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Baumfällungen in Flensburg : Kahlschlag in Fruerlund

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zahlreiche Bäume standen der Sanierung von Abwasserleitungen sowie Abriss und Neubau des Hochhauses Travestraße 28 im Weg

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2017 | 06:17 Uhr

Es war der Großeinsatz der Motorsägen, und danach hatte sich das Bild des Stadtteils Fruerlund verändert. Spötter lästern schon, der Name des Viertels müsse neu erfunden werden, heißt doch „...lund“ so viel wie Wäldchen, Gehölz – und gerade dort sind die Motorsägen hineingefahren.

Hauptzufahrt ins Viertel ist die Travestraße. Deren Baumbewuchs auf der Verkehrsinsel war prägend für den Stadtteil. Von den alten Bäumen, die in den frühen 1960-er Jahren bei Erschließung und Aufbau gepflanzt wurden, sind jetzt nur noch Stümpfe geblieben.

Die Aktion hat jedenfalls reichlich Unruhe unter den Bewohnern ausgelöst. Im Rathaus und in der Stadtredaktion gingen zahlreiche Hinweise und Nachfragen zur Baumfällung ein. Immer wieder wurde angezweifelt, dass die rechtliche Grundlage für die Sägeaktion vorhanden sei. „Bei so großen Bäumen könne es doch eigentlich keine Erlaubnis zum Fällen geben“, meinten Leser.

Aufgeschreckt durch das Kreischen der Motorsägen, griff Harald Harpke, Anwohner des Ilmenauweges, zur Kamera, vermutete einen Baumfrevel, den er mit Fotos der großen Bäume dokumentieren wollte. Als Nachbar der Elbestraße bekam er aus nächster Nähe mit, wie ein stattlicher Baum neben der Fridtjof-Nansen-Schule gefällt wurde. Und Harpke hielt mit der Kamera die weiteren Kahlschläge im Viertel fest, darunter die Fällung in der Travestraße.

Bei der sei jetzt alles korrekt verlaufen, erläuterte der Sprecher des Technischen Betriebszentrums, Ralf Leese. Sowohl in der Travestraße, in der Elbestraße und in der Tilsiter Straße stünde die Sanierung der Abwasserkanäle bevor. Ein Fehler bei der Pflanzung reiche bis in die ersten Jahre des Stadtteils Fruerlund zurück: Die Bäume seien direkt über den Leitungen gepflanzt worden. Streckenweise seien die Leitungen von den Wurzeln eingedrückt und der Abwasser-Abfluss aufgestaut worden. Leese: „Es geht nur eines: Entweder breiten sich die Wurzeln aus, oder das Wasser läuft.“

Jedenfalls sind die Leitungen jetzt in einem Zustand, dass die Sanierung nicht mehr aufgeschoben werden könne. Sie sei im Frühjahr vorgesehen. Die Bäume würden jetzt gefällt, weil ab 1. März der Vogelschutz gelte, Bäume und Büsche dann nicht mehr angetastet werden dürfen.

Die Fällungen an der Elbestraße und in der Tilsiter Straße seien auch durch die bevor stehende Sanierung von Abwasserleitungen begründet, sagte der TBZ-Sprecher. Er betont auch: „Es werden ja Bäume nachgepflanzt.“

Einen anderen Grund hat die Beseitigung der Bäume an der Travestraße. Dort stehen der Abriss des Hochhauses Nr. 28 und die Neubebauung des Grundstückes bevor. Die großen Bäume an der Seite und die kleineren zur Straße hin seien verschwunden, damit Maschinen und Lastwagen Platz haben.

Technik hin oder her, Notwendigkeit oder nicht, eine Fällung traf die Fruerlunder ins Herz. Auf dem Südost-Ende der Verkehrsinsel stand ein Nadelbaum. Er ersetzte vor Jahren ein markant größeres Exemplar, das einen der Orkane nicht ausgehalten hatte. Es war Tradition im Stadtteil und eine schöne Optik, zu Weihnachten diese Bäume mit Lichterketten zu schmücken.

Der kleine Weihnachtsbaum, der erst wenige Jahre wachsen konnte, ist von der Bildfläche verschwunden.

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