind die an den Rändern der 84 000 Quadratmeter großen Fläche verlaufenden Bahnstrecken nach Kiel und nach Pattburg. Meyer-Lovis: Die DB habe versucht, die Flächen mit Gebäuden zu verkaufen. Da dies nicht gelang, sei die Entscheidung gefallen, die Bebauung zu entfernen.

Das Flensburger Rathaus hat noch keine Vorstellung, wie die Flächen am Peelwatt in Zukunft zu nutzen sind. Chef-Stadtplaner Frank Rolfes: Die neue Ausarbeitung des Flächen-Nutzungsplans für das Stadtgebiet werde erste Festlegungen für das Bahngelände bringen. Wirtschaftsförderer Dr. Klaus Matthiesen sieht am Peelwatt nicht zwingend Gelände für neue Gewerbegebiete. Dafür seien die Flächen zu wenig sichtbar und zu schlecht erreichbar.
Todesstoß für Dampfloks mit Elektrifizierung
Vor einer neuen Verwendung sollte zumindest die Frage nach Altlasten geklärt sein. Hier laufen die Untersuchungen.

Seit Jahren verläuft der Verfall dieser Infrastruktur schleichend, manchmal auch spektakulär. Noch im Februar 1984, im Jahr des Stadtjubiläums, gab es Grund zum Feiern. Damals wurde im Bahnbetriebswerk eine hochmoderne Halle für die Unterhaltung von schweren Strecken-Diesellokomotiven eingeweiht. Mit 95 Loks und etwa 300 Arbeitsplätzen war Flensburg ein norddeutsches Zentrum für die Unterhaltung von Zügen geworden. Die Investitionen in die Anlagen, die jetzt plattgemacht worden sind, beliefen sich auf zehn Millionen Mark.

Erfahrene Eisenbahner sahen den Todesstoß voraus, den die Elektrifizierung der Strecken im Land für die Flensburger Dienststelle tatsächlich brachte. Die Flensburger Dieselloks wurden überflüssig und kamen nach Lübeck. 1996 dann das Desaster: Beim Rangieren stürzten Waggons in die Drehscheibe. Unter Schnee stürzte der Schuppen Ende der 1990er Jahre ein.

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