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Flensburger Grammy-Gewinnerin : Kaffeestunde mit einem Star

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sängerin Dorothea Röschmann trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein – und ihre Familie ist dabei.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2017 | 09:05 Uhr

Sie trage extra einen Schal und Ohrringe, sagt Dorothea Röschmann mit gespielter Arroganz, als Swetlana Krätzschmar sie als Diva zu beschreiben gedenkt. „Ich bin gar nicht so“, stellt die Flensburger Sopranistin richtig. Und man glaubt es ihr sofort.

Anlässlich ihres Grammy-Gewinns 2017 für das beste klassische Solo-Gesangsalbum (Schumann & Berg, mit Mitsuko Uchida am Klavier) hat die Stadtpräsidentin gestern die Künstlerin, die in Hamburg lebt, im Rathaus empfangen und ins Goldene Buch der Stadt eintragen lassen. Flensburger Familienmitglieder, darunter Vater und Schwester, Ehemann Christoph Bantzer und die zwölfjährige Tochter Clara sind dabei. „Es ist ein Geschenk, Sie zu hören“, schwärmt die kulturaffine Stadtpräsidentin, erinnert sich gern an Röschmanns Auftritt zum 450. des Alten Gyms, fragt nach ihren Anfängen im Bach-Chor und was sie sich für Flensburger Kinder wünscht aus musikalischer Sicht. Dass sie ernsthaft, aber ohne Leistungskeule an die große Bandbreite der Musik herangeführt werden, wünscht sich die Sängerin.

Bei Laugengebäck, Teilchen und Getränken erzählt Dorothea Röschmann auch gern nochmal von jener Nacht der Entscheidung. Sie habe davon geträumt, dass ihr Kollege Ian Bostridge, der in derselben Kategorie nominiert war, den Grammy gewonnen habe. Davon sei sie aufgewacht, sagt sie, voller Freude für Ian. Doch von dem Tenor war kurz nach Mitternacht längst ein Glückwunsch bei ihr angekommen. Denn gewonnen hatten beide – jeder einen eigenen Grammy.

Es blieb wohl beim Versuch, weiter zu schlafen. Sie habe sich gefühlt „wie ein Wasserball, den man untertaucht, und er kommt immer wieder hoch.“ Mit dem Grammy-Gefühl sei sie „dann wieder als Desdemona gestorben“, habe „brav“ ihre Proben, und auch den Medien-Marathon absolviert. Wegen der bevorstehenden Premiere des Otello in Dresden musste sie auf die Reise nach Los Angeles zur Preisverleihung verzichten. „Den Grammy habe ich leider noch nicht“, sagt sie, da fehle noch eine Gravur.

Die 49-jährige Sängerin, die aus Spaß immer mal wieder einen breiten norddeutschen Dialekt anstimmt, bezeichnet all das im Gefolge des Grammy als „Erdungsprozess“, und ist es doch ohnehin. Sehr sympathisch sagt die Frau, die in ihrem Stammhaus – der Staatsoper Unter den Linden – wie in der Met in New York gefeiert wird: „Das A und O ist, dass man ein normales Leben führt. Das ist Leistungssport, was wir machen.“ Deshalb sei wichtig, „dass man gesund ist“, auch die Lieben um einen herum und, dass man Freude am Beruf habe. „Wenn man so viel unterwegs ist, dann ist nach Hause kommen wie Urlaub“, sagt Dorothea Röschmann. „Vor allem so ein Zuhause“, betont ihr Mann. Noch bis Sonntag bleiben sie in Flensburg, gehen essen, spielen Spiele in Familie und radeln natürlich durch die Hölzung.

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